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Der Stromer von Kesswil

Alfred Nobs hat bis 72 gearbeitet. Mit seiner grossen Liebe wohnt er noch heute im Dorf.
Sheila Eggmann
Alfred Nobs in seinem Garten in Kesswil. (Bild: Andrea Stalder)

Alfred Nobs in seinem Garten in Kesswil. (Bild: Andrea Stalder)

Ich bin in Romanshorn geboren. Das dortige Pflegeheim war damals noch ein Krankenhaus. 1944 haben meine Eltern an der Hafenstrasse in Kesswil ein Haus gekauft und wir sind eingezogen. Die Kindheit hier am See war traumhaft. Wir hatten alles, den See zum Baden und zum Fischen. Eine Wiese zum Fussball Spielen war auch immer vorhanden. Wir waren eine Clique von etwa sechs Buben, alle in meinem Alter. Wir haben immer zusammengehalten, und wir waren sehr viel am Hafen zum Fischen. Die Fischerruten waren damals Haselnuss- oder Bambusstöcke. Wir haben meistens mit Mücken gefischt, die wir in den Ritzen der grossen Pfähle am Hafen fanden. Die Katzen meiner Mutter mochten manchmal keine Fische mehr sehen, so viele haben wir gefangen. Wir fingen meist «Äugeli», die in grossen Schwärmen an der Hafenmole vorbeizogen.

Mein Vater hatte Freude am Campieren. Mitte der 50er fuhren wir jeweils an die Riviera nach Cannes zum Zelten. Meine Schwester und ich mussten mit, obwohl wir viel lieber zu Hause geblieben wären. Alle unsere Kollegen waren ja auch daheim. In Kesswil hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Von acht Restaurants sind nur zwei übrig geblieben. Der Coop und die Post wurden im Zuge der Strassenkorrektur abgebrochen. Das Restaurant Bären und das Haus B. Vogel wurden verschoben. Ende der 40er, da war ich in der ersten Klasse, wurde die neue Turnhalle gebaut. Für uns Buben war das sehr spannend. Auf dem Bahnhofplatz wurden die Stahlrohre für die Förderleitung angeliefert mit den SBB. Anschliessend wurden die Rohre auf dem Platz isoliert und dann meist mit Pferd und Wagen auf die Baustelle transportiert.

Mein Vater hat 1948 in Kesswil ein Elektrogeschäft eröffnet. Für ihn war klar: Der älteste Sohn wird «Stromer». Da wurde nicht gross diskutiert, er besorgte eine Lehrstelle bei einem Kollegen in Scherzingen. Ich wäre lieber Bauzeichner geworden. Nichts da. «Du wirst Stromer, wir brauchen einen Nachfolger.» Ich habe in Scherzingen meine Lehre als Elektromonteur gemacht von 1958 bis 1962.

Ihr Vater war ein strenger Typ

Dort habe ich auch meine Frau Marianne kennengelernt. Da war ich 18 Jahre alt, sie 16. Sie hat direkt neben meinem Lehrbetrieb gewohnt und bei meinen Meistersleuten zeitweise gearbeitet. Sie war natürlich noch sehr jung, noch nicht einmal konfirmiert. Aber es hat einfach gepasst und wir lieben uns heute noch. Wir mussten immer sehr vorsichtig sein, denn ihr Vater war ein strenger Typ. Der hat mich denn auch einmal an die Kandarre genommen und mir gesagt, wie alt seine Tochter sei. Aber alle waren sowieso der Meinung, wir wären noch zu jung und diese Verbindung würde sowieso nicht lange halten. Nun sind wir 54 Jahre verheiratet und immer noch glücklich.

Damals gab es noch nicht so viel Vergnügungen. Am Samstagabend ging man ins Kino, danach vielleicht noch in die Eisdiele in Konstanz. Zum Schluss vielleicht ein Spaziergang im Park zum Schmusen. Wir gingen selten aus und grosse Tänzer waren wir beide nicht.

Alfred Nobs und seine Marianne bei der Verlobung. (Bild: PD)

Alfred Nobs und seine Marianne bei der Verlobung. (Bild: PD)

An Weihnachten 1963 haben wir uns verlobt, und im Februar 1965 geheiratet. Unsere erste Wohnung war im Schulhaus, eine, die mit fünfeinhalb Zimmern noch etwas gross war, aber sie kostete nur 180 Franken im Monat. Wir bekamen drei Söhne innert sechs Jahren.

Verpackt wie ein Marsmensch

1968 habe ich mit meinem Schwager André Moser die Firma meines Vaters übernommen. Sicherheitstechnisch hat sich in unserer Branche einiges verändert. Wir konnten noch ohne Helme auf den Freileitungsmasten herumturnen, heute sind die Vorschriften einiges strenger. Wenn Sie heute im Mittelspannungsbereich Schaltungen vornehmen, sind Sie verpackt wie ein Marsmensch.

Alfred Nobs bei der Arbeit. (Bid: PD)

Alfred Nobs bei der Arbeit. (Bid: PD)

Früher bin ich auch Töff gefahren. Das wurde mir dann zu gefährlich. Mit etwa Mitte 50 haben wir uns neue Velos gekauft und hatten viel Spass damit. Meine Frau hatte immer etwas Mühe, beim Tempo mitzuhalten. Ich riet ihr ein E-Bike zu kaufen, super, dann hatte ich Mühe ihr zu folgen. Ich kaufte mir ebenfalls ein E-Bike, jetzt stimmt wieder alles.

Mit 72 hörte ich auf zu arbeiten. Ich mache kleine Hauswartarbeiten, mähe den Rasen und schneide die Büsche. Eine Gewohnheit habe ich beibehalten: Ich bin jeden Morgen im Handwerker-Znüni im Trauben. Früher waren wir auch lange im Restaurant Schiff. Über den Stamm, der schon 40 Jahre Bestand hat, erfahre ich immer, was im Dorf los ist. Ich habe immer etwas zu tun. In der Zwischenzeit löse ich diverse Kreuzworträtsel.

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