Die Besucher des Romanshorner Locorama dürfen sich freuen: Ein Bahn-Bijoux kehrt in die Heimat zurück

Der Triebwagen ABDe 4/4 Nr. 16 der einstigen Mittel-Thurgau-Bahn (MThB) ist bald mitsamt eines originalen Steuerwagens in der Eisenbahn-Erlebniswelt zu sehen. Das Fahrzeug sichert dem Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn das Überleben und eröffnet ihm ganz neue Möglichkeiten.

Michael Mente
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Nach zwölf Jahren in der Westschweiz kommt der ehemalige Triebwagen der Mittel-Thurgau-Bahn zurück in den Thurgau. (Bild: PD)

Nach zwölf Jahren in der Westschweiz kommt der ehemalige Triebwagen der Mittel-Thurgau-Bahn zurück in den Thurgau. (Bild: PD)

Am 28. Oktober ist es soweit: Ein besonderes Gespann trifft in Weinfelden in seiner Heimat ein. Der Zug ist unterwegs nach Romanshorn, wo der über 50-jährige Triebwagen, soeben aus seinem Aktivdienst als ABDe 538 316 beim Westschweizer Verkehrsunternehmen TRAVYS entlassen, sein neues Zuhause finden wird. Dort trifft er auf den als «Thurgauer Zug» bekannten Pendelzug für Nostalgie- und Gesellschaftsfahrten, bestehend aus dem ABDe 4/4 Nr. 12 «Weinfelden» und dem ehemaligen SBB-Steuerwagen BDt 205.

Einige Mitglieder des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn (VHMThB) haben den Zug persönlich abgeholt, nachdem sie mit Mitarbeitenden des Westschweizer Verkehrsunternehmens TRAVYS eine Abschiedsfahrt nach Le Brassus durchgeführt haben. TRAVYs hat die Komposition dem VHMThB für einen symbolischen Preis überlassen. Es lag für die Bahngesellschaft nahe, die bei ihnen nicht mehr benötigte Garnitur der Mittel-Thurgau-Bahn quasi wieder in Ostschweizer Obhut zu geben. Bei Eisenbahnrollmaterial war und ist es üblich, bei Privatbahnen sogar besonders offensichtlich, dass Fahrzeuge eine Heimat haben.

Ein Gruss aus der letzten MThB-Epoche

Die bunte Komposition wird zusammen mit dem «Thurgauer Zug» für neugierige Blicke im Locorama sorgen, denn die beiden Züge der gleichen Generation verbinden zwei unterschiedliche Epochen. Zum einen steht da der «Thurgauer Zug» farblich und gestalterisch, trotz modernen Accessoires (Aussenschwingtüren und eckige Scheinwerfer zum Beispiel), im alten tannengrün-silbernen Erscheinungsbild der MThB (1965 bis Mitte 1980); das Thurgauer Wappen kam als krönender Abschluss der Revisionen durch den VHMThB auf die Fronten. Zum anderen kommt da nun ein Zug daher, der an die noch aktive MThB mit dem Design der 1990er-Jahre erinnert.

TRAVYS hat den Zug 2006 so übernommen und nie umgestaltet: weiss mit pinken Tupfen unter dem Dachrand. Richtig, die Farben des «Seehas», damals als es die MThB war, die Grenzen überschritten und in Deutschland unter anderem mit diesen Fahrzeugen die Strecke Konstanz-Singen-Engen befahren hatte. Nachdem die MThB 2002 liquidiert worden war, leisteten die alten «Arbeitstiere» noch bis 2006 für die neue SBB-Tochter Thurbo Einsätze in der Ostschweiz, bis sie gänzlich durch die heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenkenden Gelenktriebwagen aus dem Hause Stadler ersetzt worden waren.

Glücksfall für Verein

Vorläufig wird die Farbe und Gestaltung am Triebwagen Nr. 16 wohl so bleiben, bis man sich entschieden hat, wie der Zug weiter unterhalten wird. Das Fahrzeug sichert dem Verein aber ohne Übertreibung das betriebliche Überleben und eröffnet ganz neue Möglichkeiten.