Die Biber stauen in Arbon ein Rinnsal zum Weiher auf

Die Nagetiere waren im Winter am Imbersbach sehr aktiv und haben sich ein kleines Paradies geschaffen. Die Stadt sieht im Moment keinen Handlungsbedarf. Ein Landwirt beobachtet die Entwicklung mit gewissen Sorgen.

Markus Schoch
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Hinter einem Damm staut sich der Imbersbach zu einem kleinen See auf.

Hinter einem Damm staut sich der Imbersbach zu einem kleinen See auf.

Bild: Markus Schoch

Die kleine Brücke unterhalb des Tennisplatzes stände wahrscheinlich bereits unter Wasser, wenn die Stadt kurz vor Weihnachten nicht gehandelt hätte. Stadtrat Didi Feuerle läuft dem Imbersbach entlang durchs hohe Gras Richtung See und zeigt dann durchs Unterholz. «Dort ist es.» Er macht ein paar Schritte vorwärts in den Waldsaum und steht vor einem imposanten Damm, den die Biber vor etwa fünf Jahren gebaut haben. «Hier haben wir eine Drainage gelegt.»

Drainage mit drei Rohren im Biberdamm.

Drainage mit drei Rohren im Biberdamm.

Bild: Markus Schoch
Der Durchlass unter dem Bahndamm ist fast vollständig mit Wasser gefüllt.

Der Durchlass unter dem Bahndamm ist fast vollständig mit Wasser gefüllt.

Bild: Markus Schoch

Gemeint sind drei graue Plastikrohre, die verhindern, dass sich das Wasser staut. Die Stadt hat sie in Absprache mit dem Kanton mitten durch die grüne Mauer gezogen, so dass der Bach weiter fliessen kann. Allerdings nicht allzu weit.

Feuerle tritt unter den Bäumen hervor und läuft ein paar Meter zum Bahndamm. Die neue Röhre für den Imbersbach unter den Schienen ist fast nicht mehr zu sehen, so hoch steht das Wasser.

Biberdamm zwischen Strandbad und Campingplatz.

Biberdamm zwischen Strandbad und Campingplatz.

Bild: Markus Schoch

Denn auf der anderen Seite der Gleise zwischen Campingplatz und Strandbad gleich neben dem Radweg haben die Biber im Gewässer ebenfalls einen riesigen Asthaufen aufgeschichtet, der dafür sorgt, dass der Eingang zu ihrem Bau immer unter Wasser steht.

Weiter stromaufwärts beim Strandbad-Parkplatz haben sich die fleissigen Nager mit einem weiteren Damm ein kleines Paradies geschaffen. Der Imbersbach ist dort zu einem langen, ein paar Meter breiten Weiher geworden.

Stadt verfolgt Entwicklung genau

Die Biber haben eine Auenlandschaft geschaffen.

Die Biber haben eine Auenlandschaft geschaffen.

Bild: Markus Schoch

Mächtige Eschen stehen im Wasser, die das unter normalen Umständen nicht tun und die nasse Füsse auf Dauer nicht überleben. «Tatsächlich wäre der Bach hier nur ein Rinnsal», sagt Feuerle. Der Grüne freut sich darüber, dass der Biber seinen Weg nach Arbon gefunden hat:

Stadtrat Didi Feuerle.

Stadtrat Didi Feuerle.

Bild: Markus Schoch
«Ich ha dä Plausch.»

Er ist sich aber auch bewusst, dass die Stadt ein Auge auf das umtriebigen Tier werfen muss, damit es nicht zur Gefahr wird, indem es schützenswerte Bäume anknabbert oder solche, die dann auf Strassen, Gebäude oder Schienen fallen.

Angenagter Baum.

Angenagter Baum.

Bild: Markus Schoch

«Die Mitarbeiter des Werkhofes verfolgen die Entwicklung sehr genau und greifen in Absprache mit dem Kanton ein, wenn es nötig sein sollte», sagt Feuerle. Bis jetzt bestehe aber kein grosser Handlungsbedarf.

Angst vor Überschwemmungen

Wildhüter Reto Eichmüller.

Wildhüter Reto Eichmüller.

Bild: PD

Reto Eichmüller arbeitet im Werkhof und ist seit 2017 stellvertretender Wildhüter in Arbon ist. Er sagt:

«Wir haben die Situation gut im Griff.»

Die Lage könnte sich schnell ändern, wenn es denn tatsächlich einmal länger regnen sollte, so dass der Imbersbach viel Wasser führt und es zu grossflächigen Überschwemmungen kommt.

Auf dieser Wiese von Paul Stäheli neben dem Imbersbach grast der Biber derzeit. Die Spuren sind gut sichtbar.

Auf dieser Wiese von Paul Stäheli neben dem Imbersbach grast der Biber derzeit. Die Spuren sind gut sichtbar.

Bild: Markus Schoch

Genau davor fürchtet sich ein bisschen Bauer Paul Stäheli aus Kratzern, der entlang des Imbersbach Land bewirtschaftet. Und er fragt sich, ob das Wasser aus der Drainage seines Feld westlich des Strandbad-Parkplatzes noch abfliesst in den Imbersbach, wenn dieser über die Ufer tritt. «Abgesehen davon stören mich die Biber aber nicht», sagt Stäheli. «Wir können nicht einfach alles kaputt machen»

Das Gesetz setzt enge Grenzen

Wie Pfähle ragen die Äste aus dem Wasser.

Wie Pfähle ragen die Äste aus dem Wasser.

Bild: Markus Schoch

Wildhüter Eichmüller kennt die Sorgen und hat Verständnis dafür. Er bittet aber auch um Verständnis für den Biber, der ein geschütztes Tier sei, das sich seinen Lebensraum so gestalte, wie es ihn brauche. Er sagt:

«Wir können nicht einfach hingehen und alles kaputt machen, nur weil es uns nicht passt.»

Das verbiete das Gesetz, sagt Eichmüller. Nur wenn der Biber beziehungsweise seine landschaftsgestalterische Tätigkeit zum Sicherheitsrisiko werde, müsse die Stadt handeln - unter Wahrung der Verhältnismässigkeit. Das letzte Wort habe ohnehin immer der Kanton.

Stadtrat Feuerle hat einen grossen Wunsch

Daran hätte Stadtrat Didi Feuerle seine Freude: Kuschelnde Biber.

Daran hätte Stadtrat Didi Feuerle seine Freude: Kuschelnde Biber.

Leserbild: Stefan Jung

Stadtrat Feuerle hat bis jetzt erst einmal einen Biber in freier Natur gesehen. Das war in Alaska. Er sagt:

«Es wäre das Grösste für mich, wenn ich einmal ein solches Tier in Arbon beobachten könnte.»

Und wenn ihm dann auch gleich noch ein Luchs über den Weg laufen würde, wäre sein Glück perfekt. Zumindest was die Tierwelt anbetrifft.

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