Interview
Der neue Kreuzlinger Arbeitgeberpräsident: « Die ‹Generation Z› ist eine Herausforderung»

Attila Wohlrab ist seit wenigen Monaten Präsident des Arbeitgeberverbandes Kreuzlingen und Umgebung (AGV). Im Interview spricht er über seine ersten Erfahrungen im Amt.

Kurt Peter
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Immokanzlei-Inhaber Attila Wohlrab wurde am 8. März zum Arbeitgeberpräsidenten gewählt. (Bild: Reto Martin)

Immokanzlei-Inhaber Attila Wohlrab wurde am 8. März zum Arbeitgeberpräsidenten gewählt. (Bild: Reto Martin)

Wie sind Sie in die neue Aufgabe gestartet?

Attila Wohlrab: Ich habe eine sehr gut funktionierende Organisation angetroffen, was ich meinen Vorgängern verdanke. An den bisherigen Strukturen werde ich festhalten, mit kleinen Änderungen. Bisher stand Kontaktpflege ganz oben auf der Prioritätenliste, es gab bereits Treffen mit dem Regierungsrat und der kantonalen Wirtschaftsförderung bei lokalen Firmen. Das ist ohnehin eine der Hauptaufgaben des Präsidenten: Netzwerke pflegen und ausbauen, Probleme angehen mit der Wirtschaft, den Gemeindebehörden und anderen wichtigen Institutionen und Organisationen, natürlich grenzüberschreitend.

Welches sind den die grossen Herausforderungen für den AGV?

Für unsere Mitglieder in der Grenzregion sind die bilateralen Verträge mit der EU von grosser Bedeutung. Daher hoffe und glaube ich, dass das Rahmenabkommen zur beidseitigen Zufriedenheit abgeschlossen werden kann. Die Digitalisierung verändert Arbeitswelt und Gesellschaft rasend schnell, schafft aber auch grosse Chancen. Eine weitere Herausforderung ist die «Generation Z».

Was verstehen Sie darunter?

Der Generation Z ist im Vergleich zu den vorherigen Generationen die Lebensqualität wichtiger als der Lohn, eine flexible gestaltete Arbeitszeit, projektbezogenes Arbeiten. Als Unternehmer muss man, gemeinsam unter Einbezug der Generation Z, beidseitig mögliche Rahmenbedingungen schaffen. Das ist streng, aber oftmals spannend, das erlebe ich gerade selber in meiner Firma.

Und die Herausforderungen in der Region?

Wichtig für die Stadt ist die Revision der Ortsplanung, da sollte es meiner Meinung nach möglichst schnell vorwärtsgehen. Unglücklich finde ich das Vorgehen, indem die Pläne ohne vorherige Information vieler Betroffenen zur Vernehmlassung vorgelegt wurden. Das schafft Misstrauen statt Vertrauen, hier wäre ein pragmatischeres Vorgehen mit Einzelgesprächen sicher effizienter gewesen. Denn schliesslich stellt die Ortsplanung auch die Weichen für die Zukunft von Wohnen und Arbeiten. Aber eine 100-prozentige Zufriedenheit gibt es nie bei solch grossen Projekten. Und für unsere Stadt wünsche ich mir etwas mehr positive Gedanken, Freude und Gemeinsinn. Stadtpräsident Thomas Niederberger lebt es für mich derzeit sehr gut vor.

Im Gemeinderat wurden die vorhandenen Gewerbeflächen angesprochen. Als Immobilienfachmann haben Sie da bestimmt einen tieferen Einblick.

Interessante Gewerbe- und Büroflächen gibt es wenige in Kreuzlingen. Interessant heisst auch kleine Flächen, zentrumsnah, möglichst direkter Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder eine attraktive Liegenschaft, wie beispielsweise das ehemalige Fabrikgebäude der Tour de Suisse. Solche Flächen entsprechen nach wie vor einem Bedürfnis und lassen sich gut vermieten.

Da ergeben sich neue Möglichkeiten bei der Mowag?

Richtig, durch den Verkauf ehemaliger Produktionshallen an die HRS gibt es viele neue Industrie- und Gewerbeflächen, die Vermietung ist bereits angelaufen. Interessant ist dies für junge Firmengründer oder Unternehmen, welche die Nähe zur Mowag suchen, schon mit ihr zusammenarbeiten und nicht riesige Flächen suchen, um in die Selbstständigkeit zu starten. In Kreuzlingen müssen wir bestehende Firmen pflegen, aber auch Augenmerk auf neue interessante Betriebe legen. Jungunternehmer bringen die Wirtschaft weiter und sind ein Teil unserer Zukunft.

Alle stöhnen über den Verkehr, gibt es für Sie Lösungen?

Man muss sehen, dass der motorisierte Individualverkehr einen neuen Stellenwert bekommen wird. Immer mehr junge Menschen verzichten auf den Führerschein oder das eigene Auto, welches seinen derzeitigen Statuswert bereits teilweise verliert. Von einem Verkehrschaos in Kreuzlingen zu reden, finde ich übertrieben, nur weil man zu Spitzenzeiten ein paar Minuten warten muss. Trotzdem braucht es eine Entlastung für Kreuzlingen und die Region, dies durch den Bau der Oberlandstrasse und der Südumfahrung. Beide Projekte gehören zusammen, sind nun aber leider in Bern verschoben worden. Verkehr und gute Infrastruktur bedeuten auch immer Wirtschaft, Kreuzlingen als Beispiel profitiert sowohl von der A7 wie auch der Schnellzugverbindung nach Zürich.