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Bottighofen: Der Streit um die Hecke mit den zwei Gesichtern

Ein Nachbarschaftsstreit in Bottighofen artet in einem nicht enden wollenden Gerichtsverfahren beim Bezirksgericht Kreuzlingen aus.
Urs Brüschweiler
Die gepflegte Seite der Hecke. (Bild: Urs Brüschweiler)

Die gepflegte Seite der Hecke. (Bild: Urs Brüschweiler)

Ein schwarzes Büsi sonnt sich auf dem gepflegten Rasen. Dann steht es auf und streicht den Menschen, die im Garten herumstehen um die Beine. Die herzige Katze passt so gar nicht zur Situation, denn es handelt sich um eine Gerichtsverhandlung. Die Personen, welche sich vor der Baumhecke versammelt haben, sind drei Richter des Bezirksgerichts Kreuzlingen, zwei Anwälte, eine Stockwerkeigentümerschaft und der Nachbar.

Ortstermin im dunklen Arbeitszimmer

Direkt vor Ort will man sich ein Bild verschaffen vom umstrittenen Gehölz. Es besteht aus Hainbuchen, Hagenbutten und Schlehdorn. 15 Meter hoch reicht die Hecke heute. Den Bewohnern des Mehrfamilienhauses passt das nicht. Die Gruppe drängt sich in ein dunkles Arbeitszimmer im Erdgeschoss. Die Richter sollen sich davon überzeugen, dass zu wenig Sonnenlicht das Dickicht durchdringt.

Die Hecke präsentiert sich an diesem Tag sauber gestutzt. Am Boden markiert ein rot-weisses Absperrband die Grundstücksgrenze. Kaum ein Ästlein ragt hinüber. Richter, Anwälte, Kläger und Beklagte schlüpfen an einer lichten Stelle auf die andere Seite. Beim Nachbarn präsentiert sich der Garten und auch die Hecke wild. Einer der Anwälte sagt:

«Der Natur hat man hier freien Lauf gelassen.»

Die Hecke unter Schnitt halten – aber wie stark?

Nach dem surreal anmutenden Augenschein vor Ort, verschiebt man in den Gerichtssaal. Hier wird deutlich, worüber in dieser Angelegenheit seit Jahren gestritten wird. Es existiert seit 2003 eine Grunddienstbarkeit zu besagter Hecke. Sie besagt: das Grün muss unter Schnitt gehalten werden.

Die Vorstellungen davon gehen aber weit auseinander. Die Stockwerkeigentümerschaft klagte deshalb den Eigentümer der Hecke an, er müsse sie auf sieben Meter stutzen und auslichten. Das sei die Höhe, welche sie beim Abschluss der grundbuchrechtlichen Vereinbarung aufgewiesen habe.

Sie sei vor 16 Jahren schon so hoch gewesen, stellte der Anwalt des Nachbarn entgegen. Und:

«Ein Rückschnitt auf sieben Meter wäre faktisch das Todesurteil für die Hecke.»

Weder alte Fotos, noch Diskussionen über vermoosten Rasen, Schnittkadenz oder möglicherweise befangene Förster, führten zu einer Klärung der Sache.

Kein Urteil nach über vier Stunden Verhandlung

Die Gerichtspräsidentin verkündete nach vier Stunden auch kein Urteil. Sie bezweifle, dass man die einstige Höhe der Hecke noch feststellen könne. Man komme bei dieser Ausgangslage kaum um ein aufwendiges Beweisverfahren mit einer Expertise herum. Sie legte den Parteien nahe, sich auf einen erfahrenen, vom Gericht vorgeschlagenen Gartenbauer zu einigen und so zu einem Kompromiss zu gelangen, mit dem beide Seiten leben können. Bis Ende Oktober haben die Parteien nun Zeit, sich zu äussern, ob sie auf den Vorschlag eingehen wollen.

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