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Der Romanshorner Stadtpräsident erhält Rückendeckung

Ein Komitee macht den Führungsstil von David H. Bon indirekt dafür verantwortlich, dass mehr als die Hälfte der Stadträte zurücktritt – offenbar trifft das aber nur auf eine Person zu.
Annina Flaig
Der Romanshorner Stadtrat: Petra Keel, Christoph Suter, Melanie Zellweger, Peter Eberle, Urs Oberholzer, Stadtpräsident David H. Bon, Stadtschreiberin Bettina Beck, Markus Fischer, Patrik Fink und Käthi Zürcher. (Bild: PD)

Der Romanshorner Stadtrat: Petra Keel, Christoph Suter, Melanie Zellweger, Peter Eberle, Urs Oberholzer, Stadtpräsident David H. Bon, Stadtschreiberin Bettina Beck, Markus Fischer, Patrik Fink und Käthi Zürcher. (Bild: PD)

Bei besorgten Bürgern läuten die Alarmglocken. «Die fünf Rücktritte aus dem Stadtrat sind deutliche Zeichen für die aktuelle Schräglage der Stadtregierung», finden sie. Deshalb gründeten sie kürzlich ein Komitee und traten an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel: Sie suchen einen Gegenkandidaten zum amtierenden Stadtpräsidenten David H. Bon (FDP), der für eine weitere Amtsperiode kandidiert (unsere Zeitung berichtete).

Öffentlich schwärzen sie Bon nicht explizit an. Trotzdem lassen die Vertreter des Komitees durchblicken, dass sie den Stadtpräsidenten unter anderem dafür verantwortlich machen, dass fünf der acht Stadträte zurücktreten.

Vier Stadträte führen andere Gründe ins Feld

Auch die Tatsache, dass die SP, SVP, CVP und die Grünen je einen Vertreter in diese Findungskommission entsandt haben, zeigt, dass Bon bei diesen Parteien keine Unterstützung mehr hat. Fakt ist jedoch auch, dass bisher niemand der zurücktretenden Stadträtinnen und Stadträte öffentlich kommuniziert hat, dass ihr Ausscheiden etwas mit dem Stadtpräsidenten zu tun hat. Auch Aliye Gül, Sprecherin des Komitees und selbst ehemalige Romanshorner Stadträtin, hat sich bisher nicht persönlich dazu geäussert.

Vier der Stadträte verneinen auf Anfrage dieser Zeitung denn auch ausdrücklich, dass ihr Rücktritt mit dem amtierenden Stadtpräsidenten zu tun hat. S sagt beispielsweise Käthi Zürcher (CVP):

«Wenn David H. Bon der Grund wäre, hätte ich schon vor acht Jahren zurücktreten müssen.»

Nach zwölf Amtsjahren wolle sie neuen Kräften Platz machen. Ebenfalls zwölf Jahre im Amt ist Patrik Fink (FDP). «Das stimmt überhaupt nicht», antwortet er auf die Frage, ob sein Rücktritt mit Parteikollege Bon zu tun habe. Urs Oberholzer (Grüne) hat seinen Rücktritt bereits öffentlich begründet. Er kandidiert aktuell in Uttwil als Gemeindepräsident. «Mehr gibt es dazu nicht zu sagen», schreibt er.

Petra Keel spricht Klartext

Die grössten Fragezeichen ausgelöst haben wohl die Rücktritte von Christoph Suter und Petra Keel. Die beiden parteilosen Stadträte sind erst seit drei beziehungsweise zwei Jahren im Amt. Ausschlag dafür, dass sich Christoph Suter (parteilos) nicht mehr zur Wahl stellt, ist «ganz klar der zeitliche Aufwand», wie er angibt. Das Amt ist mit meiner 100-Prozent-Stelle, meine Familie, dem Haus und meinen Sportinteressen nur schwierig unter einen Hut zu bringen.» Es bleibt eine von fünf, die unumwunden zugibt:

«David H. Bon und ich haben sicherlich unterschiedliche Haltungen bezüglich Führungsstil und Arbeitsabläufen.»

Es ist Petra Keel. Aber auch sie betont, dass der Umfang des Amtes sie so stark fordere, dass es neben ihrem Job und der Familie einfach zu viel sei.

Das Amt eines Stadtrates ist kein Feierabend-Job

Die Stadträte geben an, dass sie je nach Ressort rund 20 000 bis 30 000 Franken pro Jahr verdienen. Unterschiedlich ist auch die Einschätzung der aufgewendeten Zeit. Patrik Fink (Ressort Versorgung und Verkehr) und Käthi Zürcher (Ressort Gesundheit) geben ihre Arbeitspensen für das Amt mit 20 Prozent an. Käthi Zürcher hat deswegen nach ihrer Wahl ihre Lehrertätigkeit an der Sekundarschule von 100 auf 80 Prozent reduziert. «Somit konnte ich einen Tag pro Woche plus die Wochenenden für die Politik einsetzen», sagt sie. Was die zeitliche Belastung angeht, spiele das Ressort eine grosse Rolle, sagt Urs Oberholzer. Er rechnet für sein Ressort Verkehr und Integration mit einem Arbeitsaufwand von rund 30 Prozent. Christoph Suter (Ressort Hoch- und Tiefbau) ist der Meinung, dass die Stadtratstätigkeit je nach Ressort 30 bis maximal 40 Stellenprozente umfasst und mit einer 100-Prozent-Stelle – wie er sie hat – praktisch nicht vereinbar sei. Petra Keel gibt an, dass ihr Amt als Ressortchefin Freizeit und Sport mit allen Sitzungen und Anlässen auch an den Wochenenden sogar etwa ein 60-Prozent-Pensum sei. Diese Angaben bestätigen Aussagen von FDP-Präsident Arno Germann, der gegenüber dieser Zeitung unlängst sagte, dass es kaum mehr möglich sei, ein Stadtratsmandat nach Feierabend auszuüben. Er ist überzeugt, dass vielmehr diese Tatsache als der Wirbel um David H. Bon Grund für die vielen Rücktritte aus dem Stadtrat ist. (afl)

Arbeitgeber unterstützen Findungskommission

Die Arbeitgeber Vereinigung Romanshorn und Umgebung (AVR) mache sich zunehmend Sorgen um die Zukunft von Romanshorn, schreibt der Verband in einer Mitteilung. Die anfangs positive, zukunftsgerichtete Planungsarbeit scheine immer mehr in den Hintergrund zu rücken und es mache sich zunehmend Unzufriedenheit breit. Auch in Wirtschaftskreisen. «Der Rücktritt von gleich fünf Stadträten bestätigt dies oder wirft zumindest Fragen auf», heisst es in der Mitteilung vom Dienstag weiter. Die Arbeitgeber Vereinigung unterstützt deshalb nach eigenen Angaben die Bestrebungen der Findungskommission, der Romanshorner Bevölkerung eine Auswahl für das Amt des Stadtpräsidenten oder der Stadtpräsidentin zu bieten. Damit soll es in der Hand der Stimmbevölkerung liegen, zu entscheiden, ob es in Romanshorn einen Neustart geben soll oder nicht. (red).

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