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Interview

Stadtpräsident Thomas Weingart zum Bischofszeller Glockenstreit: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand übergangen fühlt»

In der Diskussion um die Bischofszeller Kirchenglocken nimmt Stadtpräsident Thomas Weingart Stellung zum Vorgehen des Stadtrats.
Interview: Marco Cappellari
Stadtpräsident Thomas Weingart betont, dass der Stadtrat keiner der beiden Kirchgemeinden auferlegt, den Glockenschlag nachts gänzlich zu unterlassen. (Bild: Donato Caspari)

Stadtpräsident Thomas Weingart betont, dass der Stadtrat keiner der beiden Kirchgemeinden auferlegt, den Glockenschlag nachts gänzlich zu unterlassen. (Bild: Donato Caspari)

Nach einer baurechtlichen Anzeige müssen die Bischofszeller Kirchgemeinden bis Ende 2020 dafür Sorgen, dass von den Kirchglocken «keine erhebliche Störung» der Nachtruhe mehr ausgeht. Nun nimmt Stadtpräsident Thomas Weingart Stellung zur Position des Stadtrats.

Das Thema Kirchenglocken hat in Bischofszell hohe Wellen geworfen. Der Stadtrat gerät gewissermassen unfreiwillig zwischen die Fronten?

Thomas Weingart: Von hohen Wellen kann nicht die Rede sein und von Fronten schon gar nicht. Der Stadtrat hat in der Sache vermittelt und nach Anhörung beider Seiten und Konsultation der Rechtsprechung einen Entscheid gefällt, wie es zu seinen Aufgaben gehört.

Die Petitionäre zumindest sind nicht zufrieden mit der Lösung und fühlen sich übergangen.

Sie haben Ihre eigene Wahrnehmung. Ich meine, der Wellengang hält sich flach. Wir haben alle Beteiligten – Kirchgemeinden sowie Gegner und Befürworter – mehrfach an den runden Tisch geholt und allen auch rechtliches Gehör zugestanden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand übergangen fühlt. Nachvollziehen kann ich aber, wenn Einzelne mit dem Entscheid Mühe bekunden.

Hätte der Stadtrat nach Eingang der baurechtlichen Anzeige andere Möglichkeiten gehabt, als eine externe Abklärung zu veranlassen?

Nein, denn die Stadtverwaltung selbst ist nicht in der Lage, ein fachgerechtes Lärmgutachten zu erstellen. Dazu fehlen uns die technischen Hilfsmittel.

Der Stadtrat war der Meinung, die Glocken sollen auch weiterhin in der Nacht läuten dürfen. War sich der Rat in dieser Frage einig?

Der getroffene Entscheid wird von allen Mitgliedern vertreten. Wir halten das Kollegialitätsprinzip hoch.

Müssen die Lärmemissionen nachts reduzieren: Die evangelische Johanneskirche (links) und die katholische Kirche St.Pelagius. (Bild: Donato Caspari)

Müssen die Lärmemissionen nachts reduzieren: Die evangelische Johanneskirche (links) und die katholische Kirche St.Pelagius. (Bild: Donato Caspari)

Vor zwei Wochen hiess es, ein ganztägliches Schweigen der Glocken käme für den Stadtrat nicht in Frage. Besteht überhaupt die Gefahr, dass es soweit kommt?

Das haben wir so nie kommuniziert, denn es stand zu keiner Zeit zur Debatte, die Glocken ganztäglich abzustellen. Von Seiten der Betroffenen kam die Forderung, die einzelnen Alltagsgeläute auf die Notwendigkeit zu prüfen und auf höchstens fünf Minuten zu beschränken.

Ebenso sei zu prüfen, ob die Zeitschläge tagsüber nur von einer der beiden Kirchen ertönen soll. Niemand hat gefordert, die Glocken seien ganz abzustellen. Aufgrund der christlichen Tradition verzichtet der Stadtrat auf Auflagen, die den Glockenschlag tagsüber tangieren. Bischofszell trägt die christliche Tradition schliesslich im Namen und auch auf dem Wappen ist sie unmissverständlich dargestellt.

Heisst das, sollte der Kanton jemals das Läuten tagsüber verbieten wollen, würde der Stadtrat versuchen, sich dagegen zu wehren?

In der aktuellen Besetzung ist davon auszugehen.

Im vorliegenden Fall hatten die Kirchgemeinden mehrere Optionen. Die katholische Kirchgemeinde beispielsweise hätte, anstatt das Läuten in der Nacht gänzlich einzustellen, die Lärmbelastung durch bauliche Massnahmen reduzieren können. Der Kirchenpräsident nannte die erforderlichen 80000 Franken «unverhältnismässig hoch». Haben Sie Verständnis für diese Haltung?

Absolut. Aus der Optik der Kirchenbehörde kann ich das nachvollziehen. Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass der Stadtrat keiner der beiden Kirchgemeinden auferlegt, den Glockenschlag nachts gänzlich zu unterlassen.

Hätten Sie sich gewünscht, dass die Kirchgemeinde die Mittel dafür aufbringt?

Es steht mir nicht zu, gegenüber der katholischen Kirchgemeinde Wünsche anzubringen.

Können Sie sich eine Situation vorstellen, in der die Gemeinde für die baulichen Massnahmen aufkommen könnte, oder diese zumindest unterstützt?

Das müsste im Einzelfall geprüft werden. Die St.Pelagiuskirche ist ein Schutzobjekt. Entstehen bei solchen Objekten im Zuge von Sanierungen Mehraufwendungen, ist dies allenfalls denkbar.

Haben die Kirchenglocken für Sie persönlich eine Bedeutung?

Besonders mag ich, wenn sämtliche Kirchglocken der Stadt jeweils am Samstagabend ohrenbetäubend und minutenlang das Wochenende einläuten. Es ist ein guter Moment, innezuhalten und dankbar zu sein.

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