Der Kreuzlinger Schandfleck wird schön: Das zweithöchste Gebäude des Kantons steht derzeit leer und erhält eine Rundumerneuerung

Eine Kernsanierung bringt das Hochhaus Freiegg an der Kreuzlinger Hauptstrasse wieder zum Strahlen.

Martina Eggenberger Lenz
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Das Hochhaus sticht aus der Silhouette von Kreuzlingen und Konstanz heraus.

Das Hochhaus sticht aus der Silhouette von Kreuzlingen und Konstanz heraus.

(Bild: Reto Martin)

Seit nunmehr 50 Jahren prägt das «Freiegg» das Kreuzlinger Stadtbild wie kein anderes Gebäude. Das einzige Hochhaus weit und breit geniesst einen zwiespältigen Ruf. Die Gegner bezeichnen es als städtebauliche Sünde, für die Befürworter ist es ein Identifikationspunkt.

Fakt ist: Das zweithöchste Gebäude im Kanton ist in die Jahre gekommen. Im März sind die Vorbereitungsarbeiten für die Kernsanierung des fast 58 Meter hohen Turms mit Mietwohnungen angelaufen. Die Eigentümerschaft wartet noch auf die definitive Baubewilligung. Im Herbst soll es dann richtig losgehen mit dem Umbau.

Simon Rechnitzer leitet mit seiner Firma Renumbau, Cham, die Arbeiten am Grossprojekt. Sein Ziel ist es, das «Freiegg» nicht nur zum höchsten, sondern auch zum schönsten Haus in Kreuzlingen zu machen. Als er das Gebäude zum ersten Mal besichtigte, sei ihm aufgefallen, wie veraltet alles ist. Der Geschäftsleiter der Renumbau sagt:

«Die Bäder, Küchen und Leitungen waren alle am Ende ihres Lebenszyklus.»

Die Eigentümerschaft habe deswegen auch immer wieder Probleme gehabt. Ein riesen Thema sei auch der Brandschutz gewesen, der zwingend auf den neusten Stand gebracht werden müsse.

Das zweithöchste Gebäude des Kantons Thurgau (58 Meter) wird kernsaniert.

Das zweithöchste Gebäude des Kantons Thurgau (58 Meter) wird kernsaniert.

(Bild: Reto Martin)

Ein Brand im Hochhaus – das ist ein Albtraum. Doch ein Feuerwehr-Aufzug, der auch im Brandfall noch funktioniert, Anschlüsse für Schläuche in jedem Stockwerk und eine Rauchschutzdruck-Anlage im Treppenhaus werden in Zukunft mehr Sicherheit bieten.

Alle Mieter sind spätestens im Frühling ausgezogen

Bereits fertig ist die aufwendige Schadstoffsanierung des Hochhauses. Zwei Monate war eine Spezialfirma damit beschäftigt, den Asbest in den Plättliklebern und dem Verputz zu beseitigen, mit Unterdruckkabine und unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen, wie Simon Rechnitzer betont. Bereits begonnen hat auch der Rückbau der Innenwände und der Unterlagsböden. Das Haus bekommt neu eine Bodenheizung.

Um diese radikale Art der Sanierung durchführen zu können, war klar, dass das Hochhaus geräumt werden muss. Sprich: Diesen Frühling zogen die letzten Mieter aus. Die Eigentümerschaft habe dies jedoch bereits ein Jahr vorher angekündigt und allen Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten, sodass es damit keine grösseren Probleme gegeben habe.

Stadtbildkommission redet bei der Fassade mit

Um zu definieren, wie der Turm von aussen aussehen soll, gab es drei Sitzungen mit der Kreuzlinger Stadtbildkommission. Nach langen Diskussionen einigte man sich auf eine Fassade mit matt-grauen Zementfaserplatten. Der Projektverantwortliche begründet:

«Die Kommission wollte, dass der Bau nicht zu dominant erscheint, sondern eher in der Umgebung verschwindet.»

Im alten «Freiegg» gab es auf den 20 Stockwerken 82 Wohnungen. Neu sollen es dann 87 sein.

Visualisierung mit der neuen matt-grauen Fassade.

Visualisierung mit der neuen matt-grauen Fassade.

(Bild: PD)

Zwei Attika-Wohnungen mit fantastischer Aussicht

Simon Rechnitzer betont, dass die Sanierung werterhaltend und nicht wertvermehrend sei.

«Es wird keine Luxuswohnungen geben, die am Markt vorbei zielen. Wir reden hier von einer werterhaltenden Sanierung.»

Die neuen Wohnungen würden toll aussehen, hochwertige Küchen und spezielle Bäder bekommen. Es seien aber keine Luxuswohnungen. Auch preislich würden die Wohnungen nicht massiv höher liegen als bisher. «Die Marktpreise in Kreuzlingen sind nicht besonders hoch.»

Eine Ausnahme bilden die zwei Wohnungen im Attikageschoss, von denen aus man einen fantastischen Ausblick über den See und bis zum Säntis hat. «Da bauen wir tolle Eckbadewannen ein, eine grosse Wohnküche und legen Wert auf die Gestaltung der Terrassen», erklärt der Bauleiter.

Wie viel sich die Eigentümerschaft die Sanierung kosten lässt, wird nicht kommuniziert. Läuft alles nach Plan, ist das Gebäude Ende 2021 oder spätestens im Frühling 2022 wieder bezugsbereit.

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