Der Sekundarschulkreis Altnau denkt über Sozialarbeiter nach

Welche Rolle soll die soziale Arbeit an den Schulen des Sekundarschulkreises in Zukunft spielen? Antworten suchten die Behördenmitglieder der Primar- und Sekundarschule sowie die Schulleiter an einer Tagung.

Hana Mauder Wick
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Die Wittenbacher Schulsozialarbeiterin Andrea Schweizer, Sekundarschulpräsident Andreas Schneider und der Kreuzlinger Schulberater Stephan Hugentobler bei der Schlussrunde der Tagung. (Bild: Hana Mauder Wick)

Die Wittenbacher Schulsozialarbeiterin Andrea Schweizer, Sekundarschulpräsident Andreas Schneider und der Kreuzlinger Schulberater Stephan Hugentobler bei der Schlussrunde der Tagung. (Bild: Hana Mauder Wick)

Die heile Welt hat keine feste Adresse. Das Thema verlangt nach Fingerspitzengefühl: «Welche Rolle soll die Soziale Arbeit in Zukunft an der Schule spielen», stellte Andreas Schneider, Präsident des Sekundarschulkreises Altnau, die Frage in den Raum. In rund einem Viertel der Thurgauer Schulgemeinden sind Sozialarbeiter bereits Teil des Schulalltags. Ziel der Tagung am letzten Samstag war es, Anforderungen, Organisation und Finanzierung auszuloten.

Dafür wurden zwei Fachleute ins Boot geholt: Andrea Schweizer arbeitet in der schulinternen Sozialarbeit in Wittenbach und ist Mitglied des Verbandes AvenirSocial. Auf dem zweiten Stuhl nahm Stephan Hugentobler Platz. Er ist als Berater für die Schule Kreuzlingen aktiv und im Mandatsverhältnis für das Amt für Volksschule im ganzen Kanton Thurgau unterwegs.

Zu Beginn stellten sie die Wirkungsweise ihrer Arbeit vor. Diese richten sich an Schüler, Lehrerschaft und Schulleitung. Schulische Sozialarbeit hilft bei Konflikten und Krisen in den Klassen.

Der Schulsozialarbeiter hat ein offenes Ohr

«Die Niederschwelligkeit ist ein wichtiger Aspekt», sagte Andrea Schweizer. Das Angebot leistet präventive Arbeit und fördert die Kooperation und Vernetzung mit anderen Institutionen. Der Sozialarbeiter hat dort ein offenes Ohr, wo der Leidensdruck nicht über andere Kanäle entschärft werden kann. Transparenz und Rollenklarheit spielen eine zentrale Rolle.

«Die Themen reichen von Angst vor schlechten Noten über Mobbing bis hin zu häuslicher Gewalt»

sagte Stephan Hugentobler. Die Gesellschaft wandelt sich. Neue Themen wie der Umgang mit Sozialen Medien stellen auch Schulen vor neue Herausforderungen. Andrea Schweizer stellte fest: «Man muss irgendwo anfangen und dann schauen, wo es hinführt.»

Beide Fachkräfte sprachen eine Empfehlung für ein 120-Prozent-Pensum für die 915 Kinder im Sekundarschulkreis Altnau aus. Ob stationär mit eigenem Büro oder mobil in der Region unterwegs: Das genaue «Wie» muss sich je nach Situation entwickeln. Das Einzugsgebiet umfasst zehn Schulhäuser. «Ideal ist die Besetzung durch eine weibliche und eine männliche Fachperson mit Lebenserfahrung», regte Stephan Hugentobler an. Das Projekt verlangt einen langen Atem: Ideal sei die Vernetzung vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe.

Als nächstes wird die Finanzierung angeschaut

«Alle guten Ideen nützen aber nichts, wenn das Kässeli nicht stimmt», warf ein Votant beim Plenum im Saal ein. Die möglichen Finanzierungs-Modelle gehören zu den weiteren Schritten auf dem Weg hin zur Sozialen Arbeit in der Region. Eine Investition in die Zukunft:

«Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich doch vor allem eines. Eine richtig gute Schule für ihre Kinder"

sagte Andrea Schweizer.

Nach einer Beratungsrunde fasste Sekundarschulpräsident Andreas Schneider zusammen: «Die Behörden stehen der Einführung der Schulischen Sozialarbeit positiv gegenüber.» Die Beschlussfassung ist am 30. April. Danach soll eine Gruppe das Projekt ohne Zeitdruck aufgleisen.

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