Der Märstetter Hühner-Kindergarten

Sommerserie: Sepp Rüegg aus Märstetten zieht Bibeli während 18 Wochen in seinem Stall auf. Dann legen sie Eier und werden an Bauern verkauft.

Janine Bollhalder
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Sepp Rüegg und seine Aufzuchthennen. (Bild: Reto Martin)

Sepp Rüegg und seine Aufzuchthennen. (Bild: Reto Martin)

Die Sicht ist getrübt. Lauter Hühnerfedern, die durch den Stall schweben, erschweren den Überblick. Gegacker und Gurren erfüllt die Luft. Die weissen Hühner sind nervös.

Der Grund: Ein Mann mit blauem Kittel, der langsamen Schrittes durch den Stall geht: Sepp Rüegg steht inmitten seiner Hühner, sie staksen um seine Beine, auf der Suche nach Getreidekörnern.

Die 4000 Aufzuchthennen sowie die 400 Legehennen, welche zurzeit auf Rüeggs Betrieb «Rüegg Gallipor» leben, stammen von einer der beiden Brütereien, die es in der Schweiz gibt. Die Eier werden dort künstlich in der Brutmaschine ausgebrütet.

Die einen Tag alten Bibeli kommen dann auf Rüeggs Betrieb und werden bei ihm oder einem seiner 35 Partnerbetrieben in der Deutschschweiz aufgezogen.

Ein Leben in der Landwirtschaft

Der 50-jährige Sepp Rüegg ist auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen und hat seine Ausbildung in der gleichen Branche gemacht. Als Berater einer Futtermühle war er viel unterwegs. «Aber das wollte ich nicht für immer machen.»

400 Legehennen bleiben im Stall von Sepp Rüegg. (Bild: Reto Martin)

400 Legehennen bleiben im Stall von Sepp Rüegg. (Bild: Reto Martin)

Deswegen habe er sich mit Hühnern beschäftigt und 1995 mit der Geflügelzucht selbstständig gemacht. Vor 18 Jahren hat Rüegg den Standort in Märstetten gekauft, umgebaut und das Geschäft zum Laufen gebracht. Auf seinem Betrieb sind mehrere Angestellte sowie seine Frau und Tochter für die sieben Vollzeitstellen zuständig.

In den Ställen des Märstetter Aufzuchtbetriebs tummeln sich nur weibliche Legehennen. «Die Hühner für die Fleischproduktion werden in anderen Brütereien gezüchtet», sagt Rüegg. Sein Betrieb ist eine der grössten Bio-Jungehennenaufzuchten:

«In der Schweiz gibt es rund 400000 Bio-Legehennen. Unser Anteil daran liegt bei 50 Prozent»g.

Die 4000 Aufzuchthennen befinden sich auf Rüeggs Betrieb quasi im Hühner-Kindergarten. Hier lernen sie: «Essen, trinken, schlafen sowie sich in der Voliere zurechtzufinden.»

Die Hennen beginnen nach 18 bis 20 Wochen Eier zu legen. Dann werden sie an Legebetriebe weiterverkauft. Der Stall wird gereinigt, desinfiziert und 4000 neue Aufzuchthennen ziehen ein. Nur 400 Legehennen verbleiben auf seinem Hof.

Sie legen Eier, die Rüegg an Detaillisten wie etwa die Landi weiterverkauft. Nach einem Jahr lässt die Eiqualität der Legehennen nach und sie werden, wie auf den anderen Betrieben auch, geschlachtet.

Restaurant Gambrinus empfiehlt: Pollo alla diavola

Sie brauchen für vier Personen folgende Zutaten:
– 4 kleine Poulets (Mistkratzerli) etwa 450 Gramm

Marinade:
– 300 Gramm Erdnussöl
– 50 Gramm Tomatenmark
– 9 Gramm getrocknete Peperoncini
– 5 Gramm Rosmarinpulver

Zubereitung:
– Die Zutaten für die Marinade in einen Behälter geben und mit dem Stabmixer gut mixen.
– Die Mistkratzerli mit frischem Rosmarin füllen und in eine Gratinform stellen. Mit der Marinade gut einpinseln und gut salzen.
– In der Zwischenzeit den Ofen auf 200 Grad (Heissluft) einstellen.
– Die Poulets in den Ofen schieben und alle 10 Minuten wenden und mit zwei bis drei Löffel warmer Sauce übergiessen (arrosieren).
– Nach 40 Minuten sind die Mistkratzerli fertig und können aus dem Ofen genommen, halbiert und angerichtet werden.
Passende Beilagen sind Salate, Risotto, Polenta und Pommes Frites. 

Zu einigen Artikeln der Sommerserie «Rund ums Huhn» finden Sie ein Rezept von lokalen Restaurants.
Heute: Restaurant Gambrinus aus Weinfelden.