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Der in Kreuzlingen beschuldigte Diplomat sitzt in Deutschland in Haft

Der Unternehmer, der letzte Woche dem Termin vor Bezirksgericht fern blieb, ist auch in seiner Heimat im Visier der Justiz. Im Thurgau geht es um das Erschleichen von Ausländerbewilligungen, in Deutschland offenbar um schweren Betrug.
Martina Eggenberger Lenz
Der beschuldigte Berater mit Diplomatenstatus, der Botschafter der Zentralafrikanischen Republik und der ehemalige Tennisstar Boris Becker im Frühling 2018 in Brüssel. (Bild: Twitter)

Der beschuldigte Berater mit Diplomatenstatus, der Botschafter der Zentralafrikanischen Republik und der ehemalige Tennisstar Boris Becker im Frühling 2018 in Brüssel. (Bild: Twitter)

Am Montag vor einer Woche wollte das Kreuzlinger Bezirksgericht über eine Einsprache zu einem Fall von erschlichenen Aufenthaltsbewilligungen verhandeln. Die beschuldigte Person erschien nicht (unsere Zeitung berichtete). Mittlerweile ist auch klar, warum: Der 51-jährige Deutsche sitzt in seinem Heimatland in Untersuchungshaft. Das berichtet der «Spiegel» in seiner aktuellen Ausgabe.

Gemäss Informationen des Nachrichtenmagazins wurde der Geschäftsmann, der sich im Kreuzlinger Fall auf diplomatische Immunität beruft, bereits am 30. August in Berlin verhaftet. Anscheinend ermittelt eine Antikorruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft München gegen den Unternehmer.

Falsche Firmen und eine Adresse für vier Männer

Die Kreuzlinger Staatsanwaltschaft beschuldigt den Deutschen der Täuschung von Behörden. 2013 soll er für vier Personen einen Ausländerausweis B erschlichen haben. Dazu fertigte er angeblich Arbeitsverträge im Namen fingierter Firmen an und gab als Wohnsitz seiner Angestellten eine Adresse in Kreuzlingen an – notabene für alle die gleiche.

Warum alles aufflog, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Die Staatsanwaltschaft verfügt über keine Unterlagen mehr. Sie hat die Akten dem Gericht übergeben. Fest steht, dass die Gesuche damals beim Einwohneramt Kreuzlingen eingereicht wurde. Dessen Leiterin Margrit Ernst erklärt, wie das im Normalfall abläuft: Die Gesuchsteller müssen einen vom Arbeitgeber unterschriebenen Arbeitsvertrag einreichen, einen Fragebogen zum Job ausfüllen, einen Mietvertrag vorlegen sowie sich ausweisen. Das Einwohneramt prüfe nur auf Vollständigkeit, nicht inhaltlich. Die Kopien der Unterlagen würden dann ans kantonale Migrationsamt weitergeleitet, welches die Bewilligung ausstelle.

Die vier Personen, die unrechtmässig die Aufenthalts­bewilligung erhielten, leben mittlerweile offiziell nicht mehr in Kreuzlingen. Die von allen angegebene Adresse in einem Wohnquartier im Ortsteil Kurzrickenbach existiert nicht mehr. Das Haus wurde abgebrochen.

Diplomatische Immunität als Schutz vor der Justiz

Das Vergehen könnte den Beschuldigten insgesamt rund 4500 Franken kosten. Vermutlich ist das ein kleines Übel, im Vergleich zu dem, was ihm in Deutschland droht. Von «schwerem Betrug» ist dort die Rede, von einem ganzen Netzwerk an Ausweisbeschaffern, Hochstaplern und Pleitiers.

Die Masche: Die zweifelhaften Geschäftsleute – der Kreuzlinger Protagonist sass schon zwei Mal wegen verschiedener Delikte mehrere Jahre im Gefängnis – besorgen sich Diplomatenpässe und diplomatische Dienstausweise besonders armer afrikanischer Staaten und verschaffen sich somit diplomatische Immunität, um sich der Justiz zu entziehen. Auch im Verfahren um die erschlichenen Aufenthaltsbewilligungen beruft sich der angebliche «Prof. Dr.» auf seinen Diplomatenstatus. Er sei Berater des Aussenministers von Sao Tomé e Principe.

Boris Becker und das Foto aus Brüssel

Fest steht, dass der Beschuldigte auch seine Finger mit im Spiel hatte, als Ex-Tennisstar Boris Becker 2018 über Nacht zu diplomatischen Ehren der Zentralafrikanischen Republik kam - wobei er dachte, das könnte ihm im Insolvenzverfahren nützlich sein. Auf seinem Twitter-Account postete der Berater ein Bild, das ihn mit Becker und dem Botschafter des afrikanischen Staates in Brüssel zeigt.

Gemäss «Spiegel»-Recherchen ist das nicht das einzige Mal, dass der Deutsche anderen zum Diplomatenstatus verhalf, beziehungsweise jemandem einen solchen in Aussicht stellte. Der Berater sagt in einem Video, das auf Youtube abrufbar ist, selbst, dass es afrikanische Amtsträger gebe, die bereit seien, für eine halbe Million Euro Diplomatenausweise auszustellen.

Auf einen solchen könnte es auch ein im Hinterthurgau wohnhafter Millionärssohn abgesehen haben. Wie es in der «Spiegel»-Recherche heisst, wurde ein auf seinen Namen ausgestellter Diplomatenpass gefunden. Dem ehemaligen Händler von Luxusautos droht Knast, weil er zwecks Versicherungsbetrugs 2014 in Augsburg einen Ferrari in die Luft sprengen liess. Möglich, dass auch er sich mit dem Diplomatenpass vor einer Verhaftung schützen wollte.

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