Die Champions League bleibt ein Traum, aber Volley Amriswil erntet auch gegen Trentino grössten Respekt

Selbst gegen den dreifachen Champions-League-Gewinner aus dem Südtirol kommt der NLA-Klub Amriswil nicht unter die Räder. Nach der logischen 0:3-Niederlage geht die europäische Reise der Thurgauer im CEV-Cup weiter, wo wieder ein russisches Team wartet.

Matthias Hafen
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Passeur Dima Filippov (rechts) bedient Radisa Stevanovic. Das variable Spiel von Volley Amriswil hatte zeitweise das Niveau, um gegen einen Weltklasse-Gegner wie Trentino zu bestehen.

Passeur Dima Filippov (rechts) bedient Radisa Stevanovic. Das variable Spiel von Volley Amriswil hatte zeitweise das Niveau, um gegen einen Weltklasse-Gegner wie Trentino zu bestehen.

Mario Gaccioli

Wohl jeder kennt das Gefühl, wenn man aus einem Traum gerissen wird und plötzlich hellwach im Bett liegt. Etwa so ging die Champions-League-Qualifikation am Donnerstagabend für Volley Amriswil zu Ende. Nach nur 69 Minuten war die Partie gegen das Weltklasseteam Trentino entschieden, waren die wunderbaren Tage im Dunstkreis der Volleyball-Königsklasse für die Thurgauer vorbei. Das Resultat von 0:3 (19:25, 22:25, 18:25) blieb dabei zweitrangig, da ohnehin niemand von einem Amriswiler Erfolg ausgegangen war. Und nach den beiden vorangegangenen Partien dieses Miniturniers im Tellenfeld stand eigentlich schon fest, dass Trentino in die Gruppenphase der Champions League einziehen würde und Dynamo Moskau sowie Amriswil ihre europäische Saison im CEV-Cup weiterspielen werden.

Ganz kampflos wollten die Amriswiler dem hochüberlegenen Gegner den Sieg aber nicht überlassen. Und so kämpfte das Team von Trainer Marko Klok ähnlich leidenschaftlich wie am Dienstag beim 0:3 gegen Dynamo Moskau um jeden Punkt. Der wohl grösste Unterschied war, dass am Donnerstag aufgrund der verschärften Coronamassnahmen keine Zuschauer mehr zugelassen waren. Als Dank für die Arbeit rund um das europaweit beachtete Miniturnier im Oberthurgau verteilte Volley Amriswil die 50 erlaubten Eintritte unter seinen freiwilligen Helfern. So entstand doch noch so etwas wie Stimmung.

Amriswils Qualitäten sind auch auf diesem Niveau erkennbar

Amriswils Captain Thomas Zass zeigte gegen Trentino einmal mehr, dass ihm zu einer Weltklassekarriere nur die Körpergrösse fehlt. Seine Angriffsquote lag lange Zeit bei fast 90Prozent und war am Ende mit 69 Prozent (bei 16 Versuchen) noch immer beachtlich, ebenso die 67 Prozent von Georg Escher (bei neun Versuchen).

Mittel, um den dreifachen Champions-League-Gewinner Trentino in Bredouille zu bringen, hatten die Thurgauer freilich nicht. Jedoch zeigten sie, zum wiederholten Mal auf europäischer Bühne, dass sie in dieser Saison ein so starkes Kollektiv stellen wie lange nicht mehr. Das macht nicht nur für die nationalen Wettbewerbe Hoffnung, sondern auch für die kommende Aufgabe im Europacup. Nach Platz drei in der zweiten Qualirunde zur Champions League geht es Mitte November im CEV-Cup in den Sechzehntelfinals gegen Zenit St.Petersburg weiter. Trotz der Coronapandemie und den damit verbundenen Unsicherheiten im internationalen Sport ist Volley Amriswil gewillt, auch dieses Hin- und Rückspiel zu bestreiten. «Das sind wir unserer Mannschaft einfach schuldig», sagt Vizepräsident Peter Bär.

Trentino – Amriswil 3:0 (25:19, 25:22, 25:18)

Tellenfeld – 50 Zuschauer – Spielzeit 69 Minuten.
Startformation Trentino: Ricardo Santos de Souza, Simone Giannelli, Dick Kooy, Nimir Abdel-Aziz, Marko Podrascanin, Srecko Lisinac, Salvatore Rossini (Libero).
Startformation Amriswil: Radisa Stevanovic, Dima Filippov, Quentin Zeller, Georg Escher, Thomas Zass, Edvarts Buivids, Ramon Diem (Libero).
Bemerkungen: Aufgrund verschärfter Coronamassnahmen nur 50 Zuschauer zugelassen, die Tickets wurden an die Helfer von Volley Amriswil verteilt.

Schlusstabelle: 1. Trentino (ITA) 2/4. 2. Dynamo Moskau (RUS) 2/2. 3. Amriswil 2/0. – Trentino damit in der Champions-League-Gruppenphase, Moskau und Amriswil spielen im CEV-Cup weiter.