Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Der Kreuzlinger Stadtpräsident zum Jahresende: «Meine Rolle ist, zu entscheiden»

Seit 1. März dieses Jahres ist Thomas Niederberger Stadtpräsident. Den Wechsel vom Stadtschreiber zum Gemeindeoberhaupt hat er gut gemeistert. Nun blickt er auf die letzten Monate zurück.
Martina Eggenberger Lenz
Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger im Gespräch. (Bild: Reto Martin)

Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger im Gespräch. (Bild: Reto Martin)

Thomas Niederberger, im vergangenen Februar, kurz vor ihrer Wahl, haben Sie einmal gesagt, dass sie eine fast euphorische Stimmung spüren. Sind Sie mittlerweile in der Realität angelangt oder sehen Sie nach zehn Monaten als Stadtpräsident immer noch alles positiv?

Ich fühle mich eigentlich immer noch absolut gleich. Ich sprühe vor Tatendrang, habe extrem Freude an meiner Arbeit und will meine Aufgaben anpacken. Sicher gab es in den zehn Monaten auch schwierige Entscheide und ich bedauere, dass wir bei gewissen Projekten nicht so vorwärts machen konnten wie geplant. Aber nichtsdestotrotz bin ich voll motiviert.

Sie haben in den ersten drei Monaten ihrer Amtszeit sehr viele Gespräche mit unterschiedlichen Leuten geführt. Konnten Sie da eine Quintessenz herausziehen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, dass man miteinander redet, dass man den Dialog sucht. Das beeinflusst die spätere Zusammenarbeit.

Es ging also mehr um die Beziehungs- als um die Sachebene?

Genau. Es ging mir darum, so etwas wie ein Startgespräch zu führen.

Kommen wir jetzt aber zu einem Sachthema: Mögen Sie das Wort Boulevard noch hören?

Der Boulevard war natürlich eine dieser schwierigen Entscheidungen, die wir im Stadtrat treffen mussten. Der Boulevard bildet für mich das Zentrum. Da gab es die Diskussionen um die Verkehrsführung mit den unterschiedlichen Meinungen. Positiv ist für mich, dass wir die drei Projekte Brainstorming-Plattform, Zwischennutzungsagentur und Co-Working erfolgreich aufgleisen konnten.

Und trotzdem kommt das Gewerbe wieder mit einer Petition hervor. Nervt das nicht?

Nein, überhaupt nicht. Die Ideen können ja miteinander verbunden werden. In der Petition hat es vieles, was bei uns auch auf der Agenda steht. Wenn das hiesige Gewerbe interessiert ist daran, etwas zu bewegen, können wir gemeinsam etwas erreichen im nächsten Jahr.

Von aussen hat man den Eindruck, der Stadtrat sei so etwas wie ein Wohlfühlclub. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass bei dieser Einheit auch debattiert wird.

Ich kann bestätigen, dass wir sehr gut zusammenarbeiten. Wir gehen ins Feierabendbier, bestreiten einen gemeinsamen Skitag, machen eine Legislaturschlussreise nach Cisternino. Trotz aller Kollegialität wird an den Sitzungen hart debattiert, weil wir schon unterschiedliche Meinungen haben. Die werden ausdiskutiert. Es gibt auch bei uns Entscheide, die nicht einstimmig sind. Der Eindruck, wir würden mit Wattebäuschen aufeinander schiessen, ist falsch.

Haben Sie in Anbetracht der anstehenden teuren Projekte überhaupt einen Gestaltungsspielraum zur Formulierung neuer Legislaturziele?

Der Beginn der neuen Legislatur im Juni ist ein guter Moment, darüber nachzudenken, wie sich die Stadt entwickeln soll. Wir wollen das Leitbild aktualisieren. Vielleicht suchen wir für die Legislaturziele eine neue Form mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Aber ja, das Stadthaus und das Familien- und Freizeitbad Egelsee werden Hauptpunkte sein. Wir wollen diese Projekte realisieren. Aber wir müssen die Finanzen im Blick haben, um die Handlungsfähigkeit zu bewahren. Wir wollen ja weitere Investitionen tätigen. Wir müssen allerdings Prioritäten setzen.

In Kreuzlingen wird viel geplant, aber wenig realisiert. Wie zuversichtlich sind Sie, dass sich das ändert?

Ich habe ja angekündigt, dass der Investitionsstau jetzt vorbei ist. Es kommt die Zeit der Realisierung. Beim Egelsee sieht es sehr gut aus. Wir hoffen, dass es auch beim Stadthaus nach dem Vorentscheid weiter geht. Die Mitarbeiter haben hoch motiviert am Projekt gearbeitet. Ich rechne damit, dass Anfang Jahr der Entscheid des DBU kommt. Gerne würde ich dann noch einmal mit den Einsprechern den Dialog führen. Wenn alles gut geht, sollten wir in einem Jahr das Baugesuch auflegen können.

Thomas Niederberger

Thomas Niederberger

Wie gehen Sie damit um, dass Sie allenfalls zum Ende der nächsten Legislatur oder sogar zum Ende der übernächsten immer noch hier in diesem Büro sitzen?

Natürlich würden wir gerne vorwärts machen. Wir kennen heute schon fast alle Details des Projekts. Da ist es schade, dass der vorhandene Drive gestoppt wurde. Aber so ist der Prozess. Das ist Demokratie. Daher dürfen wir mit dieser Situation auch nicht hadern.

Sie haben einmal gesagt, in Kreuzlingen müsse man das Rad nicht neu erfinden, sondern es nur etwas ölen.
An welchen Stellen?

Ein Thema ist sicher die Kommunikation, der Dialog. Es geht darum, normal miteinander zu reden. Die Leute erwarten von uns, dass wir Entscheidungen treffen. Im Bewusstsein, dass man es nicht allen recht machen kann. In Erinnerung bleibt mir die Geschichte mit dem Reutipark. Es ist bei den Bewohnern sehr gut angekommen, dass sich der Stadtrat für sie eingesetzt hat. Oder Konstanz: ich habe einen guten Kontakt zum Oberbürgermeister Uli Burchardt. Der Austausch funktioniert. Wir diskutieren auf Augenhöhe.

Und Baustellen wie die Bodensee-Arena, die Spange Bätershausen oder das Kulturzentrum?

Es wird nächstes Jahr zum Thema werden, wie wir als Stadt mit der Oberlandstrasse und der Spange umgehen wollen. Wobei es natürlich sehr drauf ankommt, was der Bund und der Kanton machen. Bei der Bodensee-Arena nehme ich jetzt auch an den Verwaltungsratssitzungen teil. Der Stadtrat ist in die Entscheide der Neupositionierung involviert. Ich erwarte, dass es im kommenden Jahr mehr zu sagen gibt. Auch das Kulturzentrum wird 2019 zum Thema. Geplant ist, dass nächsten Winter eine Volksabstimmung durchgeführt wird.

Sie haben sich ja nach Amtsantritt der FDP angeschlossen. Welche Rolle spielen Sie heute in der Partei?

Ich fühle mich sehr gut aufgehoben im Vorstand und in der Fraktion. Der Austausch ist sehr gut. Ich habe meinen Entscheid nie bereut.

Werden Sie für den Grossen Rat kandidieren?

Ja, ich habe mein Interesse bereits angemeldet. Es ist wichtig, dass Kreuzlingen und die Region im Grossen Rat vertreten sind. Ich gehöre ja auch dem Vorstand der Regionalplanungsgruppe an. Zudem werde ich bald im Agglo-Verein eine Funktion haben. Zudem bin ich im Vorstand von Thurgau Tourismus und werde mich im Vorstand des Vereins Thurgauer Gemeinden einbringen.

Das tönt nach einem riesigen Päckchen. Geht das überhaupt?

Man muss die Zeit gut managen können. Mein Tag besteht hauptsächlich aus Sitzungen. Er ist voll durchgetaktet. Meine Rolle ist, zu entscheiden, damit die anderen weiter arbeiten können.

Bleibt da noch Zeit für die Familie und Hobbys?

Es ist ein intensives Programm. Ich werde mir einen Weg suchen müssen, um mir Freiräume für meine Fitness schaffen zu können. Die Familie sieht mich weniger, das ist klar. Aber wir versuchen, die gemeinsame Zeit intensiv zu nutzen. Und ich kann sehr gut abschalten. Ich habe auch keine Probleme mit einschlafen.

Fassen Sie sich Vorsätze fürs neue Jahr?

Nein, ich nutze den Jahresübergang weniger für Vorsätze. Ich schaue lieber kurz zurück und mache einen Ausblick.

Hinten im Büro sitz ein Teddybär - der «Mä sött..»-Bär.

Hinten im Büro sitz ein Teddybär - der «Mä sött..»-Bär.

Hinter ihrem Bürotisch sitzt ein riesiger Teddybär. Was hat es mit diesem auf sich?

Der Bär hat wirklich eine Geschichte. An Sitzungen heisst es ja oft: «mä sött...» Aber wer ist dieser «mä»? Jedes mal wenn einer «mä» sagt, wird ein kleiner Zettel an den Bären geklebt. Am Schluss der Sitzung werden die Zettel dann verteilt. Ich habe ihn geschenkt bekommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.