Die Coronapandemie behindert auch die Seelsorge. Das Team des Pastoralraums Thurgau Mitte berichtet

Ein fünfköpfiges Team nimmt sich in einer aussergewöhnlichen Zeit der Sorgen und Nöte der Katholiken von Berg, Sulgen und Weinfelden an.

Georg Stelzner
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Das Pastoralraum-Team, bestehend aus Jürgen Bucher, Martin Kohlbrenner, Nedjeljka Spangenberg, Mathäus Varughese und Armin Ruf, auf dem Platz vor der katholischen Kirche von Sulgen.

Das Pastoralraum-Team, bestehend aus Jürgen Bucher, Martin Kohlbrenner, Nedjeljka Spangenberg, Mathäus Varughese und Armin Ruf, auf dem Platz vor der katholischen Kirche von Sulgen.

Bild: Georg Stelzner

«Corona bremst uns aus. Es ist ein Stillstand, denn unser Wirken ist auf Kommunikation ausgelegt, was nur noch sehr beschränkt möglich ist», sagt Martin Kohlbrenner, der Leiter des Pastoralraums Thurgau Mitte.

Dieser besteht seit 21. Januar 2018 und umfasst die Pfarreien St. Peter und Paul (Sulgen), St. Johannes der Täufer (Weinfelden) und St. Mauritius (Berg). Zu diesem Pastoralraum gehören rund 10'000 Katholiken.

Verbrauch von Kerzen ansteigend

Die moderne Kommunikationstechnologie ermöglicht wohl Übertragungen von Gottesdiensten im Internet, doch Kohlbrenner ist überzeugt, «dass der Gottesdienst als Gemeinschaftserlebnis durch nichts zu ersetzen ist». Da fehle nun – zumindest noch bis 8. Juni – eine ganz wichtige Säule.

Die Kirche als Ort habe einen anderen Stellenwert bekommen, erklärt der Sulger Gemeindeleiter. Ein Indiz dafür sei der signifikant gestiegene Verbrauch von Kerzen im Sulger Gotteshaus.

Leute suchen das Gespräch

Als hauptsächliche Motive für eine Kontaktaufnahme seitens der Gläubigen nennt der Weinfelder Gemeindeleiter Armin Ruf Einsamkeit, materielle Sorgen, Angst und Überforderung in der Familie, aber auch Hoffnung.

Ruf fasst seine Erfahrungen der letzten Wochen so zusammen: «Den Menschen ist es ein Bedürfnis, in dieser schwierigen Lebenslage mit jemandem reden zu können.» Spürbar genommen habe die Tätigkeit im diakonischen Bereich und beim Besuchsdienst.

Beten verleiht Kraft

Nedjeljka Spangenberg ist Gemeindeleiterin in Berg. Die Frage, wie sie dem Anspruch, Menschen zu helfen, unter den erschwerten Bedingungen gerecht werden kann, beschäftigt sie. «Ich habe gespürt, dass man das von mir erwartet.» Schmerzlich vermisst habe sie den Ostergottesdienst. Das sei eine ganz neue, aber keine schöne Erfahrung gewesen, sagt sie.

Mathäus Varughese, leitender Priester im Pastoralraum, feiert täglich zu Hause einen Gottesdienst und schöpft Kraft aus dem persönlichen Gebet. Verzweifelt ist er nicht: «Alles im Leben hat einen Sinn. Wir müssen jetzt nachdenken, was uns wirklich wichtig ist.»

Orientierung vermitteln

Jürgen Bucher, im Pastoralraum für Diakonie und Erwachsenenbildung verantwortlich, spricht in Bezug auf die Bewältigung der Coronakrise von einem «prozessorientierten Vorgehen, weil alles zum ersten Mal geschieht».

Bucher gesteht, auch selber Angst zu verspüren, er sieht im Glauben aber eine Gegenkraft. «Ich betrachte es als meine Aufgabe, den Leuten eine Orientierung zu geben», sagt er.