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Der Mettler Basil Richter brennt für altes Handwerk

Basil Richter hat sich mit der Einrichtung einer eigenen Werkstatt einen Traum erfüllt. Er gehört zu den wenigen jungen Menschen im Thurgau, die eine Ofenbauerlehre absolvierten.
Werner Lenzin
Basil Richter betreibt sein eigenes Geschäft als Ofenbauer in Mettlen. (Bild: Andrea Stalder)

Basil Richter betreibt sein eigenes Geschäft als Ofenbauer in Mettlen. (Bild: Andrea Stalder)

Mettlen 1891: Wie in vielen Orten in der Ostschweiz leben auch hier die Menschen von der Stickerei. Gerade ist an der Hauptstrasse wieder ein Stickereilokal gebaut worden. Rund 20 Heimstickereien gibt es in dem Dorf, in dem damals rund 500 Personen wohnen. Doch das Handwerk verschwindet mit den Jahren.

Stickereien findet man heute nicht mehr. Auch das Stickereilokal hat ausgedient und seine ursprüngliche Bedeutung verloren, erzählt Ruedi Zbinden, Bussnanger Gemeindepräsident, auf Anfrage. «Nach der Stickerei-Blütezeit wurde das Lokal als Gewerberaum und Atelier genutzt», sagt Zbinden.

Nun weht wieder ein Hauch Nostalgie durch die Mauern. Denn jüngstens hat sich Basil Richter dort eingerichtet und der junge Mann pflegt ein altes Handwerk: er ist Ofenbauer. In den vergangenen Tagen und Wochen hat er sich an der Hauptstrasse 1 ein kleines Reich aufgebaut und ihm einen Namen gegeben: «Füür & Flamme».

Schon das sorgfältige Anordnen der Werkzeuge und des für den Ofenbauer notwendige Material auf den Gestellen an den Wänden deutet darauf hin: Hier arbeitet ein junger Mensch, der Wert legt auf sorgfältige und exakte Arbeit. An verschiedenen Orten stehen und liegen Gestellöfen vergangener Jahrhunderte zum Renovieren bereit.

Mit dem Grossvater auf die Baustelle

«Das traditionelle Handwerk wurde mir in die Wiege gelegt und hat mich seit meiner Primarschulzeit fasziniert», sagt der Mettler Ofenbauer. Aufgewachsen bei seinen Eltern und seinen Grosseltern im Mühletobel bei Neukirch an der Thur wurde er schon früh damit konfrontiert. Er durfte bereits als Erstklässler seinem Grossvater Bruno Fedi in der Werkstatt mithelfen.

Etwa als Fedi die verlotterte «Alte Säge» aus dem 16. Jahrhundert abgebrochen, neu aufgebaut und wieder in Betrieb gesetzt hat. «Dabei begegnete ich Ofenbauer Mischa Casanova und schaute ihm zu, wie er mit geschickten Händen einen historischen Kachelofen aus dem 17. Jahrhundert neu aufbaute», sagt Richter.

Das alte Handwerk wird immer noch gelehrt. Der Name hat sich jedoch der Moderne angepasst. «Vor über 10 Jahren wurde die Berufsbezeichnung Hafner in Ofenbauer umbenannt», sagt er.

Früher stellten der Hafner auch Nachttöpfe her

Der junge Berufsmann weiss auch, dass der einstige Hafner seinen wichtigen und weitverbreiteten Beruf schon im Mittelalter ausübte. Damals stellte er noch Gegenstände für den täglichen Gebrauch wie Backformen, Pfannen, Töpfe und Nachtgeschirr aus Ton her.

«Vermutlich erst im 8. oder 9. Jahrhundert begann der Hafner Ofenkacheln zu formen», sagt Richter. Er absolvierte nach seiner Schulzeit bei Samuel Schönenberger, einem ehemaligen Lehrling von Mischa Casanova, in Lütisburg seine Ofenbauerlehre und schloss diese vergangenes Jahr erfolgreich ab.

Während des ersten Lehrjahrs besuchte er die Berufsschule von «Feu Suisse» in der Froburg oberhalb von Olten und ab dem zweiten Lehrjahr in Dagmarsellen zusammen mit den Plattenlegern. Unter den 16 Lehrlingen aus der ganzen Schweiz waren Richter und ein weiterer Kollege die einzigen Thurgauer. Rund die Hälfte kam aber aus der Ostschweiz.

Faszination für die Materialvielfalt

Während seiner vierjährigen Ausbildungszeit lernte Richter den Auf- oder Neubau von antiken Kachelöfen in Bauern- und Altstadthäusern und den Bau von verputzten Speicheröfen, Cheminées und antiken Gestellöfen.

«Die Arbeit begeistert mich, weil sie sehr abwechslungsreich ist. Ich sehe täglich, was ich geleistet habe. Zudem fasziniert mich die Arbeit mit den vielen verschiedenen Materialien, denn jeder Ofen ist anders».

Entscheidend ist für ihn das saubere und exakte Arbeiten und es gilt die Ideen des Kunden in einem anfänglichen Gespräch aufzunehmen. Ihm ist es auch wichtig dass man weiss, dass ein Kachelofen CO2-neutral ist, dies dank einem optimalen Verbrennungsraum und heute möglichst genauen Berechnungen.

Neben dem Bau von Speicher- und Kachelöfen, der Restauration von antiken Gestellöfen ist Richter auch gewappnet für die Herstellung von Cheminées, Pizzaöfen und Gartenfeuerstellen.

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