Der Roggwiler «Ochsen» muss warten

Die Coronakrise hat die Saalbaugenossenschaft auf dem falschen Fuss erwischt.

Markus Schoch
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Die Zukunft des Restaurant Ochsen ist ungewiss. Im Juni läuft der Vertrag mit der Pächterin aus.

Die Zukunft des Restaurant Ochsen ist ungewiss. Im Juni läuft der Vertrag mit der Pächterin aus.

Andrea Stalder

Willi Bischofberger kann derzeit nicht viel sagen. Er weiss nur: Die ursprünglichen Pläne sind Schnee von gestern und es braucht neue Beschlüsse.

Bischofberger ist Präsident der Roggwiler Saalbaugenossenschaft, der das Restaurant mit grossem Parkplatz im Zentrum des Dorfes gehört. Das Gasthaus ist in die Jahre gekommen und müsste saniert werden. Seine Zukunft sollte sich am 18. Mai entscheiden. Der Gemeinderat wollte die Bevölkerung an diesem Tag über den Kauf der Liegenschaft zum Preis von 480000 Franken abstimmen lassen. Doch Gemeindeversammlungen sind wegen der Coronakrise aktuell nicht möglich. Und eine Urnenabstimmung als Alternative kommt für die Behörde nicht in Frage, weil diese keine Diskussion zulässt. «Damit ist eine ausreichende Meinungsbildung unmöglich», sagt Gemeindepräsident Gallus Hasler. Der Entscheid zum «Ochsen» fällt deshalb erst irgendwann nach den Sommerferien - aber sicher noch in diesem Jahr.

Man hatte es sich anders gewünscht

Gallus Hasler, Gemeindepräsident von Roggwil.

Gallus Hasler, Gemeindepräsident von Roggwil.

PD

Die Saalbaugenossenschaft hätte es sich anders gewünscht. Denn der Vertrag der Pächterin läuft Ende Juni aus. Abgesehen davon, dass Bischofberger nicht weiss, ob das Restaurant bis dahin überhaupt noch einmal aufgeht, stellt sich ihm und dem übrigen Vorstand die Frage, wie es mit dem Betrieb im Sommer weiter gehen soll, wenn die Wirtin die Schlüssel abgegeben hat. Die Saalbaugenossenschaft könnte zwar einen Nachfolger suchen. Um ihm oder ihr eine Perspektive zu geben, müsste sie aber von der Gemeinde deren Pläne mit der Liegenschaft kennen oder zumindest eine Übernahme des Pachtvertrages für eine bestimmte Zeit garantiert bekommen für den Fall eines Besitzerwechsels. Die entsprechenden Gespräche hätten wegen der aktuellen Pandemie noch nicht stattgefunden, sagt Bischofberger. Das Gebäude ohne zwingenden Grund leer stehen zu lassen, ist für ihn schon allein aus finanziellen Überlegungen keine Option.

Klar ist: Der Gemeinderat will sich mit dem Kauf des «Ochsen» nicht dazu verpflichten lassen, das Restaurant auf Dauer weiter zu führen, stellt Hasler klar. Das sei nicht Aufgabe einer Gemeinde.

«Es würde den Wettbewerb verzerren.»

Die Behörde hat aber noch keine konkrete andere Idee, wie sie die Liegenschaft nutzen könnte. Darüber will sie sich erst im engen Austausch mit der Bevölkerung Gedanken machen, wenn die Beiz tatsächlich der Gemeinde gehört. Und sollte diese Bevölkerung mehrheitlich der Meinung sein, dass der «Ochsen» ein Restaurant bleiben muss, dann werde sich die Behörde diesem Wunsch selbstverständlich beugen, sagt Hasler. In welche Richtung es gehen könnte, sei schwierig zu sagen. «Ich höre vieles.»

Für Hasler ist wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu tun und dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Die Entwicklung eines lebendigen und attraktiven Dorfzentrums.

«Es bietet sich uns mit dem Erwerb des Restaurant Ochsen eine grosse Chance, die wir packen sollten.»

Der Gemeinde gehört bereits das Farinolihaus gleich daneben. Das Gebäude steht seit vielen Jahren leer.