Warum der höchste Arboner sein Amt mit frischen Windeln antritt

Lukas Auer löst als Parlamentspräsident Jakob Auer ab. Das Abschiedsgeschenk an seinen Vater hatte es in sich.

Annina Flaig
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Jakob Auer rückt für seinen Nachfolger Lukas Auer das Mikrofon zurecht. Im Hintergrund steht die Windeltorte.

Jakob Auer rückt für seinen Nachfolger Lukas Auer das Mikrofon zurecht. Im Hintergrund steht die Windeltorte.

Helio Hickl

Er ist der jüngste Arboner Parlamentspräsident aller Zeiten. Doch die Windeln auf dem Pult sind nicht für ihn bestimmt. Die Wahl des 30-jährigen Lukas Auer zum höchsten Arboner hat in der Sitzung vom Dienstagabend Schmunzeln ausgelöst. Er, der seit 2016 für die CVP im Stadtparlament sitzt und noch keine Sitzung verpasst hat, ist vor sechs Monaten zum ersten Mal Vater geworden.

Im Publikum brabbelt ein Baby vor sich hin

Seine Frau und seine kleine Tochter liessen es sich nicht nehmen, der Wahlsitzung beizuwohnen. Und so brabbelte während der Sitzung, die öffentlich ist, im Publikum ein Baby seelenruhig vor sich hin. Opa Jakob Auer (SP) erhielt zum Abschied eine Windeltorte, damit er die Enkelin fleissig wickeln kann. Dieser nahm das Geschenk entgegen und sagte scherzhaft ins Mikrofon: «Ich bin froh, dass die nicht für mich bestimmt sind.» Damit beendete er das Familieninterne. Über den neuen Stadtrat sagte der scheidende Präsident: «Der Stadtrat hat auf das Pferd Arbon gesetzt. Er ist zwar noch nicht ganz sattelfest. Aber er ist auch noch nicht heruntergefallen.»

Im ersten Geschäft ging es um Millionen von Franken

Bei der humorvollen Amtsübergabe hatte der Vater fast vergessen, seinen Sohn offiziell zu fragen, ob er die Wahl annimmt. Das ist im Arboner Parlament keine rhetorische Frage. Letztes Jahr verzichtete Landwirt Ruedi Daepp (SVP) nämlich aus betrieblichen Gründen auf das Amt des höchsten Arboners. Jakob Auer sprang für ihn ein. Nächstes Jahr hat die SVP nun wieder Aussicht auf das Amt: Ueli Nägeli wurde zum Vizepräsidenten gewählt.

Das Arboner Stadtparlament an der Wahlsitzung vom 30. Juni 2020 im Seeparksaal.

Das Arboner Stadtparlament an der Wahlsitzung vom 30. Juni 2020 im Seeparksaal.

Helio Hickl

Als erstes wichtiges Geschäft unter dem neuen Präsidenten behandelte das Parlament die Jahresrechnung 2019. Sie wurde mit 27 von 29 Stimmen genehmigt. Ebenfalls mit 27 Stimmen beschloss das Parlament, den Ertragsüberschuss von 4,4 Millionen Franken dem Eigenkapital gutzuschreiben. Die Fraktionen zeigten sich durchweg erfreut über diese zweite positive Rechnung in Folge. Cyrill Stadler (FDP), Präsident der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission lobte diesbezüglich den ehemaligen Stadtrat für seine Anstrengungen.

Stadtpräsident Dominik Diezi wies daraufhin, dass die Budgetplanung für 2021 zwar in vollem Gange, durch Corona jedoch sehr erschwert sei. Er sagte: «Wir sind sicher gut beraten, wenn wir vorsichtig budgetieren.»

Abschied von zwei politischen Urgesteinen

Das Parlament verabschiedete sich am Dienstag von zwei politischen Urgesteinen: Max Gimmel (FDP) trat nach 13 Jahren und Roland Schöni (SVP) nach 18 Jahren zurück. Cyrill Stadler, neuer Fraktionspräsident (FDP/XMV), erinnerte daran, mit welcher Gelassenheit Gimmel die «nicht ganz einfache und politisch ziemlich bunte Truppe» aus Freisinnigen und Mitgliedern der Gruppierung Xsunder Menschen Verstand geführt hatte. Pascal Ackermann, neuer Fraktionspräsident der SVP, verabschiedete den pensionierten «strammen Polizisten» Schöni, der dem Parlament seit Beginn im 2003 angehört hatte. Weil er aus Arbon wegzieht, tritt auch Christoph Lehner (CVP/EVP) nach nur einem Jahr aus dem Parlament zurück. Rico Baettig (FDP), Aurelio Petti (CVP) und Matthias Schawalder (SVP) rücken nach. Esther Straub (CVP) wird als neues Büromitglied gewählt. (afl)

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