Der Kauf des Restaurant Ochsen in Roggwil durch die Gemeinde scheint unbestritten: Doch Teile der Bevölkerung wollen weiter dort einkehren können

Der Gemeinderat möchte eigentlich lieber keine Beiz führen. Es ist jedoch gut möglich, dass die Bevölkerung bei der Abstimmung Ende Monat anders entscheidet. An einer Informationsveranstaltung am Montag in der evangelischen Kirche war der Ruf nach einem Treffpunkt im Dorf laut.

Markus Schoch
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Das Restaurant Ochsen mit dem Farinolihaus, das der Gemeinde bereits gehört.

Das Restaurant Ochsen mit dem Farinolihaus, das der Gemeinde bereits gehört.

Bild: Andrea Stalder (Roggwil, 28.2.2019)

Der Gemeinderat kann der Abstimmung vom 24. August zuversichtlich entgegenblicken. So wie es aussieht, wird die Behörde an der Gemeindeversammlung problemlos eine Mehrheit in der Bevölkerung für den geplanten Kauf des Restaurants Ochsen finden. An einer Informationsveranstaltung am Montagabend jedenfalls sprach sich keiner der rund 60 Teilnehmer grundsätzlich gegen die Übernahme der in die Jahre gekommenen und renovierungsbedürftigen Beiz aus, die nach einem Brand seit 1969 im Besitz der Saalbaugenossenschaft ist und zu der ein rund 600 Quadratmeter grosser (Park-)Platz gehört.

Gemeindepräsident Gallus Hasler.

Gemeindepräsident Gallus Hasler.

Bild: PD

Im Gegenteil: Alle Redner betonten, wie wichtig es sei, dass die Gemeinde die Hand auf dieses Grundstück im Zentrum des Dorfes legt, das gemäss Gemeindepräsident Gallus Hasler für das Ortsbild von grosser Bedeutung ist. Dieser Meinung waren auch alle Roggwiler, die sich in der evangelischen Kirche zu Wort meldeten: «Wir müssen die beiden Parzellen unbedingt sichern», meinte einer. «Nur so können wir die Entwicklung selber steuern.»

Gemeinderat will sich alle Optionen offen halten

Der Preis war nur am Rande ein Thema. 480'000 Franken soll die Gemeinde für die Liegenschaft zahlen, wobei es unter dem Strich weniger sein werden. Denn sie hat seinerzeit bei der Saalbaugenossenschaft Anteilscheine im Wert von 130'000 Franken gezeichnet. Und dieses Geld erhält die Gemeinde zurück, wenn der Kauf beziehungsweise Verkauf beschlossene Sache ist. Sollte sogar noch ein Liquidationsgewinn resultieren, wovon die Saalbaugenossenschaft ausgeht, wird die Rechnung für die Gemeinde nochmals besser: Sie bekommt den Überschuss. Wie hoch er sein könnte, ist unklar.

Zum «Ochsen» gehört ein grosser (Park-) Platz mitten im Zentrum.

Zum «Ochsen» gehört ein grosser (Park-) Platz mitten im Zentrum.

Bild: Andrea Stalder (Roggwil, 28.2.2019)

In der Frage, wie die Entwicklung der so wichtigen Liegenschaft genau aussehen soll, gingen die Meinungen auseinander. Der Gemeinderat möchte sich alle Optionen offenhalten und zusammen mit der Bevölkerung ein Nutzungskonzept entwickeln. Die Behörde hat sich deshalb gegen einen Zusatz im Kaufvertrag ausgesprochen, der die Gemeinde verpflichten würde, das Restaurant mit Saal weiter zu betreiben. In der Botschaft heisst es dazu:

«Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, im Gastgewerbe tätig zu sein.»

Nicht zuletzt wettbewerbspolitische Gründe würden dagegen sprechen. Immerhin kann sich der Gemeinderat vorstellen, den derzeit leer stehenden «Ochsen» in einer Übergangszeit wieder zu öffnen, bis eine definitive Lösung gefunden ist, was Jahre dauern kann.

Ohne Investitionen geht es nicht

Praktisch allen, die am Montagabend ans Rednerpult traten, war das zu wenig. Fast unisono forderten sie, das Restaurant müsse der Gemeinde auf Dauer erhalten bleiben. Einer sagte:

«Roggwil braucht den ‹Ochsen›.»

«Es ist wichtig, einen Treffpunkt im Dorf zu haben», meinte ein anderer. Die Wirtschaft könne einem engagierten Beizer durchaus eine gute Existenz bieten, wenn er denn bereit sei, Herzblut zu vergiessen, war ein Versammlungsteilnehmer überzeugt. Allerdings bräuchte es gewisse Investitionen, beispielsweise in die Küche. Wie viel Geld nötig wäre, ist offen.

Das Farinolihaus ist seit kurzem im Schutzplan der Gemeinde.

Das Farinolihaus ist seit kurzem im Schutzplan der Gemeinde.

Bild: Andrea Stalder (Roggwil, 28.2.2019)

Umstritten war auch die Frage, welche Rolle das unmittelbar an den «Ochsen» grenzende Farinolihaus spielen soll. Die Gemeinde kaufte die Liegenschaft 1999 für 200'000 Franken. Sie ist im kantonalen Hinweisinventar als «wertvoll» eingestuft und mittlerweile im Schutzplan der Gemeinde enthalten. Für Gemeindepräsident Hasler gehören Farinolihaus und «Ochsen» aufgrund der Nähe untrennbar zusammen.

Einzelne Roggwiler sehen das anders. Ihrer Meinung nach wäre es am besten, das alte Haus käme weg, sodass die Gemeinde ohne Einschränkungen das Zentrum neu gestalten kann. «Der alte Kasten ist und bleibt ein Hindernis», sagte einer.