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Der Uttwiler Unternehmer Fredy Iseli fühlt sich vom Bund im Stich gelassen und hofft auf Hilfe von Bundesrätin Doris Leuthard

Der Architekt und Erfinder hat zwar wiederholt Preise für die Entwicklung seiner Betonwaben erhalten. Doch von den Banken bekommt er kein Geld, weil Bern nicht mitmacht.
Markus Schoch
Fredy Iseli mit seiner selbst entwickelten und mehrfach ausgezeichneten Betonwabe. (Bild: Reto Martin)

Fredy Iseli mit seiner selbst entwickelten und mehrfach ausgezeichneten Betonwabe. (Bild: Reto Martin)

Fredy Iseli erlebt in diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Im Oktober war er in Hochstimmung und liess die Korken knallen. Der Verband Idee Suisse zeichnete ihn mit dem Innovationspreis aus, nachdem er 2016 bereits den wichtigsten europäischen Umweltpreis (Green Tec Award) für seine Betonwaben erhalten hatte.

Regierungsrätin Carmen Haag stiess mit Iseli an und überschüttete ihn mit Lob. «Glücklicherweise gibt es Querdenker, die das Neue suchen und ihre Ideen unbeirrt vorantreiben», sagte sie an die Adresse des Uttwiler Architekten.

Der Bund will keine Bürgschaft übernehmen

Die Freude ist bei Iseli längst verflogen. Die Euphorie ist blankem Entsetzen gewichen. Grund ist ein Brief des Technologiefonds, in dem ihm erklärt wird, warum er keine Bürgschaft erhält. Das Problem: Ohne diese Bürgschaft bekommt er kein Geld von den Banken. Und ohne Geld kann er die industrielle Produktion der Betonwaben nicht vorantreiben, mit denen er bereits Musterhäuser gebaut hat.

Technologiefonds

Der Technologiefonds ist ein klimapolitisches Instrument des Bundes. Er verbürgt damit Darlehen an Schweizer Unternehmen, deren neuartige Produkte eine nachhaltige Verminderung von Treibhausgasemmissionen ermöglichen. Die Bürgschaft darf höchstens 3 Millionen Franken betragen. Die maximale Laufzeit ist zehn Jahre. (mso)

Es ist bereits die zweite Absage der vom Bundesamt für Umwelt getragenen Anschubhilfe für Unternehmen, die mit ihren Produkten den Ausstoss von Treibhausgas vermindern. Iseli kann nicht verstehen, warum er nicht in den Genuss der Staatshilfe kommt. Denn sein Ecocell-Schnellbausystem bindet viel Kohlendioxid, weil die Fertigelemente zu grossen Teilen aus Holz und Altpapier bestehen. Bei einer Jahresproduktion von 75000 Quadratmetern kommt Iseli nach eigenen Berechnungen auf 18000 Tonnen CO₂, die nicht in die Luft gehen. Das entspricht den Emmissionswerten von 10000 Mittelklasse-Autos pro Jahr.

Falsch informiert

Doch das zähle offenbar alles nichts, ärgert sich Iseli. Bitter sei für ihn vor allem, dass die Verantwortlichen in Bern gar nicht richtig im Bild seien und in ihrem Entscheid von falschen Voraussetzungen ausgegangen seien, weil sie von Dritten über sein Projekt informiert wurden. «Hätte ich es selber vorstellen können, hätte ich die Vorbehalte sofort ausräumen können», ist Iseli sicher. Doch dieses Prozedere sei nicht vorgesehen.

Da war die Welt noch in Ordnung: Fredy Iseli erhält den Innovationspreis 2018 der Idee Suisse. (Bild: Reto Martin)

Da war die Welt noch in Ordnung: Fredy Iseli erhält den Innovationspreis 2018 der Idee Suisse. (Bild: Reto Martin)

Iseli will aber nicht klein beigeben. Er hat einen beschwerdefähigen Entscheid verlangt und ist direkt mit einem Brief an Bundesrätin Doris Leuthard gelangt. Dort schreibt er:

«Wir sind dringend auf Wachstumskapital angewiesen».

Gehört hat er allerdings noch nichts - weder von der abtretenden CVP-Magistratin noch vom Technologiefonds, vom dem sich Iseli getäuscht fühlt. Denn dieser sei auf ihn zugekommen und habe ihn ermuntert, ein Gesuch einzureichen - und nicht umgekehrt.

Absage aus nicht nachvollziehbaren Gründen

Die zuständigen Mitarbeiter hätten ihm bei einem Besuch in Uttwil sogar grosse Hoffnungen auf einen positiven Bescheid gemacht. All die Formalitäten zu erfüllen, habe ihn sicher zwei Monate Arbeit gekostet. Tatsächlich habe man ihm dann aber zweimal «aus unverständlichen und nicht nachvollziehbaren Gründen» einen Korb gegeben. Iseli fragt sich im Brief an Leuthard:

«Ist es ein Verbrechen, Leichtsinn oder passt es einfach nicht in ein bürokratisches Konzept, all sein Vermögen, das Geld seiner Familie, seiner Verwandten, Bekannten und Freunde in ein Projekt zu investieren, an das man glaubt und das mittlerweile nachweislich das Potenzial hat, die Bauindustrie weltweit zu verändern»?

Wie es nun weiter geht, weiss er nicht. «Es ist eine Hungersnot, die ich durchstehen muss.» Ans Aufgeben denkt er aber nicht. Zu viel Herzblut und Geld – über 5 Millionen Franken – sind bis jetzt in das Projekt geflossen.

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