Der Weinfelder Regisseur Noa Röthlisberger findet seine Ideen bei Cappuccino und Zigi

Der junge Weinfelder Regisseur und Filmemacher Noa Röthlisberger zeigt seinen Film «Take Away» an den Schweizer Jugendfilmtagen. Morgens arbeitet er als Pöstler, nachmittags an seiner Filmkarriere.

Mario Testa
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(Bild: Mario Testa)

Sie sind erst 20 Jahre alt und produzieren bereits Kurzfilme. Was reizt Sie an diesem Medium?

Noa Röthlisberger: Film ist eine Kombination aus Text, Theater, Kunst und Musik. Deshalb kann Film die Zuschauer bewegen und Gefühle wecken, wie kein anderes Medium. Ich finde es toll, die Reaktionen der Zuschauer zu erleben, wenn sie meine Filme schauen.

Können Sie vom Filmemachen leben?

Nein nein. Ich arbeite als Verträger bei der Post, derzeit in Sirnach. Das heisst, morgens arbeite ich, dafür habe ich nachmittags Zeit zum Lernen und für die Filmprojekte.

Machen Sie denn eine Ausbildung zum Regisseur?

Im Selbststudium, ja. Es gibt tolle Bücher von Regisseuren und Drehbuchautoren, von denen habe ich schon einige gelesen. Unterdessen habe ich einiges an Erfahrung sowohl als Regisseur als auch als Autor.

Regisseur Noa Röthisberger gibt seinem Kameramann Joel Reisinger Anweisungen.

Regisseur Noa Röthisberger gibt seinem Kameramann Joel Reisinger Anweisungen.

(Bild: PD)

In der Filmbranche gibt es viele unterschiedliche Jobs. Weshalb wollen Sie genau Regisseur sein?

Das wollte ich anfangs nie. In allen Büchern über Regisseure, die mir mein Vater gegeben hat, sass der Regisseur immer nur mit Megafon in seinem Stuhl und hat dazwischen gerufen. Die waren mir alle unsympathisch. Deshalb habe ich auch mit Schauspiel, Kamera und Drehbuch angefangen. Aber ich habe gemerkt, wenn ich meine Geschichten erzählen will, muss ich auch Regie führen.

Dann sitzen Sie nun doch im Stuhl und kommandieren mit dem Megafon herum?

Nein. Als Regisseur muss man mitten ins Geschehen, mit den Schauspielern und den Kameraleuten sprechen. Nur so kann ich meine Ideen vermitteln. Dass die Regisseure früher oft auf einem Stuhl neben der Kamera sassen, hatte auch technische Gründe. Es gab keine Monitore, wo sie sehen konnten, was gefilmt wird. Nur die Perspektive neben der Kamera gab ihnen einen Eindruck von der Szene.

Ihre bisher grösster Film ist «Stiller Planet». Nun dürfen Sie mit «Take Away» an die Schweizer Jugendfilmtage. Wann ist dieser entstanden?

Noa Röthlisberger bespricht sich mit seinen Schauspielern am Dreh zum Film «Take Away» in der Villa Schaad.

Noa Röthlisberger bespricht sich mit seinen Schauspielern am Dreh zum Film «Take Away» in der Villa Schaad.

(Bild: PD)

Letztes Jahr im Rahmen der 72-Stunden-Challenge des Zürich Film Festivals. Da hat man zwischen Bekanntgabe des Themas und Ablieferung des Films nur drei Tage Zeit.

Wie finden Sie in so kurzer Zeit die Idee, das Team und die Drehorte?

Im Team sind oft die gleichen Leute. Wir kennen uns, funktionieren gut und sind dadurch auch schneller. Die Ideenfindung für «Take Away» war Teamwork. Aber für die Ausarbeitung setzte ich mich mit Cappuccino und Zigarette auf den Balkon – da kommen mir die besten Ideen. Der Drehort war einfach zu finden. Die Villa Schaad bietet so viele verschiedene Möglichkeiten, der ganze Film ist hier entstanden.

Sie haben mit dem Film in Zürich den Jurypreis abgeräumt, hoffen Sie auch auf einen Preis an den Jugendfilmtagen am 27. März?

Ich glaube nicht, dass wir da in die Kränze kommen. Unser Film ist mit 72 Sekunden sehr kurz – die meisten anderen dauern eher fünf bis fünfzehn Minuten.

Jugendfilmtage

Förderung des Schweizer Film-Nachwuches

Die 44. Schweizer Jugendfilmtage finden vom 25. bis 29. März in Zürich statt. Kernstück des Festivals zur Förderung des Filmnachwuchses ist der Wettbewerb. Im Theater der Künste und Kino Xenix werden die Beiträge vorgeführt. Noa Röthlisberger und seine Kollegen nehmen in der Kategorie D für Filmemacher bis 25 Jahre teil. Ihr Film «Take Away» läuft am Freitag, 27. März, um 20 Uhr.