Die Arboner «Wunderbar» auf den Hafendamm zügeln: Eine verlockende Idee mit Haken

Die Stadt käme zwar unter Umständen fast gratis zum Gebäude. Doch am neuen Standort wäre der Betrieb des Restaurants zumindest anfänglich nur als Zwischennutzung denkbar – wenn überhaupt.

Markus Schoch
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Die «Wunderbar» bewegt weiter die Gemüter in der Region.

Die «Wunderbar» bewegt weiter die Gemüter in der Region.

(Bild: Reto Martin)

Die «Wunderbar» ist für ein Schnäppchen zu haben. Die ZIK Immo AG als Besitzerin der Liegenschaft will den Fertigelementbau für einen Franken abgeben, wenn der Mietvertrag mit den Betreibern des Restaurants/Hotels Ende Jahr ausläuft. Sie hätten bereits mehrere Interessenten, sagt Koni Fischer von der ZIK Immo AG.

Auch die Stadt sollte sich um die ehemalige Saurer-Kantine bemühen und sie auf dem Hafendamm an einem der schönsten Flecken Arbons aufstellen, heisst es in einem Leserbrief. Er habe diese Idee mit Interesse zur Kenntnis genommen, sagt Stadtpräsident Dominik Diezi. «Viel mehr kann ich dazu nicht sagen.» Der Grund: Im Moment ist noch nicht klar, wie es auf dem Hafendamm weiter geht.

Fragezeichen zur künftigen Nutzung des Hafendamms

Die Stadt hat zwar eine Konzeptstudie in Auftrag gegeben, die den Weg weisen soll. Für den Kanton geht das Papier aber zu wenig weit. Er möchte, dass die Stadt den Blick weitet und den ganzen Uferbereich in die Überlegungen einbezieht. Dieser so genannte Masterplan werde voraussichtlich erst im Verlauf des nächsten Jahres vorliegen, sagt Diezi. Bis dahin sollten auch die baulichen Rahmenbedingungen festgelegt sein. Neu soll der Hafendamm in die Touristikzone kommen; heute liegt er in der öffentlichen Zone.

Vom Hafendamm hat man einen wunderbaren Blick auf den See und die Steinacher Bucht.

Vom Hafendamm hat man einen wunderbaren Blick auf den See und die Steinacher Bucht.

(Bild: David Grob)

Diese Korrektur im Rahmen der laufenden Zonenplan-Revision würde aber nichts daran ändern, dass die Stadt weiter auf den Goodwill des Kantons angewiesen ist, wenn es um den Hafendamm geht. «Er hat ein Vetorecht», sagt Diezi.» Heisst: Ohne den Segen von Frauenfeld läuft nichts.

Petitionär hält nicht viel vom Vorschlag

Die Petition zum Erhalt der «Wunderbar» haben mittlerweile 2000 Personen unterschrieben, sagt Andreas Blumer von den Initianten der Bittschrift. Er hält wenig vom Vorschlag, das «Wunderbar»-Gebäude auf den Hafendamm zu zügeln. Ihnen gehe es vor allem auch darum, dass es am heutigen Ort beim Wöschplatz weiter einen Gastronomiebetrieb mit Hotel gebe. Die geplante Saurer-Kantine genüge diesem Anspruch bei weitem nicht.

Rettung über Schutzplan ist schwierig

Romanshorn hat einschlägige Erfahrungen

Die «Wunderbar» ist nicht im erst wenige Jahre alten Schutzplan der Stadt enthalten und kann abgerissen werden – so wie das «Metropol». Es gibt jetzt Stimmen in Arbon, die fordern, die «Wunderbar» doch noch unter Schutz zu stellen, um sie zu retten. Theoretisch ist das möglich, praktisch aber schwierig, wie die Erfahrung in Romanshorn zeigt. Dort ging es vor zehn Jahren darum, das ehemalige Restaurant Volksgarten aus dem Schutzplan zu streichen. Der Gemeinderat stellte den entsprechenden Antrag, den die Stimmbürger mit grossem Mehr guthiessen. Doch Frauenfeld machte nicht mit. Es ist zwar genau der umgekehrte Fall. Er zeigt aber: Das letzte Wort hat der Kanton, dem schwierig zu erklären sein dürfte, warum die «Wunderbar» quasi über Nacht schutzwürdig geworden sein soll.