Blutauffrischung fürs Zentrum: Wie der Romanshorner Stadtrat die Innenstadt zu neuem Leben erwecken will

Ein Stadtplatz, ein Boulevard am See und diverse Neubauten sollen die Hafenstadt aufblühen lassen. Die Ideen des Stadtrates sehen auch eine Verschiebung des Bahnhofgebäudes vor. Diese und andere Planspiele werden voraussichtlich nie Realität, sagt der Stadtpräsident selber.

Markus Schoch
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Blick auf das Hafengelände mit dem Schlossberg, wo sich der Stadtrat beim ältesten Platz von Romanshorn einen Neubau vorstellen kann.

Blick auf das Hafengelände mit dem Schlossberg, wo sich der Stadtrat beim ältesten Platz von Romanshorn einen Neubau vorstellen kann.

Bild: Manuel Nagel (3.4.2020)

Es ist eine Art Kompass, der dem Stadtrat bei der baulichen Entwicklung des Zentrums Orientierung bieten soll. Die Behörde hat vor kurzem den so genannten Gestaltungsrichtplan Innenstadt verabschiedet, der aufzeigt, wo und wie sich in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren aus Sicht des Stadtrates etwas verändern kann. Konkret geht es um 20 Gebiete im Stadtkern, über deren Zukunft sich die Behörde Gedanken gemacht hat.

Als Grundlage dienten ihr unter anderem die beiden städtebaulichen Konzeptionen des Zürcher Büros KCAP aus den Jahren 2016 und 2017, die von der Stadt seinerzeit als eine Art Masterplan präsentiert worden waren, wie Romanshorn aus dem Dornröschenschlaf geholt werden kann. Der Gestaltungsrichtplan erklärt einen Teil der darin vorgeschlagenen Massnahmen als verbindlich für den Stadtrat - teilweise in Ergänzung zum kommunalen Richtplan.

Sternenplatz definiert die Stadtmitte

Das gilt beispielsweise für den Stadt- oder Sternenplatz bei der Kreuzung Allee-/Bahnhofstrasse. «Er definiert die Stadtmitte», heisst es im Gestaltungsrichtplan. Dazu müsste sich allerdings einiges ändern, was die Fläche, die Randbebauung und seine Funktion als gesellschaftlicher Treffpunkt anbelangt. Der Stadtrat könnte sich in den Neubauten mit ihren hohen Fassaden rundherum - darunter ein höheres Gebäude als Orientierungspunkt - Restaurants, Cafés und Ladengeschäfte mit Aussenverkauf vorstellen. Stadtpräsident Roger Martin sagt:

Stadtpräsident Roger Martin.

Stadtpräsident Roger Martin.

Bild: Reto Martin (26.2.2020)
«Der Stadtplatz wäre auch als Standort für ein neues Stadthaus denkbar.»

Konkrete Pläne gebe es allerdings nicht. «Das ist nur eine Idee.» Genau so verhält es sich mit dem im Gestaltungsrichtplan festgehaltenen Wunsch des Stadtrates, vom Sternenplatz aus wenn möglich freie Sicht aus den Hafen zu schaffen, so wie es die KCAP vorgeschlagen hatte. Dazu müsste das Bahnhofgebäude versetzt oder teilweise abgerissen werden. Die Stadt werde sicher nicht darauf drängen, sagt Martin. «Aber wenn bei den SBB ein massgeblicher Umbau der Liegenschaft anstehen sollte, würden wir sicher unsere Vorstellungen ins Spiel bringen.»

Klare Regeln auf der Hafenpromenade

Die Sichtbezüge erhalten will der Stadtrat auf der Hafenpromenade. Neubauten sollen deshalb nicht quer als Riegel parallel zum Ufer platziert werden, sondern mit der Stirnseite zum Wasser. Damit soll entlang der unteren Hafenstrasse ein bei der Bankstrasse beginnender attraktiver und offener Boulevard entstehen können, an dessen Ende auf der Festwiese direkt am See zwei Gebäude als Referenz an die einstige Firma R. Gintzburger & Fils am gleichen Ort angedacht sind - eines einstöckig, das andere siebenstöckig. Ob sie je realisiert werden, ist für Martin fraglich. «Im Moment sehe ich nicht, was dort passieren könnte.»

Visualisierung des Hafenhotels.

Visualisierung des Hafenhotels.

Bild: PD/Susanne Fritz Architekten (20.2.2020)

Die neuen Leitplanken auf der Hafenpromenade betreffen aktuell insbesondere die Schweizerische Bodensee Schifffahrt AG und ihre Pläne für ein Hafenhotel. Die letzten Entwürfe erfüllen die stadträtlichen Vorgaben nur bedingt, da das Gebäude angewinkelt ist. «Wir werden das zusammen anschauen müssen», sagt Martin.

Coop-Gebäude aufstocken

Mehr Leben wünscht sich der Stadtrat auf der Alleestrasse und dem bestehenden Platz beim Alleehof, der baulich attraktiver gestaltet werden soll. Um ihn klarer abzugrenzen, schlägt die Behörde vor, das Coop-Gebäude gegen den Platz hin mit Wohnungen und Büros aufzustocken. «Damit entsteht ein wichtiges urbanes Element im Südwesten des Stadtkerns», heisst es im Gestaltungsrichtplan. Auch der Schlossplatz soll durch einem Neubau besser zur Geltung kommen. Ist ist als Ersatz des Ott'schen Riegelhauses gedacht, das abgebrannt ist.

Das ehemalige Riegelhaus auf dem Schlossberg.

Das ehemalige Riegelhaus auf dem Schlossberg.

Bild: Archiv SBZ

ROMANSHORN: Der Weg aus dem Dornröschenschlaf

Vertreter der Stadt und des Büros KCAP in Zürich haben am Dienstag eine Art Masterplan zur Entwicklung des Zentrums beziehungsweise des Hafenareals vorgestellt. Es war ein Abend mit Überraschungen.
Markus Schoch