«Der Seerücken ist nicht nur für den Abfall da»: 105 Raperswiler auf dem Schulhausplatz schicken die Deponie Sandeggere bachab

Die Realisierung der Aushub-Deponie ist bereits Geschichte. Die ausserordentliche Gemeindeversammlung Raperswilen lehnte das Vorhaben der Migev AG mit deutlicher Mehrheit ab. Damit wird der Entscheid der Gemeinde Wäldi am Freitagabend obsolet.

Kurt Peter
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Die Gruppe besorgter Einwohner von Raperswilen, Wäldi und Fruthwilen formierten den Widerstand – mit Erfolg.

Die Gruppe besorgter Einwohner von Raperswilen, Wäldi und Fruthwilen formierten den Widerstand – mit Erfolg.

(Bild: Reto Martin - 5.8.2020)

Es war in mehrfacher Hinsicht eine ausserordentliche Gemeindeversammlung. Nicht nur, weil sie einzig für das Traktandum «Änderung Rahmennutzungsplan» einberufen wurde, sondern auch weil sie, coronabedingt, auf dem Schulhausplatz im Freien abgehalten wurde und weil sie mit 105 Stimmberechtigten eine rekordverdächtige Zahl an Anwesenden hatte.

Mit der Änderung des Teilzonenplans und des Baureglements sollte die Realisierung der Deponie Sandeggere auf dem Gemeindegebiet von Raperswilen und Wäldi möglich gemacht werden. Die Raperswiler Gemeindepräsidentin Gaby J. Müller sagte zu Beginn der Versammlung:

Gaby J. MüllerGemeindepräsidentin Raperswilen

Gaby J. Müller
Gemeindepräsidentin Raperswilen

(Bild: Mario Testa - 18.10.2019)
«Ich gehe davon aus, dass Sie das Projekt kennen und ich dieses nicht mehr im Detail erläutern muss.»

Die anschliessende Diskussion wurde erwartungsgemäss rege genutzt. So zweifelte Astrid Huber an der im Projekt angegebenen Zahl an LKW-Fahrten: «Nur 15 Fahrten täglich, das glaube ich nicht», meinte sie.

Auch Rita Schmid kritisierte das zu erwartende Verkehrsaufkommen. Sie denke an die Menschen, die direkt an der Strasse wohnten und «ich habe Angst, dass auf diesem Schulweg einmal etwas passiert», bemängelte sie das Projekt.

Den LKW-Verkehr ärgerte auch Robert Weber. Er befürchtete zudem «die Vernichtung von Kulturland, zu dem wir doch Sorge tragen müssen». Mario Hofer kritisierte den Kanton. Da die Gemeinde Raperswilen im Richtplan in einem Raum mit wenig Entwicklungspotenzial definiert sei, gebe es auch kaum Bauland.

«Aber den Dreck sollen wir abnehmen.»

In dieselbe Kerbe hieb Franz Maier, als er meinte, dass der Seerücken im Richtplan nur für den Abfall da sei.

Klares Votum gegen «Sandeggere»

Wohl sei die Deponie an einer Kantonsstrasse geplant, diese sei aber viel zu eng, wenn sich zwei Lastwagen kreuzen müssten, kritisierte Vanda Keel das Vorhaben. «Diese Strasse ist für den zu erwartenden Verkehr nicht geeignet».

Nur Hans Peter Tuchschmid gab ein Votum für die Deponie ab: «Raperswilen ist vom Verkehr nicht betroffen, mich ärgern Motorradfahrer, Autoraser und sonntägliche Velofahrer mehr als wenige Lastwagen».

An der Strasse zwischen Helsighausen und Hattenhausen ist die Deponie geplant. Die kleine Querstrasse (im Bild oben) markiert die Gemeindegrenze zwischen Wäldi (oben) und Raperswilen (unten).

An der Strasse zwischen Helsighausen und Hattenhausen ist die Deponie geplant. Die kleine Querstrasse (im Bild oben) markiert die Gemeindegrenze zwischen Wäldi (oben) und Raperswilen (unten).

(Bild: Donato Caspari - 12.3.2020)

Christian Forster wollte anschliessend wissen, wieso über die Änderung des Rahmennutzungsplanes jetzt entschieden werden müsse: «Wir können doch auf die gesamte Ortsplanungsrevision warten».

Einsatz der Gemeindepräsidentin war erfolglos

Dies sei nicht möglich, weil zu viele Punkte in der Revision offen seien, erklärte Gaby J. Müller. Die Deponie Sandeggere werde an der Gemeindeversammlung diskutiert, weil die Gemeinde Wäldi dies ebenfalls so durchführe und die Realisierung von der Zustimmung in beiden Gemeinden abhänge, meinte sie.

Und sie versuchte, das Projekt den Stimmberechtigten doch noch schmackhaft zu machen:

«Die Landschaft wird aufgewertet, möglicherweise gibt es ein paar Steuerfranken mehr.»

Doch der Einsatz für die Deponie nützte nichts. Das Resultat der geheimen Abstimmung war eindeutig: Bei 103 massgebenden Stimmzetteln sprachen sich 28 für das Projekt aus, 75 dagegen. Damit ist das Projekt Sandeggere schon beim ersten Anlauf gescheitert.

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