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Thurgauer Seniorin bekam mit neuem Ausweis wider Willen einen neuen Namen

Seit Gerda Casagrande aus Kreuzlingen eine neue Identitätskarte hat, heisst sie Casagranda. Jetzt kämpft sie mit den Behörden um ihren richtigen Namen.
Martina Eggenberger Lenz
Gerda Casagrande hält in der Hand die neue ID, mit der alles begonnen hat. (Bild: Andrea Stalder)

Gerda Casagrande hält in der Hand die neue ID, mit der alles begonnen hat. (Bild: Andrea Stalder)

Hätte sie vor zwei Jahren nicht ihre ID erneuert, hiesse sie immer noch Casagrande. Doch weil die 79-jährige Kreuzlingerin am 17. Juni 2016 ein gültiges Reisedokument beantragt hatte, heisst sie nun Casagranda. Wieso aus dem e plötzlich ein a wurde, bleibt ihr unerklärlich. Die Geschichte, welche die Seniorin diese Woche im «Blick» publik gemacht hat, ärgert sie nicht nur, sie stellt sie auch vor Probleme. Die Identität stimmt nun nämlich nicht mehr mit allen übrigen Dokumenten überein. Streng genommen ist sie heute eine Urkundenfälscherin, wenn sie mit Gerda Casagrande unterschreibt, so wie sie das die vergangenen Jahrzehnte getan hat.

Was ist passiert? Gerda Casagrande hat die neue ID beim Einwohneramt Kreuzlingen beantragt. Dieses hat den Antrag ans kantonale Passbüro weiter geleitet. Das Passbüro konsultiert jeweils das Infostar-System, dem alle Zivilstandsämter der Schweiz angeschlossen sind. In diesem war Gerda Casagrande als Gerda Casagranda registriert. Es ging die Meldung nach Kreuzlingen, man könne die ID nicht wie gewünscht ausstellen.

Die Spur führt in die Innerschweiz

Margrit Ernst, Leiterin des Kreuzlinger Einwohneramtes, betont, man habe darauf hin beim Zivilstandsamt Schwyz nachgefragt. Dieses ist zuständig für Riemenstalden, den Bürgerort der Frau. Die Eltern ihres verstorbenen Mannes, gebürtige Italiener, haben sich dort vor Jahren eingebürgert. Und die Bürgerorte sind bekanntlich verantwortlich für die Heimatscheine.

Margrit Ernst sagt: «Wir haben aus der Innerschweiz die Auskunft bekommen, der Heimatschein sei einst falsch ausgestellt worden. Casagranda sei richtig.» Also kam das a anstelle des e auf die Karte. «Wir müssen uns auf die Angaben des Heimatortes stützen. Der Fehler ist nicht in Kreuzlingen passiert», betont Margrit Ernst.

Die Rentnerin hat damals auch sofort in Riemenstalden angerufen. «Die haben mir gesagt, mein Mann habe schon als Schuelerbueb Casagranda geheissen», erzählt Gerda Casagrande. Aber sämtliche Dokumente, die sie aufbewahrt hat, beweisen anderes. Das Lehrzeugnis und eine Arbeitsbestätigung aus den 40er-Jahren, der Eheschein, das Familienbüchlein, Inschriften auf dem Grabstein. «Auch heissen alle Verwandten, die mir bekannt sind, Casagrande.»

Casagrande ist viel verbreiteter

Der Sohn der rüstigen Seniorin, Roger Schläpfer, will nun noch einmal alles versuchen, seiner Mutter zum richtigen Namen zu verhelfen. Er wird in diesen Tagen Unterlagen und Beweismittel nach Riemenstalden schicken. Er sagt: «Casagranda macht auch grammatikalisch überhaupt keinen Sinn.» Schliesslich heisst es italienisch la casa grande, das grosse Haus. In der Schweiz gibt es für Casagrande 222 Telefonbucheinträge, für Casagranda deren 6.

Amt hält a für richtig

Beim Zivilstandsamt Innerschwyz heisst es auf Anfrage, es könne nicht mehr nachvollzogen werden, warum im Fall von Frau «Casagranda» die Daten des Personenstandsregister und des einst ausgestellten Heimatscheins nicht übereinstimmen. Die Daten im Personenstandsregister, aufgrund deren heute alle Heimatscheine ausgestellt werden, würden auf den Daten der früheren Familienregister basieren. Diese wurden in der Schweiz von 1929 bis 2004 geführt und gaben Auskunft über Ehen, Geburten, Todesfälle und so weiter. Der Leiter des Zivilstandsamtes, Roman Müller, schreibt: «Sobald bei einer Person eine Änderung im Personenstand war, wird ein neuer Heimatschein ausgestellt. Und da können durchaus unterschiedlich geführte Daten festgestellt werden.» Das sei auch im konkreten Fall so gewesen. Bei dieser Familie sei klar, dass alle Familienregister auf Casagranda lauten würden. Die Innerschwyzer scheinen also überzeugt zu sein, dass Casagranda und nicht Casagrande richtig ist. Man werde den Fall aber zusammen mit der Betroffenen anschauen. Eine weitere Stellungnahme werde er nicht abgeben, lässt sich Roman Müller verlauten. (meg)

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