Russischer Oligarch schenkt dem Kantonsspital Münsterlingen einen Beatmungsplatz – im Dorf kennt ihn genau einer

Khazret Sovmen hat dem Spital Münsterlingen einen Beatmungsplatz geschenkt. Wer ist dieser Mann? 

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Werner Rüegsegger zeigt ein Foto seines Bekannten Khazret Sovmen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Werner Rüegsegger zeigt ein Foto seines Bekannten Khazret Sovmen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. 

Bild: Martina Eggenberger

Die Meldung der Spital Thurgau AG letzte Woche war ungewöhnlich. Ein Privater zahlt dem Kantonsspital Münsterlingen einen intensivmedizinischen Beatmungsplatz – für 123'000 Franken. Ein Güttinger namens Khazret Sovmen sei der Spender, wurde der Gönner namentlich erwähnt.

Wer ist dieser Mann mit dem fremdländischen Namen? Im Telefonbuch kein Eintrag. Weder die Dorfgemeinschaft noch der Gemeindepräsident kennen ihn. Keiner hat ihn je gesehen. Keiner? Doch, einer! Werner Rüegsegger ist sozusagen der Vermieter von Khazret Sovmen. Die Adresse des Russen ist auch seine. Der 80-Jährige hat dem schwerreichen Unternehmer vor gut zwanzig Jahren zu einem Wohnsitz in der Schweiz verholfen. Aber der Reihe nach...

Er baut eine Molkerei für die Goldmine in Sibirien

Werner Rüegsegger reist für seine Firma H. Eberli in viele Länder der Welt, um vor Ort Käsereien und Molkereien einzurichten. Eines Tages Ende der 1990er-Jahre bekommt er den Auftrag, bei einer Goldmine in Sibirien eine Molkerei und eine Bäckerei aufzubauen. Die Mine liegt weit abgeschieden von jeglicher Zivilisation, die 1600 Arbeiter vor Ort müssen durch eine eigene Infrastruktur versorgt werden. Die Mine gehört zu diesem Zeitpunkt Khazret Sovmen.

«Bei der Einweihung der Molkerei habe ich ihn zum ersten Mal getroffen. Er hat mich gleich umarmt wie einen guten Freund.»

An das erinnert sich der Güttinger Rentner. Im Gespräch habe ihm der russische Oligarch erzählt, dass er oft und gerne in der Schweiz sei. Leider bekomme er keine Aufenthaltsbewilligung. Rüegsegger zeigt sich hilfsbereit, wählt den Russen in den Verwaltungsrat seiner Firma und vermittelt ihm eine Wohnung in Güttingen. So kommt es, dass der Goldminen-Chef seit 1999 – auf dem Papier – ein Thurgauer ist.

Grosszügigkeit aus dem Hintergrund

Gleich zu Beginn zeigt sich, dass Sovmen alles andere als geizig ist. Er zahlt den Güttingern die Bestuhlung der neuen Mehrzweckhalle und hilfsbedürftige Einwohner dürfen sich über Zustupfe freuen. Werner Rüegsegger ist in der Fürsorgekommission des Dorfs und managt das. «Er hat eine soziale Ader», sagt der bodenständige Senior über seinen Bekannten. Und lässt durchblicken: Sovmen ist nicht nur reich, sondern sehr, sehr reich. In Russland besitze er viele Liegenschaften, teure Autos, früher hatte er sogar einen Privatjet.

Ein etwas älteres Passfoto des russischen Oligarchen Sovmen.

Ein etwas älteres Passfoto des russischen Oligarchen Sovmen.

Bild: PD

An der Minengesellschaft, eine der grössten weltweit, sei der 83-Jährige noch immer beteiligt. Auch politisch war der studierte Geologe aktiv, als Präsident der Republik Adygeja im Kaukasus.

«In Russland kann er sich nur mit Bodyguards bewegen. Deshalb mag er auch die Schweiz so sehr. Weil er hier einfach so rumlaufen kann.»

Auch wenn der Oligarch gerne in Luxushotels verkehre: Manchmal ruft er spontan an, wenn er in der Schweiz ist, und lädt Rüegsegger in Zürich zu einer Pizza ein. «Weil es dort einen Kellner gibt, der russisch kann. Der darf sich immer über ein grosszügiges Trinkgeld freuen», erzählt der Güttinger und lacht.

Meist ist bei ihren Treffen eine Dolmetscherin dabei. Rüegsegger versteht zwar russisch, spricht aber nach eigenen Angaben zu wenig flüssig. Sovmen könne weder deutsch noch englisch.

Der Gönner erwartet ein Dankeschön

Eigentlich hätte der Russe, der sich momentan oft in Moskau aufhält, im März wieder in die Schweiz kommen wollen. Wegen Corona ging das nicht. «Da hat er mich kontaktiert und gesagt, er wolle in dieser schwierigen Situation dem Thurgau etwas spenden», erklärt Rüegsegger. Ein Gespräch mit einem Arzt führte schliesslich zum Kontakt mit Spitaldirektor Stephan Kunz und der Idee mit dem Beatmungsplatz.

«Wenn Sovmen wieder in die Schweiz kommen kann, dann sieht er sich das Ganze sicher gerne vor Ort an.»

Er lasse sich gerne persönlich für die Spende danken. «Das ist ihm wichtig», schätzt der Güttinger seinen reichen Freund ein.

Pompöse Aufenthalte in Moskau

Wenn Rüegsegger von Sovmen spricht, tut er das ganz neutral. Er lässt aber durchscheinen, dass ihm das Leben, das der Oligarch führt, ein bisschen fremd ist. Einladungen zu pompösen Aufenthalten in Moskau will er nicht mehr nachkommen. Auch wenn er bei seinen vielen Reisen in die ehemalige Sowjetunion gelernt hat, wie man die vielen Wodkas auf ex trinken kann, ohne unter dem Tisch zu landen. Nein, Werner Rüegsegger bleibt da lieber bei seiner Frau in Güttingen. Von der Welt hat er genug gesehen. Khazret Sovmen wird sich bei ihm melden, wenn er das nächste Mal nach Zürich fliegt.

Mehr zum Thema