Bleibende Faszination

Die Amriswiler Goldschmiedin Brigitte Hägler gab am Sonntag als Gasterzählerin im Ortsmuseum Einblick in ihre Handwerkskunst.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Brigitte Hägler referiert in der Erzählstunde im Amriswiler Ortsmuseum.

Brigitte Hägler referiert in der Erzählstunde im Amriswiler Ortsmuseum.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Auch wenn ihre Produkte nicht zum täglichen Bedarf gehören und viele Amriswiler ihr Atelier vielleicht noch nie betreten haben, so ist sie dennoch nicht aus der Stadt wegzudenken. Seit nunmehr vier Jahrzehnten ist die gebürtige Amriswilerin Brigitte Hägler als Goldschmiedin an der Weinfelderstrasse tätig, gleich neben der evangelischen Kirche – doch an Weihnachten ist Schluss. «Mein Körper überwindet die strenge Arbeit nicht mehr gleich locker wie noch in früheren Jahren und ausserdem erreiche ich ja diesen Oktober das Pensionsalter», sagte Hägler kürzlich, als ihre Kolleginnen des Clubs Business Professional Women (BPW) Oberthurgau in ihrem Atelier zu Besuch waren.

Am Sonntagnachmittag war Brigitte Hägler als erste Gasterzählerin nach dem Coronalockdown im Ortsmuseum. Dessen Präsident Eugen Fahrni durfte 34 Gäste zur traditionellen Erzählstunde begrüssen, die sich jedoch alle aufgrund der Schutzmassnahmen im Vorfeld anmelden mussten, um einen der limitierten Plätze zu ergattern. War die Platzzahl limitiert – so wurden die Besucher gebeten, sich im Vorfeld anzumelden.

Einer der ältesten Metallhandwerksberufe

Diese erfuhren von Brigitte Hägler, dass die Goldschmiedekunst zu den ältesten Metallhandwerksberufen überhaupt gehört. «Die Menschen schmückten sich schon immer», erzählte die Goldschmiedin. Schon in der Steinzeit seien Steine mit irgendwelchen Kerben versehen worden, die dann als Schmuck dienten. Mit opulentem Kopfschmuck bestückten sich auch die Pharaonen zwischen 3000 und 2000 vor Christus, und im Mittelalter wurden dann Gold und Silber für prächtige Ketten verwendet. Schmuck war einst vor allem ein Statussymbol, das nur den gut betuchten und adeligen Vertretern eines Volkes vorbehalten war. Die Goldschmiedin sagte:

«Auch Männer haben dazumal gerne üppigen Schmuck getragen.»

Im 19. Jahrhundert habe die Üppigkeit einem neuen Zeitalter Platz gemacht – die Schmuckform bekam formale Aspekte und wurde geschmeidiger. Vermehrt wurden bei der Schmuckherstellung Perlen eingesetzt.

Ab den 1960er-Jahren konnte sich dann beinahe jeder Bürger ein Schmuckstück leisten. «Goldschmuck aus der damaligen Zeit wird heute häufig eingeschmolzen», weiss Brigitte Hägler aus eigener Erfahrung. Mit Plexiglas, Titan, Plastik und weiteren Materialien wurde in den 1970er-Jahren experimentiert – daraus entstanden ausgefallene Schmuckstücke.

Alle ihre Schmuckstücke sind Unikate

In einer Powerpoint-Präsentation zeigte Goldschmiedin Brigitte Hägler auch ihren Arbeitsplatz und ihre zahlreichen Werkzeuge, die sie für ihr grosses Aufgabengebiet benötigt. Die Gasterzählerin sagte:

«Ein Metallberuf braucht Kraft und Vorstellungsvermögen.»

Keines der Schmuckstücke, die Brigitte Hägler anfertigt, gibt es zweimal. Alle Arbeiten aus ihrem Atelier werden durch ihre Formen, Details, Oberflächenbearbeitungen und ungewöhnliche Materialkombinationen zu einer Art Kleinskulpturen, die oft auch verschiedene Tragmöglichkeiten anbieten. Grundsätzlich bleibt aber als Basis das Edelmetall. Abänderungen und Reparaturen gehören ebenfalls zum Beruf der Goldschmiedin. Und Brigitte Hägler nannte zum Abschluss ihres Referates noch eine weitere Konstante: «Gold und Silber ist seit Tausenden von Jahren und auch in unserer Zeit von bleibender Faszination.»