Die Auslastung der Konstanzer Parkhäuser verrät: Corona ist fast vergessen

Die Konstanzer Innenstadt füllt sich wieder. Eine Auswertung der Auslastung der Parkhäuser zeigt: Die Grenzöffnung zur Schweiz spielt nicht die entscheidende Rolle.

David Hilzendegen
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Nach den Lockerungen des Corona-Massnahmen gehen viele Schweizer wieder über die Grenze einkaufen.

Nach den Lockerungen des Corona-Massnahmen gehen viele Schweizer wieder über die Grenze einkaufen.

Donato Caspari

Seit die Grenze zur Schweiz offen ist und die Einkaufstouristen von dort herbeiströmen, ist die Konstanzer Innenstadt wieder voll – sollte man meinen. Die Schlussfolgerung stimmt allerdings nicht ganz, wie die Daten zeigen, die der «Südkurier» zur Auslastung der Parkhäuser gesammelt hat. Die Werte sind zwar nur ein Indiz dafür, wie sich die Stadt tatsächlich füllt. Allerdings zeigen die Daten einen klaren Trend: Wir nähern uns dem Normalzustand von vor der Pandemie. Und zwar, das ist die Überraschung, unabhängig von der Grenzöffnung zur Schweiz am 15. Juni.

In den Parkhäusern am Fischmarkt und bei der Marktstätte war am Wochenende vor der Öffnung sogar mehr los als am Wochenende danach. Dagegen scheint das Lago von der neuen alten Freizügigkeit beim Grenzübertritt besonders profitiert zu haben. Dort lag am 20. Juni, also dem Samstag nach der Öffnung, die Auslastung der Parkplätze so hoch wie schon seit Anfang März dieses Jahres nicht mehr. Das grosse Einkaufszentrum direkt in Grenznähe war zuvor besonders von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen. Zwischenzeitlich waren bis auf den Lebensmittelhandel und Drogerien keine Läden mehr geöffnet, die Parkflächen des Lago blieben über Wochen hinweg praktisch leer.

Niveau nur knapp unter Februar

Mittlerweile ist vom Lockdown – ein Begriff, der sich im Allgemeingebrauch durchgesetzt hat, obwohl es gar keine generelle Ausgangssperre gab – nicht mehr viel zu spüren. Zumindest im öffentlichen Raum. Das Niveau der Auslastung der grossen Parkhäuser beziehungsweise -plätze liegt nur noch knapp unter dem des Monats Februar, als die Viruserkrankung den meisten noch weit weg zu sein schien und in der Region fröhlich Fasnacht gefeiert wurde. Allerdings hat es eine Zeit gebraucht, bis die Gäste nach den Einschränkungen der ersten Pandemiewelle wieder nach Konstanz kamen. Nachdem zunächst nur Geschäfte mit kleinerer Verkaufsfläche öffnen durften, erlaubte die baden-württembergische Landesregierung das ab dem 4. Mai auch den grösseren Anbietern.

In den Daten, die den Abschlussstand 25. Juni zeigen, ist danach zunächst nur eine kleine Steigerung zu erkennen. Erst gegen Ende Mai springt die Auslastung nach oben. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits konstant wenige Neuinfektionen. Über Pfingsten am letzten Mai-Wochenende waren dann auch die Uferpromenaden der Bodensee-Gemeinden wieder gut gefüllt. Und die Gastronomiebetriebe hatten zum 18. Mai im Innen- und Aussenbereich mit den gegebenen Sicherheitsvorkehrungen öffnen dürfen.

Nicht alle Parkhäuser waren leer

Der Effekt ist aber nicht überall so stark wie bei den vier Parkhäusern im Zentrum. Am Döbele und in der Altstadt etwa waren die Coronamassnahmen nur wenig zu spüren. Allerdings ist das Publikum dort auch ein anderes: Im Parkhaus Altstadt stellen nicht nur Stadtbummler von ausserhalb ihr Fahrzeug ab, sondern auch Geschäftsleute, die nicht unbedingt zu Hause bleiben und im Homeoffice arbeiten konnten.

Auf dem Freiluftparkplatz am Döbele hingegen parken viele Anwohner. Ab Mitte März war das Abstellen des Autos dort kostenlos, was den Anstieg der Auslastung erklärt. Erst als alle Geschäfte wieder öffnen durften, hat die Stadt wieder Parkgebühren verlangt.

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