Die Egnacher Luxburg – Chronologie eines sagenumwobenen Schlosses

Eine Interessensgemeinschaft will die Luxburg in Egnach der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zur Zeit laufen Verhandlungen. Ein Blick zurück in die Geschichte des Schlosses.

Tanja von Arx
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(Bilder: Michel Canonica)
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(Bilder: Michel Canonica)

1498

Der Lindauer Kaufmann Oswald Kröll baut auf der kleinen Aachinsel beim heutigen Egnach einen Sommersitz. Mit seiner Familie macht er dort Ferien. Später nennt er sich als Oberbürgermeister «Kröll von Luxburg».

Oswald Kröll, Erbauer der Luxburg, im Portrait von Albrecht Dürrer (1499).

Oswald Kröll, Erbauer der Luxburg, im Portrait von Albrecht Dürrer (1499).

pd

1596

In der Schlosskapelle wird Katholiken regelmässig die Messe gelesen. Die Besitzer, Familie Junker aus Hallwil bei Bern, verliessen ihre Heimat, weil sie nicht zum reformierten Glauben übertreten wollten.

Die Luxburg nach einem grösseren Umbau.

Die Luxburg nach einem grösseren Umbau.

1716

Der Inhaber, Baron von Westernach wohnhaft bei Memmingen, will eine Totalrenovation vornehmen. Die Errichtung des Gästehauses sprengt allerdings den finanziellen Rahmen und zwingt ihn zum Verkauf.

1751

Das Schloss gerät in die Hände des Obervogts von St.Gallen. Acht Egnacher Bauern protestieren dagegen und beharren auf das sogenannte Zugrecht, das Einheimischen den Vorzug gibt. Ein zweijähriger Rechtsstreit endet zu ihren Gunsten. Jedoch fällt ihnen nichts zur Verwendung ein und sie verkaufen die Luxburg ungenutzt.

1790

Der St.Galler Färber Johannes Girtanner will in den Adelsstand erhoben werden. Dazu muss er Landbesitz und einen Stammbaum nachweisen. So kauft er die Luxburg. Ausser dem Altbau lässt er alles abreissen und baut das heutige «niedere Schloss» mit den Mansardendächern.

1799

Im Zuge der Französischen Revolution rücken «Blaue» in die Schweiz ein. Die Bevölkerung muss sie versorgen und ihnen Unterkunft bieten. In der Luxburg lassen es sich Offiziere gut gehen: Sie halten Fressorgien und ihre Hunde schlafen in den Betten.

Ursprünglich befand sich die Luxburg auf einer Insel.

Ursprünglich befand sich die Luxburg auf einer Insel.

1849

Nach der Märzrevolution von 1848 flüchten Tausende deutsche Adlige, darunter Constantin von Neurath aus Stuttgart. Er lässt die Seewiesen entwässern, macht aus Äckern Wiesen und hält Tiere. Zudem fördert er den Obstbau. Die ersten Käsereien verarbeiten Milch von seinen Kühen. König Wilhelm von Württemberg beruft Neurath zurück und ernennt ihn zum Minister.

1930

Die Besitzer, das deutsche Ehepaar Dostler, möchte die Luxburg in ein gediegenes Seniorenheim umwandeln. Es lässt den Turm wieder aufbauen. Allerdings stempelt man das Paar als Spione ab, das darüber Nachrichten an Nazi-Deutschland funkt.

Auf einem Stich von 1603 ist die Luxburg als «Leissbihel» aufgeführt.

Auf einem Stich von 1603 ist die Luxburg als «Leissbihel» aufgeführt.

1955

Die Zürcher Bodenspekulation boomt. Der ehemalige Maurer Fritz Meili schwimmt im Geld und will die Luxburg zu einem Atomforschungszentrum umbauen. Seine Pläne enden allerdings im Konkurs. Der östliche Teil des Parks wird verkauft.

1980

Immobiliensammler Bruno Stefanini erwirbt die Luxburg im Namen seiner Stiftung für Kunst und Kultur. Bis zum Lebensende stapelt er Tausende Kunstgegenstände darin, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Noch heute gehört das Schloss der Stefanini-Stiftung.