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Die jetzige Situation stimmt für einige Kreuzlinger Katholiken nicht

Die Gräben innerhalb der katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen scheinen unüberwindbar. Mitglieder der Pfarrei St. Ulrich, die bei vielen als Opposition gegen die Behörde gelten, erklären, warum sie unzufrieden sind und worum es ihnen geht.
Nicole D’Orazio
Mitglieder der Pfarrei St.Ulrich in Kreuzlingen sind derzeit mit der Situation in der Kirchgemeinde unzufrieden. (Bild: Reto Martin)

Mitglieder der Pfarrei St.Ulrich in Kreuzlingen sind derzeit mit der Situation in der Kirchgemeinde unzufrieden. (Bild: Reto Martin)

Sie mussten einstecken. An der Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen letzte Woche hatten Behördenmitglied Martin Beck sowie die drei Kandidaten für die Kirchenvorsteherschaft – Yvonne Steinbrüchel, David Blatter und Jules Brenneis – einen schweren Stand (unsere Zeitung berichtete).

Beck sah sich mit einer direkten Gegenkandidatur konfrontiert und stellte sich am Schluss nicht mehr zur Wahl. Die anderen mussten im Rahmen der Gesamterneuerungswahl bei ihrer Vorstellung mit einer relativ aggressiven Atmosphäre fertig werden, und hatten keine Chance.

«Ich war überrascht, wie viele Leute an die Versammlung gekommen sind. 220 – so viele wie wahrscheinlich noch nie», sagt Blatter. Die Kirchbürger seien mobilisiert worden, das wüssten sie. «Aber nicht von unserer Seite», meint Beck.

Sie wollen etwas gegen die Unzufriedenheit tun

«Nun haben wir halt aufs Dach bekommen. Aber ich bereue nichts», sagt Brenneis. «Wir haben uns zur Wahl gestellt, weil wir mit der Situation nicht zufrieden sind und etwas dagegen tun wollten.» Man sei nun innerhalb der Kirchgemeinde am absoluten Tiefpunkt. Die Spaltung der Pfarreien sei so tief wie noch nie.

Die drei Männer sind Pfarreiangehörige von St. Ulrich und wollen nicht als Anhänger des ehemaligen Pfarradministrators Alois Jehle bezeichnet werden. «Er hat mit der Sache nichts zu tun», betont David Blatter. Das sei ihnen wichtig. Sie wollen sich für ihre Pfarrei einsetzten, denn sie finden, dass es derzeit nicht gut läuft.

«Es kommen immer weniger Leute in die Gottesdienste», zählt Martin Beck auf. Das habe vor allem damit zu tun, dass es für beide Pfarreien nur noch einen zuständigen Seelsorger gebe. Pater Jan Walentek ist seit dem Abgang von Jehle für das ganze Gebiet verantwortlich. «Ich bin deswegen auch gegen eine Errichtung eines Pastoralraumes mit Ermatingen, da es sonst noch einen grösseren Leistungsabbau gibt.» Ihm ist jedoch bewusst, dass man den von der Behörde eingeschlagenen Weg kaum mehr ändern kann.

Jules Brenneis ist der Meinung, dass St. Ulrich gegenüber St. Stefan schlechtergestellt sei. «Mit der neuen Gottesdienstordnung wird unsere Seite benachteiligt, es gibt weniger Gottesdienste.» Und man könne es nicht leugnen, dass viele Kirchgänger nicht mehr kämen, weil der polnische Kaplan, der Jan Walentek vertrete, nur schwer zu verstehen sei, sagt Blatter.

«Das Wort, das Beherrschen unserer Sprache, ist der Weg zu den Menschen. Es ist ein bedeutendes Mittel für einen Priester. Das ist nun mal einfach so»,

betont Brenneis.

Kollegialitätsprinzip von der Behörde verletzt

Blatter will nochmals betonen, dass er von der Kirchenvorsteherschaft enttäuscht ist, da sie das Kollegialitätsprinzip verletzt hat. «Wir wissen dass diese die Kandidatur von Elmar Raschle gegen Martin Beck eingefädelt hat», sagt er. «Es kann doch nicht sein, dass jemand raus geekelt wird, nur weil er eine andere Meinung hat. Es ist doch wichtig, dass in einer Behörde unterschiedliche Ansichten vertreten sind.»

«Dominic Hasler, der die Kandidatur gegen mich an der Versammlung angekündigt hat, hat mich in einigen Themen angegriffen, die er gar nicht wissen dürfte», sagt Beck. Da seien Interna ausgeplaudert worden. Zudem würden sie nicht stimmen.

«Den Vorwurf, ich würde nicht an Anlässen teilnehmen, lasse ich nicht gelten. Ich setze mich seit Jahren mit grossem Engagement für die Pfarrei und die Kirchgemeinde ein»,

sagt Martin Beck. Und bei einem Milizsystem sei es leider unvermeidlich, dass man einmal einen Termin nicht wahrnehmen kann. Beck will sich bis Ende Dezember weiter für die Kirchgemeinde einsetzen. So lange gehört er der Vorsteherschaft noch an. «Danach sind andere in der Pflicht.»

Als an der Versammlung die Kündigungsgründe von Yvonne Steinbrüchel genannt wurden, hätte die Behörde zudem den Persönlichkeitsschutz verletzt, fügt Brenneis an. «So etwas darf nicht vorkommen.»

Kirchenpfleger dürfte nicht gewählt werden

In einem Punkt hat Blatter die Versammlung noch nicht abgehakt. «Ich überlege mir, Stimmrechtsbeschwerde einzureichen.» Denn er sehe es als einen Verstoss an, dass der Kirchenpfleger von der Versammlung gewählt wird und der Vorsteherschaft angehört. «Dann müssten doch auch die Kirchbürger über dessen Anstellungsbedingungen bestimmen können und nicht die Behörde. So läuft doch etwas in der Aufsichtsfunktion falsch.» Er habe recherchiert und überlege sich den nächsten Schritt.

Die drei sind Gründungsmitglieder des Vereins Puls 2000 und werden ihre Zeit künftig vor allem in diesen investieren. «Der Verein ist aus der Not entstanden, um das Leben in den Pfarreien wieder zu aktivieren», erklärt Beck. Dass der Verein an der Versammlung negativ dargestellt wurde und sogar als Affront gegen die Behörde bezeichnet wurde, kann er nicht nachvollziehen und findet das schade. So werde eine gute Sache schlecht gemacht. Davon liessen sie sich aber nicht abschrecken.

Für einige Mitarbeiter stimmt es nicht mehr

Die drei beklagen, dass direkt nach der Kirchgemeindeversammlung bereits wieder eine Kündigung eingereicht wurde und dass die derzeitige Situation noch weitere zur Folge haben wird.

«Hoffentlich verschliesst die Behörde davor nicht die Augen, dass es den Mitarbeitern nicht mehr gefällt»,

meint Blatter. «Signale dürfen nicht ignoriert werden.» Auch langjährige Freiwillige würden sich zurückziehen.

Den drei Männern geht es nicht darum, sich öffentlich zu beschweren. «Die Kirchbürger haben entschieden, was wir selbstverständlich akzeptieren», sagt Blatter. Das Ziel müsse nun sein, die Pfarreien wieder einander näher zu bringen. Normalität gebe es allerdings nicht nur von einer Seite her. Immer würden sie als die Bösen dargestellt.

«Wie die Behörde den Graben zwischen den Pfarreien wieder füllen will, hat sie bisher nicht aufgezeigt», sagt Brenneis. Sie würden sich einer Annäherung bestimmt nicht verschliessen.

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