Zwei Rivalen spalten Kreuzlingens Fussballfans

Der FC Kreuzlingen und die AS Calcio Kreuzlingen lassen keine Zweifel offen, wo im Thurgau das runde Leder rollt. Beide spielen in der Saison 2019/20 in der 2. Liga interregional und wollen hoch hinaus. Die Meisterschaft beginnt an diesem Wochenende.

Matthias Hafen
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Calcio Kreuzlingen (Antonio Mihaylov, Mitte) stieg vergangene Saison aus der 2. Liga auf, ohne ein Spiel verloren zu haben. (Bild: Mario Gaccioli, 25. Mai 2019)

Calcio Kreuzlingen (Antonio Mihaylov, Mitte) stieg vergangene Saison aus der 2. Liga auf, ohne ein Spiel verloren zu haben. (Bild: Mario Gaccioli, 25. Mai 2019)

Der FC Kreuzlingen spürt den Feind im Nacken – und das so gut wie noch nie. In der neuen Saison der 2. Liga interregional spielt mit Calcio Kreuzlingen ein zweiter Stadtverein in der gleichen Spielklasse. Und der Aufsteiger in Azurblau ist drauf und dran, dem Traditionsverein in Grün-Weiss den Rang abzulaufen. Wohl noch nicht in dieser Saison, aber womöglich schon in naher Zukunft.

Die neue Situation am Thurgauer Bodenseeufer ist vergleichbar mit der Rivalität zwischen dem FC Zürich und dem Grasshopper Club Zürich. Nur, dass sich die Kreuzlinger Clubs derzeit noch je ein eigenes Spielfeld gönnen – der FCK das Hafenareal, die AS Calcio das Döbeli. Spielerwechsel zwischen den beiden sind mittlerweile aber verpönt. Und wer den einen Verein anfeuert, kann den anderen sicher nicht gut finden.

Calcio-Präsident Marcus Meloni spricht schon von der 1. Liga

Calcios schrittweiser Aufstieg aus der 4. Liga begann, als der FC Kreuzlingen noch in der 1. Liga eine Grösse war. Nun begegnen sich die beiden Rivalen erstmals auf gleichem Niveau. Zwar spielt mit dem FC Amriswil noch ein dritter Thurgauer Vertreter in der 2. Liga interregional. Doch gemessen an den Ambitionen gibt’s im Thurgau nur noch eine Fussballstadt: Kreuzlingen.

Der FC Kreuzlingen (André Kohli am Ball) zählt auch in der neuen Saison zu den Aufstiegsfavoriten. (Bild: Mario Gaccioli, 27. Juli 2019)

Der FC Kreuzlingen (André Kohli am Ball) zählt auch in der neuen Saison zu den Aufstiegsfavoriten. (Bild: Mario Gaccioli, 27. Juli 2019)

Der FCK hat sich schon lange auf die Fahne geschrieben, in die 1. Liga zurückzukehren. Vergangene Saison verspielte das Team von Trainer Kürsat Ortancioglu dieses grosse Ziel in den letzten Runden. Und in der neuen Meisterschaft dürfte Ortancioglus Kader dank geschickter Neuverpflichtungen noch besser sein. «Wir werden bestimmt wieder zu den Aufstiegsfavoriten gehören», sagt der FCK-Trainer. «Aber damit können wir leben. Wir wollen ja auch zu diesem Kreis gehören.» Die AS Calcio verliess die regionale 2. Liga ohne eine Niederlage und hat nicht vor, künftig kleinere Brötchen zu backen. «Primär wollen wir im ersten Jahr den Ligaerhalt sichern», sagt Präsident Marcus Meloni. «Aber wir sind nicht aufgestiegen, um eine Liftmannschaft zu werden.» Und wenn, dann nur in eine Richtung. Meloni: «In den nächsten drei Jahren streben wir den Aufstieg in die 1. Liga an.»

FC-Kreuzlingen-Präsident Daniel Geisselhardt zollt dem Rivalen Respekt

Beim FC Kreuzlingen gibt man sich ob der Konkurrenz aus der eigenen Stadt auffällig gelassen. «Ich zolle der AS Calcio Respekt für das, was sie erreicht hat», sagt FCK-Präsident Daniel Geisselhardt. «Und ich traue dem Team zu, dass es auch in der 2. Liga interregional auf Anhieb vorne mitspielt.» Viele Worte will aber keiner über den Rivalen verlieren. «Ich denke, es hat jeder mit sich selber genug zu tun», sagt Geisselhardt.

Sicher ist, dass die Rolle des Platzhirschs dem FC Kreuzlingen streitiggemacht wird. Das Rezept lautet bei beiden Vereinen gleich: Spieler aus der Region sollen das Gerüst bilden, gezielte Verstärkungen die Ambitionen unterstreichen. Auf jeden Fall ist die Gruppe 6 der 2. Liga interregional um ein spannendes Derby reicher.

Beide Clubs einigen sich auf neue Anspielzeiten

So erbitterte Rivalen der FC Kreuzlingen und die AS Calcio sportlich sind, so pragmatische Lösungen finden die beiden Clubs abseits des Feldes. Der Zufall wollte es, dass in der Hinrunde die zwei Kreuzlinger Teams in der 2. Liga interregional fast immer am gleichen Samstag zu Hause spielen. Um den Fans in der Region den Besuch beider Partien zu ermöglichen, einigten sich der FCK, der im Hafenareal auftritt, und Calcio, das auf dem Döbeli spielt, auf neue Anspielzeiten. Der FC rückt von 16.30 Uhr eine halbe Stunde nach vorne und spielt neu um 16.00 Uhr. Calcio rückt von 17.30 Uhr eine halbe Stunde nach hinten und spielt neu um 18.00 Uhr. Das Derby des FCK von diesem Wochenende gegen Amriswil findet wegen des Seenachtsfests ausnahmsweise am Sonntag um 14.30 Uhr statt. (mat)

2. Liga interregional. Gruppe 6. Die ersten Runde
Samstag, 10. August, 16.00 Uhr: Wil II – Bassersdorf. United Zürich – Chur. 17.00 Uhr: Bazenheid – Widnau. 18.00 Uhr: Calcio Kreuzlingen – Weesen. – Sonntag, 11. August, 14.30 Uhr: FC Kreuzlingen – Amriswil. 15.00 Uhr: Rüti – Lugano U21. – Dienstag, 13. August, 20.15 Uhr: Seuzach – Uzwil.