Kommentar

Der schlagartige Rücktritt von vier Verwaltungsräten und dem Sportchef trifft den HC Thurgau hart

Matthias Hafen
Hören
Drucken
Teilen

Der HC Thurgau ist zum Spielball der Macht geworden. Mit dem sportlichen Erfolg der vergangenen Jahre, sieben Playoff-Teilnahmen in Folge und dem erstmaligen Vorstoss in die Halbfinals seit 21 Jahren zog der Club neue Zuschauer, Spieler, Sponsoren und Sympathisanten an. Unter der Führung von Präsident Hansjörg Stahel und Vize Max Hinterberger wurde der Swiss-League-Club in den vergangenen Jahren wieder so attraktiv, dass Geldgeber aktiv in den Verwaltungsrat drängten. Im Dezember wurde so das Führungsgremium um Cäsar Müller und René Fontana erweitert. Dass das nicht lange gut gehen konnte, war absehbar.

Die zwei Neuen waren von Marketing-Mitarbeiter Paul Kaiser als Sponsoren zum HCT geholt worden. Von jenem Kaiser, der im Mai 2019 vom Verwaltungsrat unter dem Vorsitz von Stahel freigestellt, später aber auf Druck von Sponsoren wieder eingestellt wurde. So gab es mit der Aufnahme von Cäsar Müller und René Fontana von Anfang an zwei Lager im erweiterten Verwaltungsrat. Dass nun die bisherige Crew fast in globo zurücktritt, hat eine gewisse Logik. Für den Club ist es dennoch ein herber Verlust, hat doch der bisherige Verwaltungsrat hervorragende Arbeit geleistet. Der HC Thurgau ist sportlich in einem Allzeithoch, finanziell stabil und als Folge dessen geniesst er im Kanton, dem nationalen Verband Swiss Ice Hockey und der ganzen Eishockey-Schweiz wieder Ansehen.

Doch wer zahlt, befiehlt. Das ist das gute Recht der Sponsoren. Und Veränderungen in der Chefetage gehören zum Sport wie Siege und Niederlagen. Gleichwohl wirft die Art und Weise des Machtwechsels ein schlechtes Licht auf den HC Thurgau. Auf jenen Club aus der Swiss League, der nach einer bewegten Vergangenheit sein Image in den vergangenen Jahren mit Konsens in der Führungsetage und Ruhe im Umfeld aufpoliert hat.

Dass auch Sportchef und Geschäftsführer Martin Büsser im Zuge des Machtwechsels gekündigt hat, wird den HC Thurgau zusätzlich treffen. Das in einer Phase, in der die sportlichen Weichen mit Spielertransfers und Vertragsverlängerungen für die neue Saison gestellt werden müssen. Dem HC Thurgau geht auf einen Schlag ein grosses Netzwerk, viel Erfahrung und Kompetenz verloren, das er inmitten der Schweizer Eishockey-Elite alles braucht. Dieses Know-how wieder in den Club zu holen, bedeutet beschwerliche Aufbauarbeit hinter den Kulissen. Und wenn hier Fehler passieren, dann kann es schnell abwärtsgehen.