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Der Wegbereiter der Bauhaus-Epoche hat eine Uttwiler Vergangenheit

Das Dorf am See beherbergte vor 100 Jahren eine illustre Künstlerkolonie. Den Spuren geht ein Vortragszyklus nach. Die Auftaktveranstaltung war dem «Alleskünstler» Henry van de Velde gewidmet.
Max Eichenberger
Wusste bei der Vielfalt des Werks von Henry Van de Velde gar nicht wo anfangen: Kunsthistoriker Thomas Föhl. (Bld: Max Eichenberger)

Wusste bei der Vielfalt des Werks von Henry Van de Velde gar nicht wo anfangen: Kunsthistoriker Thomas Föhl. (Bld: Max Eichenberger)

Was der Monte Verità bei Ascona am Lago Maggiore als Kult-Ort war, das hatte als Pendant das beschauliche Seedorf vor 100 Jahren: eine ebenso «veritable» Künstlerkolonie. Namhafte Künstler und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens hatten sich hier niedergelassen, wenngleich einige nur kurzzeitig.

Deren Leben und Wirken erschliesst nun eine Projektgruppe um Marco Zumkehr der Öffentlichkeit mit einer Veranstaltungsreihe. Den Start dieses bis 2022 angelegten Zyklus’ machten am Wochenende zwei Vorträge des Weimarer Kunsthistorikers Thomas Föhl über Henry van de Velde in der Seeburg.

Die Architektur als «Mutter aller Künste»

Im November 1918 war der belgische Architekt und Designer zugezogen. In Uttwil verbrachte er eine «Ruhezeit» zwischen seinen langen und ergiebigen Schaffensperioden. Van de Velde sei ein umtriebiger «Alleskünstler» gewesen, dessen Arbeit sich aus seinem ganzheitlichen Anspruch entfaltete, beschreibt ihn Kunsthistoriker Föhl. Dieser lebt im früheren Wohnhaus des Architekten und «Kultur-Managers», ohne den es die epochale Bauhaus-Periode wohl nicht gegeben hätte.

Der damalige Direktor der Weimarer Kunstakademie hatte Walter Gropius als seinen Nachfolger installiert. Zu einer Zeit, als den jungen Architekten noch niemand kannte. Für den Bauhaus-Wegbereiter Van de Velde galt die Architektur als «die Mutter aller Künste». Der Rest ist ein grosses Kapitel der Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Er tanzte auf vielen Hochzeiten

Mit der Aufarbeitung des Werks ist Föhl auch nach Jahren und Sichtung von 25000 Briefseiten noch an kein Ende gekommen. Für ihn ist unstrittig:

«Van de Velde war einer der ganz grossen Künstler des 19/20. Jahrhunderts.»

Er habe aus seinem Verständnis von angewandter Kunst heraus nahezu alles gemacht, was in Bezug zueinander stand und zusammenpassen musste.

Sein schier unerschöpfliches Portfolio reichte vom zweckorientierten Häuserbau über Möbel, Ausstattungen von grossen Dampfschiffen und Bahnwaggons bis zu Inneneinrichtungen von Friseur- und Zigarrenläden. Van de Velde hat Leuchter, Kleider und Schmuck designt, Tapeten, Teppiche und Stoffe. Alles habe den Bedürfnissen dienlich und daher auch nachhaltig sein müssen. Van de Velde sei ausserdem ein Vorreiter des modernen «Corporate Design» gewesen, indem er Briefpapier und Verpackungen kreierte, Logos entwickelte, «um Firmen ein Gesicht zu geben».

Gesamtkunstwerke von gesellschaftlicher Relevanz

Van de Velde habe als kreativer Gestalter Einfluss nehmen, Nützliches schaffen wollen. Darum, so Föhl, habe sich der Apothekersohn früh von der Malerei, die er anfänglich betrieben hatte, abgewandt. Was der «Wahl-Uttwiler auf Zeit» anpackte, seien Gesamtkunstwerke von gesellschaftlicher Relevanz gewesen.

Nach Uttwil verschlagen hatte es Van de Velde über einen Aufenthalt einer seiner Töchter im Kreuzlinger Sanatorium Bellevue und den so entstandenen Beziehungen zur Familie Binswanger. Im «Bellevue» hatten zahlreiche deutsche Emigranten eine vorübergehende Zuflucht gefunden. Unter ihnen auch der Maler Ernst Ludwig Kirchner und der Schriftsteller René Schickele. Schickele – auch er zog wie van der Velde nach Uttwil – ist dann am 30. März 2019 der nächste Vortragsabend gewidmet.

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