Glosse
Der lästige Spion am Kreuzlinger Himmel

Ein Helikopter der Schweizer Armee überwacht seit mehreren Wochen die Grenze. Redaktor Urs Brüschweiler nervt sich in einer Glosse über die Kontrollflüge.

Urs Brüschweiler
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Ein EC635 der Schweizer Luftwaffe.

Ein EC635 der Schweizer Luftwaffe.

(Bild: pd/VBS)

Eigentlich sind Helikopter ja etwas Tolles; grosse, ohrenbetäubende Maschinen, die fliegen können. Ein Faszinosum insbesondere für Männer. Aber dieses in Tarnfarben bemalte Exemplar, welches in den vergangenen Wochen Kreuzlingen regelmässig mit Überflügen strapazierte, soll bitte rasch wieder zurück in den Hangar.

Es nervt.

Unter den vielen Corona-Massnahmen gehören die Kontrollflüge über die geschlossene Grenze zu den lästigsten. Das ist natürlich nur eine persönliche Ansicht. Aber wenn man sich am Mittag auf dem Balkon plötzlich beobachtet fühlt und dazu sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann, geht einem das schon gegen den Strich.

Man könnte annehmen, ein doppelter Grenzhag auf Klein Venedig, Betonblöcke bei den Zollstellen und bewaffnete Militärpolizisten und Grenzwächter an jeder Ecke im Tägermoos und am Saubach sollten ausreichen den Einkaufstourismus einzubremsen.

Die Eidgenössische Zollverwaltung findet das nicht. Es gebe immer wieder illegale Durchbrüche an der grünen Grenze, erklärt ein Sprecher. Deshalb nehme man unregelmässig die Luftüberwachung durch die Armeehelikopter in Anspruch. Wie oft der Vogel genau losgeschickt wird, bleibt geheim – die Taktik der Grenzschützer soll nicht verraten werden.

Was man weiss: 5300 Franken kostet die Allgemeinheit eine Flugstunde des EC635. Da muss man ja noch danke sagen, dass sie keinen grossen Super Puma aufsteigen lassen. Der kostet doppelt so viel und würde wohl auch doppelt so viel Lärm machen.

Immerhin kehrt nun langsam wieder Ruhe ein. Die Flüge wurden zuletzt weniger. Das bestätigt der Zollsprecher. Die Situation habe sich eingespielt. Vielleicht kommt nun bald wieder der zivile Fluglärm zurück. Wäre mir recht, den habe ich komischerweise nie als störend erlebt.