Die Ermatinger Stedi nimmt langsam Form an

Auf der Stedi in Ermatingen herrscht emsiges Treiben. Die Sanierung ist in vollem Gange. Wegen Einsprachen und Hochwassers kommt es allerdings zu zeitlichen Verzögerungen.

Rahel Haag
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Reto Mästinger, Bau- und Projektleiter, Urs Tobler, Gemeindepräsident, Hans-Ulrich Hug, Baukommissionspräsident, Andreas Hermann, Architekt, und Roman Höppli von der Wellauer AG, auf der Treppe auf der Stedi. Von hier aus kann man dereinst den Sonnenuntergang geniessen.

Reto Mästinger, Bau- und Projektleiter, Urs Tobler, Gemeindepräsident, Hans-Ulrich Hug, Baukommissionspräsident, Andreas Hermann, Architekt, und Roman Höppli von der Wellauer AG, auf der Treppe auf der Stedi. Von hier aus kann man dereinst den Sonnenuntergang geniessen.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Sonne ist gerade hinter einer Wolke verschwunden, jetzt bläst der Wind. Über dem See gleitet eine Möwe durch die Luft. Sie kreischt, genauso wie die Kreissäge auf der grossen Baustelle. Es herrscht emsiges Treiben auf der Schifflände in Ermatingen.

Die Sanierung ist deutlich vorangeschritten. Wo einst der Steg Ost war, ragen nun silberne Pfähle aus dem Wasser. Die Vorboten des neuen Stegs. Auch die Pfähle der Landestelle der Kursschiffe wurden bereits neu gerammt. Auf der anderen Seite hat die alte Mole einen neuen Platz gemacht. Noch sind die Stahlelemente zu sehen, doch bald werden sie unter einer Verschalung mit Holzstruktur verschwinden. «Wir machen hier etwas Schönes», sagt Baukommissionspräsident Hans-Ulrich Hug, «wirklich.»

Davon ist auch Gemeindepräsident Urs Tobler überzeugt. Er geht voraus, deutet auf eine betonierte Treppe und sagt: «Das wird das Highlight.» Auf diesen Stufen werden die Besucherinnen und Besucher dereinst Platz nehmen und verweilen. Tobler deutet Richtung Westen auf die Hegau-Vulkane am Horizont.

«Von hier aus sieht man die schönsten Sonnenuntergänge.»
Die Baustelle von oben.

Die Baustelle von oben.

(Bild: PD/Daniel Seger)

Das Interesse der Bevölkerung ist gross

Wie es auf der Baustelle vorangeht, interessiert auch die Bevölkerung.

«Wir könnten schon fast einen Imbiss aufmachen»

sagt Tobler und schmunzelt. Es kämen täglich Schaulustige, bestätigt Bau- und Projektleiter Reto Mästinger. Verwunderlich ist das nicht. Vor knapp zwei Jahren hatten die Stimmberechtigten an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung mit grosser Mehrheit einen Kredit über 6,731 Millionen Franken für das Projekt gutgeheissen. Der Kanton beteiligt sich mit 600'000 Franken an der neuen Mole. «Das ist mehr, als wir erwartet hatten», sagt Tobler.

Finanziell bewege man sich noch im Rahmen. Zeitlich kam es dagegen zu Verzögerungen. «Der Zeitplan war von Anfang an straff», sagt Mästinger. Allein zu Beginn habe man dann aber ein halbes Jahr verloren, wegen zwei Einsprachen. Der Spatenstich erfolgte vor einem Jahr. Im vergangenen Sommer mussten die Arbeiten nochmals für rund zwei Monate, von Mitte Juni bis Anfang August, eingestellt werden. Wegen Hochwassers – oder wie Mästinger es formuliert:

«Wir sind hier versoffen.»
Im vergangenen Juni war die Baustelle auf der Stedi Ermatingen wegen des Hochwassers überschwemmt.

Im vergangenen Juni war die Baustelle auf der Stedi Ermatingen wegen des Hochwassers überschwemmt.

(Bild: Andrea Stalder)

Ursprünglich war die Eröffnung für diesen Sommer geplant. Nun wird es voraussichtlich Frühling 2021. «Die Stedi sollte im Rohbau aber bereits im Verlauf der Sommerferien fertig werden», sagt Hug. Dann also sollten die Ermatinger ihren Dorfplatz wieder in Beschlag nehmen können. Denn hier treffen sich die Menschen.

«Wir bauen nicht nur einen Bootshafen, sondern gleichzeitig einen Festplatz»

sagt Tobler. Auf der Stedi finde jeweils das Segler- und Fischerfest, die Staaderchilbi, das Weinfest und die 1.-August-Feier statt, zählt er auf. «Den Festplatz gibt es schon seit über 100 Jahren.» 1912 war die alte Stedi fertiggestellt worden. So lange solle auch die neue in Betrieb sein.

Arbeiten auf einer schwimmenden Plattform

Die grösste Herausforderung auf der Baustelle ist – nebst den beschränkten Platzverhältnissen auf der Landzunge – das Wasser. «Bei den Arbeiten, die im See ausgeführt werden müssen, sieht man nur die Hälfte», sagt Mästinger.

Hinzu komme teilweise ein instabiler Untergrund. Die Pfähle für den Steg Ost mussten beispielsweise von einer schwimmenden Plattform aus gerammt werden. Bei der Anbringung der Verschalung der Mole sei dasselbe Vorgehen geplant, zusätzlich komme ein Kran zum Einsatz. «Die einzelnen Elemente wiegen bis zu zehn Tonnen», sagt Mästinger, «und wir haben eine Masstoleranz von zwei Zentimeter.»

Die Ermatinger Stedi ist wieder auf Kurs

Einsprachen haben die Bauarbeiten auf der Schifflände verzögert. Die Einwohner erhalten über das Grossprojekt laufend Informationen auf verschiedenen Kanälen wie zum Beispiel einer Orientierung vor Ort.
Isabelle Merk

Jetzt geht’s der Ermatinger Stedi an den Kragen

Mit dem Spatenstich beginnt die heisse Phase des Grossprojekts «Stedisanierung und Hafenausbau». Kosten: Rund sieben Millionen Franken. Nach zwei Jahren Bauzeit soll die Schifflände in Ermatingen fertig sein.
Margrith Pfister-Kübler