«Die fetten Jahre sind vorbei»: Warum der Kreuzlinger Gemeinderat sich Sorgen um die finanzielle Zukunft der Stadt macht

Das Kreuzlinger Stadtparlament genehmigte am Donnerstagabend die Jahresrechnung der Stadt und der Technischen Betriebe. Auch die Sanierung der Heinrichhalle am Seegarten wurde genehmigt.

Urs Brüschweiler
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«Die Rechnung 2020 wird ganz anders aussehen, als jene,
die uns heute vorliegt.»
Thomas DufnerGemeinderat (CVP)

Thomas Dufner
Gemeinderat (CVP)

(Bild: pd)

Thomas Dufner, Präsident der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission, fand ebenso mahnende Worte, wie die meisten Fraktionssprecher.

Der Jahresabschluss 2019 der Stadt Kreuzlingen weist einen Überschuss von 4,6 Millionen Franken aus. Der Haushalt ist kerngesund, die Polster dick. Kein Wunder also, kamen aus dem Gemeinderat dazu praktisch keine negativen Voten. Das Stadtparlament genehmigte die Jahresrechnung denn auch mit nur zwei Gegenstimmen.

Es waren zwei grosse «Aber», welche die Gemeinderäte am meisten beschäftigten. Erstens: Der Abschluss 2019 ist nur dank Sondereffekten so positiv. Wenn man diese wegrechnen würde, stünde gar eine rote Null auf dem Papier. Und zweitens zeigt die Tendenz für die nächsten Jahre ganz klar nach unten.

Das Corona-Loch dürfte 1 bis 2 Millionen gross sein

«Ein bis zwei Millionen werden uns schätzungsweise im laufenden Jahr fehlen, wegen Corona», meinte Thomas Dufner. Hinzu kommt die Steuergesetzrevision, welche den ohnehin stotternden Steuermotor weiter bremsen wird.

«Wir sollten uns nicht blenden lassen von diesem guten Ergebnis.
Sparen ist jetzt angezeigt.»


Bürgerliche wollen Ausgaben hinterfragen.

Die Bürgerlichen fassten sogleich den Rotstift ins Auge. Barbara Hummel (SVP) sagte: «Die fetten Jahre sind definitiv vorbei. Ab sofort müssen wir sehr kostenbewusst und sparsam budgetieren.» Ins selbe Horn stiess Elmar Raschle für die CVP/EVP/FDP-Fraktion. Gezielt müssten nun die Abläufe hinterfragt werden, mit dem Ziel schlanke Strukturen zu erhalten. Eine permanente Optimierung sei angezeigt. «Wir sind bezüglich Sparen noch im Trainingslager, der Marathon hat noch gar nicht begonnen.»

Bei der SP klang die Einschätzung naturgemäss anders. «Wir werden uns gegen unreflektierte Streichkonzerte wehren», sagte Ruedi Herzog. Es sei wichtig, jetzt keine Schwarzmalerei zu betreiben.

Ruedi HerzogGemeinderat SP

Ruedi Herzog
Gemeinderat SP

(Bild: pd)
«Angst ist ein schlechter Ratgeber.»

Herzog gab zu denken, dass lediglich noch 11 Prozent des Gesamtsteuerertrags von juristischen Personen stammt. «Und es wird leider in diese Richtung weitergehen.» Urs Wolfender (Freie Liste/Grüne) erwartet ebenfalls eine harte Sparrunde. Er regte an, vor allem die vielen externen Beratungen und Abklärungen zu hinterfragen.

Genehmigt hat der Rat auch die Rechnung der Technischen Betriebe mit einem Überschuss von 3,1 Millionen Franken.

Klares Ja zur Heinrichhalle

Die Heinrichhalle am Kreuzlinger Seegarten.

Die Heinrichhalle am Kreuzlinger Seegarten.

(Bild: Reto Martin)

Der Gemeinderat genehmigte fast einstimmig die Projektänderung für die Sanierung und Erweiterung der Heinrichhalle. 1,6 Millionen Franken will man in die Wassersporthalle beim Seegarten investieren. Die neu aufgelegte Botschaft hinterfragten vor allem die SVP-Gemeinderäte kritisch. Ihnen war wichtig, dass für die Heinrichwerft als bisherige Mitnutzerin eine gute Anschlusslösung gefunden wird.

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