Der Riesen-Buddha von Amriswil erstrahlt in neuem Glanz

Im Januar gab die Amriswilerin Marianne Weiss dem in einem Winterthurer Park ausgesetzten Buddha ein neues Zuhause und restaurierte ihn liebevoll. Am Sonntag wurde ihr Werk fertig, die rund drei Meter hohe Statue sieht nun aus wie neu.

Manuel Nagel
Merken
Drucken
Teilen
Marianne Weiss strahlt beinahe so wie der restaurierte Buddha. (Bild: Manuel Nagel)

Marianne Weiss strahlt beinahe so wie der restaurierte Buddha. (Bild: Manuel Nagel)

Michael Wirz war am Montagmorgen der Erste, der Bescheid wusste. Marianne Weiss schickte ihm ein Foto des golden glänzenden Buddhas, der erst am Sonntagabend fertig restauriert war.

Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Winterthur, ist sozusagen der Götti der rund drei Meter hohen Statue, die vor beinahe zwei Jahren über Nacht in einem Winterthurer Park ausgesetzt wurde. Mehr als ein Jahr stand der Buddha dann in der Stadtgärtnerei. Die Polizei suchte nach dem Besitzer, doch niemand meldete sich. Die Polizei stand vor einem Rätsel.

Im Januar 2019 sollte er dann entsorgt werden, doch die Stadtpolizei Winterthur startete zuvor noch einen Aufruf, ob jemand dem Riesen ein neues Zuhause bieten wolle. Voraussetzung war lediglich, das gigantische Teil, das den Platz von zwei Parkplätzen einnimmt, selber abzutransportieren. Über 20 Personen wollten den Buddha. Somit musste das Los über den neuen Besitzer entscheiden. Es wurde eine Besitzerin, nämlich Marianne Weiss aus Amriswil. Am 29. Januar zügelte sie den verlotterten Riesen in den Oberthurgau, um ihn wieder aufzupäppeln, sprich zu restaurieren.

Drei Monate, bis der Buddha trocken war

Nachdem der Buddha zwei Winter lang Wind und Wetter getrotzt hatte, bekam er zuerst ein warmes Plätzchen: «Ich musste ihn über drei Monate austrocknen lassen», sagt Marianne Weiss. Erst danach konnte sie mit der Restauration beginnen. Die letzten sechs Wochen sei sie nun «intensiv jeden Tag zwischen fünf und sieben Stunden dran gewesen», verrät Weiss.

An Kopf und Nase des Buddhas musste Marianne Weiss viel spachteln und schleifen. (Bild Manuel Nagel)

An Kopf und Nase des Buddhas musste Marianne Weiss viel spachteln und schleifen. (Bild Manuel Nagel)

Schwierigkeiten bereiteten der neuen Besitzerin der Lack. An einzelnen Stellen war er abgesprungen, an anderen Stellen kam er nicht weg. Es gab viel zu schleifen, aber auch zu spachteln, Löcher zu füllen, wieder zu schleifen und zu spachteln und so weiter. Am Ende wurde der Riese zweimal grundiert und dann mit goldener Farbe überzogen.

Der ursprüngliche Plan von Marianne Weiss war, den Buddha auf ihre grosse Terrasse zu stellen. Davon ist sie nun abgerückt.

«Ich habe so viel Zeit und Geld investiert, dass es mich nun reut, den Buddha draussen zu lassen.»

sagt Marianne Weiss. Sie weiss deshalb noch nicht, was sie mit der Statue anstellen soll. Sie überlegt sich nun, welches Plätzchen das richtige für den Buddha sein könnte, was mit ihm geschehen soll. Platzprobleme oder Zeitdruck hat sie jedenfalls nicht, sie kann die Statue wieder in die Halle ihrer Firma stellen, wo der Buddha bereits während der Restaurierung stand. Weiss sagt:

«Abwarten und nichts überstürzen.»

Vielleicht melde sich nun ja auch der Vorbesitzer, sagt sie. Doch die Statue zurückgeben, das würde sie nicht: «Nein nein, der hat ihn ausgesetzt, der bekommt ihn nicht mehr», sagt sie lachend.

Rund drei Meter hoch ist die Buddha-Statue, die - obwohl aus Styropor - ein stolzes Gewicht hat. (Bild: Manuel Nagel)

Rund drei Meter hoch ist die Buddha-Statue, die - obwohl aus Styropor - ein stolzes Gewicht hat. (Bild: Manuel Nagel)

Ausschliessen, dass der Buddha weiterzieht, das will Weiss aber nicht. Falls jemand ein schönes Plätzchen habe, so könne sie sich das durchaus vorstellen. Aber es müsste auch für sie passen, «sodass ich weiterhin Zugang zu ihm hätte, um ab und zu Hallo zu sagen», sagt Weiss. Aber sie kann sich schwer vorstellen, wer so ein riesiges Teil bei sich unterstellen könnte. Der passe ja in keine Wohnung rein.

Gedacht habe sie schon an das buddhistische Zentrum in Sitterdorf oder ähnliche Institutionen. Sie werde dann dort mal vorbeischauen. Doch das Ziel sei jetzt einfach mal gewesen, den Buddha fertig zu restaurieren.