Interview
«Die Jugendlichen entwickeln viel Energie», sagt René Pulfer – Der Musiklehrer an der Schule Erlen hat mit den Schülern ein Musical einstudiert

Viermal führt die Schule Erlen in den nächsten Tagen das Musical «Hair 2020» auf. Wegen der Coronapandemie mussten sich die Schüler dieses Jahr besonders ins Zeug legen.

Hannelore Bruderer
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René Pulfer arbeitet als Musiklehrer für die Sekundarschule Erlen.

René Pulfer arbeitet als Musiklehrer für die Sekundarschule Erlen.

Bild: Hannelore Bruderer

Wie wird entschieden, welches Musical von den Schülern einstudiert wird?

René Pulfer: Als verantwortlicher Musiklehrer muss ich mich gut eineinhalb Jahre vor der Auf- führung festlegen, denn das Musical zum Schulschluss ist ein Jahreskurs. Ich schaue, welche Talente es im entsprechenden Jahrgang gibt und taste mich so an mögliche Stücke heran. Am Projekt sind ausser mir noch viele andere beteiligt, so die Klassenlehrpersonen, einige Fachlehrkräfte, eine Choreografin und natürlich die Schülerinnen und Schüler. Am intensivsten arbeiten Regisseurin Rita Bänziger und ich an «Hair 2020».

Das Musical spielt in den 1960er-Jahren in den USA. Die Zeit war geprägt von der Hippiebewegung und vom Vietnamkrieg. Sie haben das Musical modernisiert. Wie haben Sie das angestellt?

Bei 16 Mädchen und vier Jungs war schnell klar, dass allein schon die Rollenbesetzung mit der Originalvorlage gar nicht möglich wäre. Wir haben das Stück also nicht nur moder- nisiert, sondern eine komplett neue Geschichte, die in einem Internat spielt, daraus gemacht. Wiedererkennen wird das Pub- likum die Songs, die wir aus «Hair» übernommen haben.

Auflehnung gegen die Gesellschaft und gegen Drogen sind zwei zentrale Themen der Originalfassung. Spielen diese Themen auch in der Erler Fassung eine wichtige Rolle?

Ja, Drogen, Gewalt und Rebellion werden angesprochen. Aber auch, wie man für etwas einsteht, das einem wichtig ist.

Wie schwierig war es, während der coronabedingten Schulschliessung das Projekt weiterzuentwickeln?

Die Motivation aufrechtzuhalten, war schwierig, zumal wir nicht wussten, ob wir das Stück überhaupt jemals zeigen können. Wir haben jede Information zu den Lockerungsschritten gebannt mitverfolgt und uns gesagt, wenn wir die Projektwoche nach den Pfingstferien durchziehen können, dann kann es noch klappen mit dem Musical. Wir hatten zwei Monate aufzuholen, denn Homeschooling funktioniert in diesem Bereich nicht. Also hiess es Vollgas geben. Aus Erfahrung weiss ich, dass die Jugendlichen in den letzten zwei, drei Wochen vor der Premiere jeweils viel Energie entwickeln und auch freiwillig zusätzliche Probemöglichkeiten nutzen.

Das wievielte Musical ist «Hair 2020», das Sie an der Schule Erlen aufführen?

Es ist das achte Musical. Zu Beginn meiner Tätigkeit als Musiklehrer hier in Erlen organisierte ich auch noch andere Schulschlussprojekte. Die Regelmässigkeit, mit der wir nun jedes Jahr ein Musical aufführen, hat ihre Vorteile. Die jüngeren Schüler schauen es sich an und freuen sich darauf, wenn sie an der Reihe sind. Die Aufführungen zum Schulschluss haben mittlerweile einen gewissen Stellenwert und werden von Sponsoren grosszügig unterstützt.

Warum eignet sich die Aufführung eines Musicals besonders gut für ein solches Abschlussprojekt?

Die Musik steht im Mittelpunkt, es umfasst aber viele weitere Bereiche – vom Tanz zum Schauspiel, von der Technik zu den Kostümen, von der Werkstatt zum Catering. Jede Schülerin und jeder Schüler kann seine Stärken einbringen. Die Jugendlichen lernen aber auch, mit Druck und Stress umzugehen. Und ganz wichtig: Ein Musical ist kein Solokonzert, sondern eine Gemeinschaftsproduktion.

Wird es Ihnen nicht lang- weilig, jedes Jahr wieder ein Musical einzustudieren?

Langweilig ist es nicht, anstrengend schon. Mir ist es wohl aber immer noch so wichtig, dass ich diese zusätzliche Arbeit immer noch gerne auf mich nehme. Es ist auch eine schöne Abwechslung zum Schulalltag. Beim Musical arbeiten wir über lange Zeit im gleichen Team auf etwas hin und können uns gemeinsam über unseren Erfolg und den Applaus freuen, den wir erhalten.

Aufführungen: Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr; Montag, 29. Juni, 20 Uhr; Dienstag, 30. Juni, 20 Uhr; Mittwoch, 1. Juli, 20 Uhr; Ort: Mehrzwecksaal der Schule Erlen; Tickets via Schulverwaltung, Telefon 071'649'10'00.