Die Bischofszeller Kicker suchen nach zwanzig Jahren einen neuen Präsidenten

Schwierige Zeiten für den FC Bischofszell: Er braucht eine neue Führungscrew und kämpft gegen die Coronakrise.

Georg Stelzner
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Sportplatz Bruggfeld: Thomas Mauchle, Präsident des FC Bischofszell, hat auf der Spielerbank Platz genommen.

Sportplatz Bruggfeld: Thomas Mauchle, Präsident des FC Bischofszell, hat auf der Spielerbank Platz genommen.

(Bild: Andrea Stalder)

«Ein Leben für den FCB» – So könnte der Titel einer Biografie von Thomas Mauchle lauten. Wobei mit dem Buchstaben B nicht Bayern München, sondern Bischofszell gemeint ist. Gleichwohl gibt es eine Parallele. Wie einst Uli Hoeness beim deutschen Rekordmeister, prägt auch Thomas Mauchle in seinem Verein eine ganze Ära.

Seit über drei Jahrzehnten gehört Mauchle dem Vorstand an, und das Präsidentenamt übt er bereits die 20. Saison aus. Zuvor schnürte er für die Rosenstädter als Mittelfeldspieler die Fussballschuhe und stellte nach der aktiven Karriere sein Wissen als Trainer diverser Mannschaften zur Verfügung. Auch Aktuar und Vizepräsident war Mauchle schon. Verständlich, dass Mister FCB nun kürzertreten will. Mauchle sagt:

«Ich bin jetzt 59. Man sollte den Wechsel nicht verpassen und die junge Generation nachrücken lassen.»

Der FC Bischofszell, der zu den ältesten Fussballclubs im Thurgau gehört, ist nach Mauchles Einschätzung sportlich und finanziell gut aufgestellt. Auch unter diesem Aspekt wäre der Zeitpunkt für einen Rücktritt günstig, gibt der Präsident zu bedenken. Das Problem besteht nur darin, dass die Suche nach einem Nachfolger bisher erfolglos verlaufen ist.

Der zeitliche Aufwand ist nicht zu unterschätzen

Weder in den eigenen Reihen noch extern konnte sich jemand dazu entschliessen, seine Freizeit in den Dienst der Bischofszeller Kicker zu stellen. Den Arbeitsaufwand pro Woche beziffert der amtierende FCB-Präsident mit durchschnittlich fünf Stunden.

Eine Zuspitzung erfährt die Situation durch den Umstand, dass auch die Positionen des Vizepräsidenten (derzeit: Markus Fäh), des Finanzchefs (derzeit: Leo Mauchle) und des Sportchefs (vakant) neu beziehungsweise wieder zu besetzen sind. «Hätten wir jemanden fürs Präsidium, wäre es auch leichter, für die anderen Funktionen eine geeignete Person zu finden», ist der Präsident überzeugt.

Spielertrainer Beran macht im FCB weiter

Einen Wunschkandidaten für seine Nachfolge hat Thomas Mauchle nicht. Er habe den FCB immer als Ganzes gesehen und sportliche Ambitionen gehegt, beschreibt er seine Philosophie. «Ein Club muss sich ein Ziel setzen. Lässt man einmal nach, ist man schnell abgehängt», sagt Mauchle. Eine wichtige Rolle spiele die Vernetzung, denn vieles laufe über persönliche Beziehungen. «Und vom Fussball-Business sollte man auch eine Ahnung haben», ergänzt er. Den FC Bischofszell sieht Mauchle angesichts der vorhandenen Infrastruktur und des zahlreichen Nachwuchses – der FCB stellt nicht weniger als elf Juniorenteams – mittelfristig in der 2. Liga. Daher sagt Mauchle:

«Zumindest sollten wir regelmässig um den Aufstieg mitspielen können.»

In der Saison 2019/20 sei das wegen des grossen Umbruchs im Kader und vieler Verletzungen nicht gelungen, räumt Mauchle ein, doch für die nächste Spielzeit sei er zuversichtlich. Nicht zuletzt deshalb, weil es gelungen sei, Spielertrainer Uwe Beran für eine weitere Saison zu verpflichten. Auf den 30-jährigen Deutschen mit Vergangenheit beim SSV Ulm 1846 hält der Präsident grosse Stücke: «Mir gefällt, dass Beran auf den Nachwuchs setzt. Wir sind im Vorstand mit seiner Arbeit sehr zufrieden.»

Die Coronakrise geht auch am FC Bischofszell nicht spurlos vorüber. Mauchle verweist auf die Einbussen infolge ausbleibender Werbe-, Gastronomie- und Matcheinnahmen. Dank der guten finanziellen Situation werde man die Ausfälle verkraften können. Zwei Hauptaktivitäten, das internationale Futsal-Turnier für Junioren und die Kornhallenfasnacht, habe man gerade noch durchführen können. Zum Spielen sei man heuer aber noch nicht gekommen.

Die 1. Mannschaft habe die sehr gute Stimmung aus dem Trainingslager in Zypern zum Glück mit in die Schweiz genommen, freut sich Mauchle. Alle sehnten natürlich die Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebs herbei. Thomas Mauchle ist durchaus optimistisch: «In der 3. Liga sollten nach den Sommerferien wieder Spiele möglich sein.»

Hinweis
Weitere Informationen unter fcb1913.ch