Die HRS braucht in Arbon weiter Geduld: Die Stadt holt ein städtebauliches Gutachten zu den beiden geplanten Wohntürmen am See ein

Der Stadtrat kommt damit einem Wunsch des Kantons nach und will sich damit vor allem eine bessere Entscheidungsgrundlage verschaffen. Geplant war es anders.

Markus Schoch
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Visualisierung der beiden Wohntürme am Arboner Seeufer.

Visualisierung der beiden Wohntürme am Arboner Seeufer.

(Bild: PD)
  • Das Hotel Metropol in Arbon ist seit drei Jahren geschlossen und kann gemäss einem Gerichtsurteil abgebrochen werden. Die Firma HRS will auf dem Gelände zwei rund 40 Meter hohe Wohntürme bauen.
  • Das Projekt mit dem Namen «Riva» ist umstritten. Der alte Stadtrat wollte deshalb einen Grundsatzentscheid herbeiführen und die Arboner im nächsten Jahr über den Gestaltungsplan abstimmen lassen, der die Details regelt.
  • Der neue Stadtrat ändert jetzt das Vorgehen. Er gibt ein Gutachten in Auftrag, das die Frage klären soll, ob die Zwillingstürme ins Ortsbild passen.

Der neue Stadtrat ändert den Fahrplan der Vorgänger. Diese haben im Frühling kurz vor Ende ihrer Amtszeit entschieden, dass die Arboner im nächsten Jahr über den Gestaltungsplan abstimmen können, der die Rahmenbedingungen für den Bau der beiden Wohntürme der HRS auf dem Gelände des Hotels Metropol festlegt. «Wir sind der Meinung, dass es in dieser Kontroverse einen Grundsatzentscheid braucht», sagte der damalige Stadtpräsident Andreas Balg im April.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

(Bild: Donato Caspari)

Doch sein Nachfolger Dominik Diezi und dessen Ratskollegen treten jetzt auf die Bremse. Sie haben einstimmig beschlossen, vor dem in Aussicht gestellten Urnengang ein städtebauliches Gutachten in Auftrag zu geben, das die Frage klären soll, ob die beiden Zwillingstürme kompatibel sind mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS). Der Stadtrat trägt damit nicht nur den schon vor langer Zeit geäusserten und zuletzt immer in den Wind geschlagenen Zweifel der Arboner Ortsbildkommission Rechnung, sondern kommt auch einem Wunsch des Kantons nach.

Kein Kommentar zum alten Stadtrat

Im Vorprüfungsbericht habe dieser der Stadt nahe gelegt, diesen zentralen Punkt in einer Expertise klären zu lassen, sagt Diezi. Ein viel wichtigerer Beweggrund für den Stadtrat sei aber ein anderer:

«Es ist unsere Aufgabe als Bewilligungsbehörde, hier Klarheit zu schaffen, um schliesslich auf einer soliden Basis die verschiedenen Interessen abwägen zu können.»

Kümmere sich die Stadt heute nicht darum, werde sie spätestens damit konfrontiert, wenn sich die Gerichte mit dem umstrittenen Bauprojekt befassen müssten, was absehbar sei, falls die Bevölkerung dereinst grünes Licht für das Projekt geben sollte.

Dass der alte Stadtrat die Sache offenbar anders gesehen habe, wolle er nicht kommentieren. Sie mache es der neuen Behörde so einfacher, hatte Balg seinerzeit erklärt.

Schwierige Suche nach Gutachter

Gegenwärtig läuft die Suche nach einem geeigneten Gutachter, was gemäss Diezi nicht einfach ist. «Er muss unabhängig und gleichzeitig anerkannt sein.» Wenn die Expertise vorliegt, will die Behörde das weitere Vorgehen diskutieren. «Wir hätten sie natürlich gerne möglichst schnell in den Händen. Aber es kann sein, dass es ein halbes Jahr dauert», sagt Diezi.

Maschendrahtzaun und Bretter: Das «Metropol» ist seit November 2016 geschlossen.

Maschendrahtzaun und Bretter: Das «Metropol» ist seit November 2016 geschlossen.

(Bild: David Grob)

Zu den Kosten könne er im Moment noch nichts sagen. Entscheidend sei, welche Fragen der Gutachter konkret beantworten müsse. «Diese Liste haben wir noch nicht zusammengestellt.» Klar sei, dass die Stadt diesmal die Rechnung bezahle.

HRS: «Nehmen Entscheid so zur Kenntnis»

Sowohl bei der HRS als Bauherrin als auch bei der IG Pro Metropol als Gegnerin des Projektes halte sich die Begeisterung über die neueste Entwicklung in Grenzen, sagt Diezi. In der offiziellen Stellungnahme lässt sich der Generalunternehmer aber nichts davon anmerken. «Der Stadtrat hat über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Wenn er ein städtebauliches Gutachten für wichtig und nötig ansieht, dann kann er ein solches jederzeit in Auftrag geben. Seitens der HRS nehmen wir diesen Entscheid so zur Kenntnis.»

Andreas Balg, früherer Stadtpräsident von Arbon.

Andreas Balg, früherer Stadtpräsident von Arbon.

(Bild: PD)

Das «Riva» ist als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Die Jury findet den Grundriss schlichtweg brillant. Die Ansprüche in städtebaulicher Hinsicht waren gemäss Balg hoch: Die wahrscheinlich beste Lage direkt am See verlange nach einer architektonisch hervorragenden Lösung. Das Projekt erfülle alle Wünsche und könne zu einem Leuchtturm werden. Der Weg bis dahin ist aber noch ein weiter.

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Am Dienstag informierte die Stadt über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem Bauprojekt der HRS auf dem Land des Hotel Metropol. Die Behörde musste sich viel Kritik anhören. Auch weil man sich nicht auf ihre Aussagen verlassen kann.
Markus Schoch