«Der Verzicht auf Applaus ist komisch»: Ergötzliches spielt nach der Coronapause erstmals wieder live im Theaterhaus in Weinfelden

Am Samstag ist Thomas Götz für sein Ergötzliches live im Theaterhaus aufgetreten. Das Publikum musste Masken tragen, das hielt Götz und sein Team jedoch nicht davon ab, die Besucher zum Lächeln zu bringen. Als Gast war Bandleader und Trompeter Daniel Felber dabei.

Monika Wick
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Gast Daniel Felber im Gespräch mit Thomas Götz am Samstagabend.

Gast Daniel Felber im Gespräch mit Thomas Götz am Samstagabend.

Bild: Donato Caspari (Weinfelden, 19. September, 2020)

«Ich sehe keine fröhlichen Gesichter, aber erwartungsvolle Augen», sagt Thomas Götz zum Publikum, dass für die Vorstellung im Theaterhaus Masken tragen muss. Damit zeigt der Schauspieler und Satiriker, dass er neben geistreichem auch über eine gehörige Portion Galgenhumor verfügt.

Seine Freude, nach der coronabedingten Zwangspause endlich wieder auftreten zu dürfen, untermalt er mit einem Lied. «Es freut mich ungemein, Sie wieder live zu unterhalten», singt er zur Melodie von Frank Sinatras Klassiker «My Way».

Danach durchleuchtet Thomas Götz in gewohnt humorvoller und kritischer Manier die kantonale, nationale und internationale Politszene. Anhand eines von Daniel Felix produzierten Filmes zeigte er beispielsweise auf, wie die Wahlfälschung bei den Thurgauer Grossratswahlen im Bezirk Frauenfeld vonstattenging. «Bill Gates hat nichts mit dem Thurgauer Politskandal zu tun», versichert Thomas Götz.

La faction de milieu sorgt für Lacher

Zu reden gibt auch die Namensänderung der CVP in «Die Mitte». Lässt man sich den französischen Begriff «Le Centre» ein paar Mal von einem Computerprogramm übersetzen, entsteht zur grossen Belustigung des Publikums der Satz «La faction de milieu». Natürlich bleibt auch Donald «Trömp» nicht vor den Sticheleien von Thomas Götz verschont. «Trömps Grössenwahn kann nur noch von meinem übertroffen werden», posaunt Thomas Götz Paradefigur Napoleon heraus.

Kantonsrätin Sabine Schnyder darf bei einem Ergötzliches nicht fehlen.

Kantonsrätin Sabine Schnyder darf bei einem Ergötzliches nicht fehlen.

Bild: Donato Caspari

Im Weiteren beziehen Thomas Götz und seine Alter Egos Kantonsrätin Sabine Schnyder und Nationalrat Arnold Schnyder Stellung zu den Abstimmungsvorlagen vom 27. September. Das Jagdgesetz lehnt Götz ab. «Der Biber muss noch sehr viel Holz fällen für das neue Regierungsgebäude», erklärt er.

Auch auf den Kauf der Luxus-Kampf-Jets würde er verzichten. «Für das Geld könnte man 600 000 Vespas kaufen und als Peace-Mobile herumfahren lassen», sagt er.

Der Bandleader erzählt aus dem Nähkästchen

Gast Daniel Felber begleitet die Band «Die schöne Geste».

Gast Daniel Felber begleitet die Band «Die schöne Geste».

Bild: Donato Caspari

Musikalisch umrahmt wird das Programm von «Die schöne Geste». Für ein Stück erhält das Jazz-Quartett spontane Unterstützung von Dani Felber. Im Gespräch mit Thomas Götz erklärt der Thurgauer Musiker und Bandleader, wie er den Lockdown erlebt hat.

«Aus dem Bigband-Leader ist ein Alleinunterhalter geworden und der Verzicht auf Applaus ist komisch.»

Daniel Felber musste wegen des Coronavirus über hundert Konzerte absagen, was ihn wirtschaftlich und emotional belastet. Traditionellerweise hat der Narr beim Ergötzlichen das letzte Wort. Er stattet Urs Martin, dem jüngsten Mitglied des Regierungsrates, einen Besuch ab und hofft auf ein Job-Angebot. «Vielleicht ist für mich etwas dabei, wenn möglich ohne Schufterei», sagt er. Dem Publikum hat das «Ergötzliche» gefallen.