Die Coronakrise hat die Bodensee-Schifffahrt hart getroffen, im ungünstigsten Moment: Fünf Millionen flossen in die Renovation des Flaggschiffs MS St. Gallen - die ist nun abgeschlossen

Mit dem Ertragsausfall ist die Liquiditätslage angespannt. Hauptaktionär Hermann Hess ist dennoch zuversichtlich, dass das Unternehmen schon bald wieder richtig Fahrt aufnimmt.

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Hermann Hess während der Renovationsarbeiten im MS St.Gallen.

Hermann Hess während der Renovationsarbeiten im MS St.Gallen.

Reto Martin

Wie zufrieden sind Sie mit der Abwicklung des Projekts?

Hermann Hess: Es ist alles nach Plan verlaufen und der vorgegebene Zeitrahmen konnte eingehalten werden. Benno Gmür, Vizepräsident des SBS-Verwaltungsrates, hat das Projekt geleitet, die Architektur lag erneut in den Händen von Susanne Fritz Architekten. Wir bedauern sehr, dass wir unser neues Flaggschiff nicht anlässlich des Hafenfestes in Romanshorn einer breiten Bevölkerung vorstellen konnten.

Wie soll das Schiff in Zukunft denn eingesetzt werden?

Das MS St. Gallen bleibt in erster Linie ein Kursschiff. Ab 17 Uhr steht das Flaggschiff für Themenfahrten und Charterevents zur Verfügung. Wir sind wirtschaftlich darauf angewiesen, das Schiff für unterschiedliche Zwecke einsetzen zu können.

Fünf Millionen sind eine grosse Investition für ein Unternehmen mit einem Umsatz von 15 Millionen. Lohnt es sich auch?

Wir waren technisch gezwungen, die Motoren zu ersetzen. Ein neues Schiff in der Dimension des MS St. Gallen hätte zehn bis zwölf Millionen Franken gekostet, ohne uns letztlich mehr Umsatz zu bringen. Das renovierte MS St. Gallen wird mindestens zwanzig Jahre weiter in Betrieb sein.

Gemäss Medienberichten hat die SBS in den letzten Jahren über 30 Millionen investiert. Warum?

Bei der Übernahme des Unternehmens 2007 waren Immobilien und Schiffe in einem bedenklichen Zustand. In den letzten zehn Jahren haben wir den Berg des aus SBB-Zeiten aufgestauten Unterhalts allmählich abgetragen. Mit dem Restaurant, der Vermietung von Büroräumen und zusätzlichen Boots- sowie Parkplätzen haben wir neue Geschäftsfelder erschlossen, um die Ertragslage des Unternehmens zu stabilisieren, was sich gerade in der aktuellen Krise ausbezahlt hat.

Wie geht es weiter?

Neben den Schiffen investieren wir aktuell auch in die Digitalisierung. Die «Reparatur der Vergangenheit» ist aber noch nicht zu Ende, es steht insbesondere noch die Gesamterneuerung der beiden stilvollen Oldtimer MS Zürich und MS Thurgau an. Und am Horizont warten, sofern sie bewilligt werden, die Projekte Spielplatz und Hafenhotel, welche die SBS breiter abstützen sollen.

Das sind die Eckdaten des MS St.Gallen

Das MS St.Gallen ist das Flaggschiff der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG mit Sitz in Romanshorn (SBS). Mit einer Kapazität von 650 Personen und 210 Bankettplätzen ist es das grösste Personenschiff der Flotte. Gebaut wurde das Schiff 1967 in Kressbronn. Die alten Sulzer-Motoren hat die SBS durch moderne, kleinere und sparsamere Typen von Scania ersetzt. Es gibt einen neuen Antriebsstrang und ein Bugstrahlruder für eine bessere Manövrierbarkeit. Die Innenräume sind neu gestaltet worden und das Interieur ersetzt. Beim Interieur setzte man auf robuste Materialien. (red)

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