Die Amriswiler Festhütte war einst voller Vögel

Der Kanarien- und Ziervögel-Verein Neophema hat einst Schweizer Meisterschaften organisiert. Heute gehören dem Verein nur noch ein Dutzend Mitglieder an.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Fredi Meier ist in der Voliere bei seinen Ziervögeln. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Fredi Meier ist in der Voliere bei seinen Ziervögeln. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Munteres Treiben herrscht in der Voliere. Schnurstracks wird das fröhliche Zwitschern vom hektischen Flattern unterbrochen. Denn die zahlreichen Ziervögel mit ihrem schillernden Federkleid – mehrheitlich Wellensittiche und Kanarienvögel – sind äusserst fotoscheu. Und handzahm seien sie ohnehin nicht, erzählt Fredi Meier, während er versucht, ein paar seiner Tiere für das Foto in eine Ecke zu treiben. Der Hobbyzüchter aus Donzhausen ist Kassier des Kanarien- und Ziervögel-Vereins Neophema Amriswil.

«Den Verein gibt es seit dem 21. Februar 1987», erinnert sich Fredi Meier, der schon Gründungsmitglied war. Mit ein paar Ziervogelzüchtern, die sich die Leidenschaft teilten, habe er sich damals zusammengetan und den besagten Verein gegründet. Diesem gehörten einst zwischen 35 und 40 Mitglieder an – heute seien es nur noch zwölf. Jeden ersten Samstag im Monat treffen sich diese langjährigen zwölf Ziervogelliebhaber zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch.

Zwischendurch werde auch mal ein gemeinsames Reisli unternommen. Ausstellungen und Wettbewerbe hingegen werden keine mehr auf die Beine gestellt. Fredi Meier erinnert sich:

«Früher haben wir alle zwei Jahre die Schweizer Meisterschaft für Ziervögel in der Festhütte Amriswil organisiert. Die letzte fand vor rund neun Jahren im Pentorama statt.»

Solche Wettbewerbe zu veranstalten, sei sehr zeitaufwendig. Über 300 Arbeitsstunden müssten in eine solche Veranstaltung investiert werden. Dafür seien etwa 20 freiwillige Helfer nötig. Mit einem zwölfköpfigen Verein sei dies schlichtweg nicht mehr zu bewältigen. Der Verein bekomme jedoch immer wieder Anfragen von Tierauffangstationen bezüglich des richtigen Umgangs von aufgefundenen Ziervögeln.

Grad- und
 Krummschnäbler

In der Schweiz gibt es mehrheitlich Gradschnäbler. Gradschnäbler seien Vögel mit einem geraden Schnabel – beispielsweise Kanarienvögel und Zebrafinken, erklärt Fredi Meier. Dem Verein Neophema gehören überwiegend Mitglieder an, die Krummschnäbler züchten. Dies seien Tiere mit einem krummen Schnabel – wie etwa Wellensittiche, Nymphensittiche, Papageien oder Kakadus.

Fredi Meier besitzt Wellensittiche, Nymphensittiche – aber auch Kanarienvögel und Zebrafinken. Insgesamt sind es 72 Ziervögel, früher seien es etwa 250 gewesen. Vor zwei Jahren habe er eine neue Voliere gebaut und deshalb seinen Vogelbestand verkleinert. Ein Grossteil seiner Tiere wurde von anderen Züchtern übernommen. Inzwischen habe er aber wieder begonnen, Wellensittiche zu züchten. Doch die Nachfrage nach Ziervögeln sei zurückgegangen, deshalb werde grundsätzlich auch weniger gezüchtet.

Mindestens zwei Tiere müssen gehalten werden

Oftmals wünschten sich Kinder einen Wellensittich oder einen Kanarienvogel, weiss der Hobbyzüchter. Ein Kind müsse sich bewusst sein, dass es Verantwortung trage für das gefiederte Haustier. Ein Tier sei kein Handy, das man einfach zur Seite legen kann, wenn die Lust vergangen ist.

Da der Mensch niemals den Artgenossen ersetzen kann, müssen in der Schweiz inzwischen alle Ziervögel in Gruppen von mindestens zwei Tieren gehalten werden. Für einen Kanarienvogel betrage der Pflegeaufwand etwa eineinhalb Stunden pro Woche. Bei richtiger Fütterung und Haltung seien Ziervögel nicht krankheitsanfällig. Fredi Meier sagt:

«Gradschnäbler sind überhaupt kein Problem. Krummschnäbler können in ganz seltenen Fällen jedoch Krankheiten sogar auf den Menschen übertragen.»

Ein solcher Fall sei ihm allerdings nicht bekannt. Hühnerkrankheiten, wie die Vogelgrippe, seien auch auf Ziervögel übertragbar.

Bereits im Alter von zehn Jahren entdeckte Fredi Meier seine Leidenschaft für Ziervögel. «Meine Mutter brachte damals einen verletzten Wellensittich nach Hause.» Gleich darauf habe er sich einen zweiten gekauft und dann als 13-Jähriger mit dem Züchten begonnen.

Das Wissen habe er sich selbst angeeignet – durch gemachte Erfahrungen und vor allem durch das Lesen von Büchern. Als Kind habe es ihm den Ärmel so richtig reingezogen – und er könnte es sich nach wie vor niemals ohne seine Ziervögel vorstellen.