Der Startschuss ist gefallen: «Die Motivation, in Kreuzlingen ein Generationenhaus zu schaffen, ist sehr hoch»

Der Projektverein für selbstverwaltetes und gemeinschaftliches Wohnen in Kreuzlingen ist gegründet.

Martina Eggenberger Lenz
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Der Innenhof der Giesserei Winterthur ist ein zentraler Bestandteil des Gemeinschaftswohnens.

Der Innenhof der Giesserei Winterthur ist ein zentraler Bestandteil des Gemeinschaftswohnens.

(Bild: pd)

Im Frühling hat Paul Wirz zusammen mit zwei Bekannten den Stein ins Rollen gebracht. Er stellte in der Aula der Kanti die Idee eines modernen Wohnkonzepts vor, dass es so in Kreuzlingen noch nicht gibt. Unter dem Dach einer Genossenschaft wollen Wirz und seine Mitinitianten in der Stadt eine Überbauung realisieren, die selbstverwaltet ist und den Gemeinschaftscharakter betont. Rund 70 Personen zeigten damals Interesse am Thema. Der pensionierte Maschinenbauer berichtet:

«Es hat uns erstaunt, wie positiv unsere Ausführungen aufgenommen wurden.»

Eigentlich war geplant, dass Wirz und Co noch mehr Aktionen zur Bekanntmachung ihrer Idee durchführen würden. «Wir haben aber bereits nach dem ersten Abend so viel Rückhalt gespürt, dass wir uns entschieden, direkt die Vereinsgründung vorzubereiten.»

Standortsuche intensiviert

Ende Juni fand die Gründungsversammlung des Projektvereins Generationenhaus Kreuzlingen statt. Der Verein hat aktuell 40 Mitglieder. Sie stammen aus Kreuzlingen, dem Thurgau, «einer kommt sogar aus dem Oberwallis», sagt Paul Wirz. Dabei seien Pensionierte, aber auch Familien, Rückkehrer und Zugewanderte. Das Co-Präsidium teilt er sich mit Silvia Spaar Zaugg.

«Wir haben bereits unsere Statuten entworfen, genehmigt und mehrere Arbeitsgruppen gebildet.»

Standort-Idee: Dort, wo heute das Stadthaus steht

Der Hauptknackpunkt für das weitere Vorgehen ist, dass der Verein noch über kein Grundstück oder keine Liegenschaft verfügt, um das Projekt zu realisieren. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich deshalb intensiv nur mit dieser Frage. Wirz erzählt, dass grundsätzlich das Areal des alten Stadthauses zur Debatte stehen würde, wozu auch bereits vielversprechende Gespräche mit dem Stadtrat stattgefunden hätten.

Weil es nun jedoch Einsprachen und Verzögerungen beim Verwaltungsneubau gebe, sei eine Umsetzung an der Marktstrasse fraglich.

«Wir haben uns alternativ schon ein paar Sachen angeschaut. Aber leider ist nichts spruchreif.»

Vieles sei schlicht zu teuer. Daher komme wohl am ehesten eine Kooperation mit der öffentlichen Hand in Frage. Für Wirz ist klar: die Standort-Frage muss in den nächsten ein bis zwei Jahren geklärt sein. Sonst gibt es kein Projekt. «Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir liefern müssen.»

Wichtig für den Projektverein ist, dass die Ausnützungsziffer passt. Die Idealvorstellung der Initianten ist, dass sich ihr Verein einer bestehenden grösseren Genossenschaft anschliessen kann und diese die Finanzierung übernimmt. «Unser Hausverein hat nämlich kein Geld», sagt Wirz. Er ist zuversichtlich, dass dies gelingen kann.

Mieten mindestens zehn Prozent unter Marktpreis

Auch mit der SP hat man sich ausgetauscht, die bekanntlich ebenfalls ein Projekt für Genossenschaftswohnen angestossen hat. Allerdings entspreche jenes nicht den Vorstellungen von einem Generationenhaus. Der Co-Präsident betont:

«An unserem Projekt sind so viele Leute interessiert, gerade weil es eben selbstverwaltet und gemeinschaftlich ist.»

Gleichzeitig sollen die Mieten 10 bis 20 Prozent günstiger als bei normalen Wohnungen sein. Wirz liest nicht im Kaffeesatz. Er und andere Vorstandsmitglieder waren bei der Entwicklung der Siedlung «Giesserei» in Winterthur dabei, eine 85-Millionen-Überbauung. «Die Motivation, Ähnliches in Kreuzlingen zu schaffen, ist bei uns sehr hoch.»

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