Die Gemeinde Wuppenau kauft sich zwei Busverbindungen

Wuppenau will abends einen Halbstundentakt nach Wil und finanziert diesen kurzerhand selbst.

Sabrina Bächi
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In Wuppenau soll abends unter der Woche ein Halbstundentakt bestehen. Dafür gesorgt hat die Gemeinde gleich selbst. (Bild: Sabrina Bächi)

In Wuppenau soll abends unter der Woche ein Halbstundentakt bestehen. Dafür gesorgt hat die Gemeinde gleich selbst. (Bild: Sabrina Bächi)

Im vergangenen Jahr machten Wuppenauer Pendler des öfteren die Erfahrung, dass der Bus von Wil nach Hause ihnen knapp vor der Nase wegfuhr. Hauptsächlich abends, wenn die Züge aus Zürich und St. Gallen Verspätung haben, sagt Martin Imboden, Gemeindepräsident von Wuppenau. Für den kommenden Fahrplanwechsel soll das besser werden, aber: Der Halbstundentakt fällt weg. (Unsere Zeitung berichtete).

Martin Imboden, Gemeindepräsident von Wuppenau. (Bild: Mario Testa)

Martin Imboden, Gemeindepräsident von Wuppenau. (Bild: Mario Testa)

«Wenn also ab Mitte Dezember ein Wuppenauer den Bus in Wil verpasst, müsste er eine Stunde auf den nächsten warten. Das ist nicht hinnehmbar», sagt Imboden. Also hat sich die Gemeinde gewehrt. Sie hat sich von den beiden Kantonen St. Gallen und Thurgau die Kosten für zwei zusätzliche Busverbindungen zwischen fünf und sieben Uhr offerieren lassen und finanziert diese nun mit einem Steuerprozent.

«Wir haben unser Problem mit den Kantonen besprochen. Die Möglichkeit der Selbstfinanzierung gibt es, sie ist nur sehr aussergewöhnlich», sagt Imboden.

Klares Statement für den ÖV

Es ist für ihn ein Zeichen, dass sich die Gemeinde für die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung einsetzt und auch eine Lanze bricht für den öffentlichen Verkehr. «Unsere Benachteiligung mit den Verbindungen hat massive Ausmasse angenommen», sagt der Gemeindepräsident.

Die Verbindung nach Weinfelden, die ab Mitte Dezember wieder besteht, nütze den Wuppenauern nämlich nichts. Es sei ihnen damit eine Lösung angeboten worden, die für sie keine sei, sagt Imboden. Von der neu geschaffenen Linie 722 würden vor allem die Bussnanger profitieren. Zu Stosszeiten und abends bringe das den Wuppenauer Pendlern wenig. «Wir sind ganz klar nach Wil ausgerichtet.»

Es kostet zu viel für zu schlechte Verbindungen

Im Klartext findet Imboden, dass der SBB Fahrplan für Wuppenau vor allem eines bedeute: Höhere Kosten und schlechtere Verbindungen. «Wir als Landgemeinde finanzieren den grossen Ausbau für den Viertelstundentakt in den Städten mit, aber profitieren können wir nicht davon.» Die Kosten für diese einjährige Sonderlinien seien hoch, sagt Imboden. Eine mögliche Steuerfusserhöhung könne er nicht ausschliessen. Dennoch:

«Es ist eine einmalige Ausgabe und liegt deshalb in der Finanzierungskompetenz des Gemeinderates.»

Für den nächsten Fahrplan 2021 sei der Gemeinderat dann wieder in Gesprächen mit dem Kanton. «Es kann aber durchaus sein, dass wir auch nächstes Mal die beiden Buslinien am Abend für unsere Pendler nicht bekommen.» Es sei deshalb wichtig, die Situation mit den Buslinien ganz genau zu beobachten.

Und auch die Anbindungen in Wil müssten, wie von den Kantonen versprochen, funktionieren. Sonst müsse man sich wirklich nicht wundern, weshalb immer weniger mit den Bussen zur Arbeit fahren.

Gute Zusammenarbeit mit den Kantonen

Trotz der Eigenfinanzierung betont Imboden die gute Zusammenarbeit mit den Ämtern. Auch so kurzfristig noch zu reagieren und der Gemeinde diese Lösung zu ermöglichen sei nicht selbstverständlich. «Ich hoffe, dass die 12 Minuten Umsteigezeit künftig reichen, dass alle Pendler aus der Gemeinde Wuppenau rechtzeitig zu Hause ankommen. Es soll niemand mehr die schreckliche Erfahrung machen, dass der Bus vor der Nase wegfährt.»

In vier bis fünf Monaten wolle man Bilanz ziehen. Und im März werden die Wuppenauer an der Gemeindeversammlung über das Budget und die Ausgaben für den ÖV diskutieren können.