Der Kanadier Marcel Trost (80) sucht im Oberthurgau seine Jugendliebe

Der Cosmos Verlag aus Muri BE interessiert sich für Marcel Trosts Geschichte. Vielleicht können Interessierte die Briefe des Ausgewanderten an Alice bald in einem Buch nachlesen.

Lara Jörgl
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Marcel Trost gibt die Suche nach seiner Jugendliebe nicht auf. (Bild: Donato Caspari)

Marcel Trost gibt die Suche nach seiner Jugendliebe nicht auf. (Bild: Donato Caspari)

Nachdem Marcel Trost im August dieses Jahres nach Kanada zurückgekehrt ist, kommt schon die nächste Überraschung aus seinem Heimatland. Der 80-Jährige Kanadier hatte in Romanshorn nach seiner Jugendliebe Alice gesucht, die er als 12-jähriger Bub verlassen musste, um mit seinen Eltern nach Kanada auszuwandern.

Auf der Überfahrt in die Neue Welt schrieb er Alice das erste Mal einen Brief. Auch wenn er sie bis jetzt noch nicht gefunden hat, will er die Hoffnung doch nicht vollständig aufgeben. Das sei überhaupt nicht seine Art, sagt Trost. «Ich glaube immer noch an ein Happy End. Das Schicksal wird uns irgendwann wieder zusammenführen.»

Verfasser staunt und schöpft neue Hoffnung

Nun hat sich der Cosmos Verlag bei unserer Zeitung gemeldet. Man sei sehr daran interessiert, Trosts Briefe an Alice zu drucken, wenngleich man zum jetzigen Zeitpunkt nichts versprechen könne. Marcel Trost könnte die neue Reichweite zugute kommen, immerhin ist der Verlag sehr renommiert.

So kann Trost die verschwundene Alice vielleicht doch noch finden. Das scheint auch er so zu sehen. Der ehemalige Pfader ist begeistert von diesem Angebot. Auf unsere E-Mail hin antwortet er: «Habe ich diese E-Mail gerade richtig verstanden? Ich bin gerade hin und weg!»

Er habe schon mehrmals mit dem Gedanken gespielt, diese Briefe selbst zu publizieren und es schon aus allen möglichen Blickwinkeln   betrachtet, sagt Trost. «Ich bin begeistert und fühle mich geehrt, diese Möglichkeit mit einem Verlag besprechen zu können.»

Entscheidung des Verlags steht noch aus

Sollte der Cosmos Verlag die Briefe tatsächlich verlegen, dann würde das Trost bei der schwierigen Suche nach seiner ehemaligen Pfadifreundin bestimmt helfen. Es wäre sicher nützlich, denn Alice könnte in der Zwischenzeit ja weggezogen sein.

Der Cosmos Verlag betont, dass noch nicht feststehe, ob man das Projekt auch wirklich anpacken wird. Dafür müsste man noch einige Punkte evaluieren.

Doch mit etwas Glück kann Alice vielleicht schon bald die an sie adressierten, lange verschollenen Briefe in ihrem Wohnzimmer lesen. Vielleicht könnte Marcel Trost so nach all den Jahren mit Alice und seiner Vergangenheit in der Schweiz abschliessen.

Renommierter Schweizer Verlag

Der Cosmos Verlag wurde im Jahr 1923 gegründet und 1936 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1982 stieg er in die Buchhandel-branche ein. Ab 2011 verstärkte die Firma ihr Bemühen um das «Digital Business», unter anderem mit steuerportal.ch und mit «Cosmos Digital», einer Datenbank für Fachliteratur. Der Verlag mit Hauptsitz in Muri BE verlegt Autoren wie Pedro Lenz, Elizabeth Müller oder auch Alexander Heimann. Ein besonderer Schwerpunkt im Cosmos Verlag ist die Fachliteratur, aber auch Belletristik ist vertreten. Reto Aeberli ist der Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident. (laj)