Die Angst vor Bauland-Entwertung: Die neuen Bauvorschriften in Romanshorn sorgen für Kritik 

Der zuständige Stadtrat wundert sich über die Vorwürfe. «Es stimmt schlichtweg nicht, dass künftig alle Bauherren schlechter fahren», sagt Philipp Gemperle.

Markus Schoch
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Hansruedi Bachmann vor seinem Haus, zu dem eine Privatstrasse führt, die auf seinem Grundstück liegt.

Hansruedi Bachmann vor seinem Haus, zu dem eine Privatstrasse führt, die auf seinem Grundstück liegt.

Bild: Andrea Stalder

Hansruedi Bachmann ist entsetzt über die Pläne der Stadt. «Sie sind unsinnig.» Sollte der Systemwechsel durchkommen, könnten nur noch relativ kleine Häuser gebaut werden, sagt der Finanzberater und frühere FDP-Präsident. Er ruft die Romanshorner deshalb auf, Zonenplan und Baureglement abzulehnen, die noch bis zum 25. März öffentlich aufliegen.

Romanshorn will in der Ostschweiz im Bereich der Bauvorschriften eine Pionierrolle übernehmen. Die Stadt möchte statt der heutigen Ausnützungsziffer die so genannte Grünflächenziffer einführen. Das sei die bessere Antwort auf die raumplanerischen Herausforderungen der Zukunft, sagte der zuständige Stadtrat Philipp Gemperle vor ein paar Tagen gegenüber dieser Zeitung. Damit meint er insbesondere den politischen Willen zur inneren Verdichtung. Gleichzeitig biete die Grünflächenziffer Gewähr, dass nicht der letzte Quadratmeter zubetoniert werde.

Alles zählt: Parkplatz, Strasse, Terrasse

Die Stadt will das Pferd sozusagen von hinten aufzäumen. Die Ausnützungsziffer legt fest, wie viel Wohn- beziehungsweise Gewerbefläche auf einem Grundstück einer bestimmten Grösse gebaut werden darf. Die Grünflächenziffer sagt aus, wie viel Land unbebaut bleiben muss.

Bachmann hat sich angeschaut, welche Konsequenzen die neue Bestimmung für ihn hätte, wenn er nochmals bauen würde. Das Ergebnis:

Hansruedi Bachmann.

Hansruedi Bachmann.

(Bild: Andrea Stalder)
«Für mein Haus bliebe nicht mehr viel Platz.»

Denn in die Rechnung fliessen auch der grosse (Kunden-)Parkplatz, der grosse Sitzplatz, die Garage und die private Zufahrtsstrasse auf seiner Parzelle ein. Das sind alles versiegelte Flächen. Zusammen dürfen sie einen gewissen Schwellenwert nicht übersteigen, weil sonst das Verhältnis zu den Grünflächen in den roten Bereich rutscht.

«Das Land wird entwertet»

Viele hätten ein Problem, wenn die neue Regel kommen sollte, sagt Bachmann. Heute hätten die wenigsten Hausbesitzer Geld, um sich einen grossen Garten leisten zu können. Er bezweifle, dass es künftig reiche, auf einer kleinen Parzelle einfach die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten, weil es dann zu wenig Grünflächen habe. Bachmann hat im Gespräch mit Romanshornern festgestellt, «dass sich dessen niemand bewusst ist». Die Änderung habe ganz konkrete Folgen für Hausbesitzer wie ihn: «Das Land wird entwertet.»

Stadtrat Philipp Gemperle.

Stadtrat Philipp Gemperle.

(Bild: PD)

Stadtrat Gemperle will nicht ausschliessen, dass die Grünflächenziffer im Einzelfall zum Nachteil eines Hausbesitzers werden könnte.

«Es stimmt aber schlichtweg nicht, dass alle schlechter damit fahren.»

In der Regel könne man im Gegenteil «viel mehr» bauen als heute, sagt Gemperle. Und zwar so viel mehr, dass es sogar dem neuen Stadtrat zuviel wurde. Die Behörde hat deshalb in der Wohnzone 2 und 3 den Spielraum eingeschränkt.

Bachmann könne auch deshalb nicht Recht haben, weil der Kanton Romanshorn zur inneren Verdichtung verpflichte, sagt Gemperle. «Wenn wir nicht in diese Richtung gehen würden, wären wir aus Frauenfeld schon längst gebremst worden.»