Der Herr der Töne und sein wahnwitziger Solist: Das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen ist zurück im Konzertmodus

Mit Schutzkonzept und Liveübertragung ins Internet feierte das Spitzenorchester am Sonntag die Rückkehr zur Normalität. Auch wenn noch zahlreiche Stühle frei bleiben mussten.

Emil Keller
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Das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen mit Dirigent Stefan Roth.

Das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen mit Dirigent Stefan Roth.

(Bild: PD/Reto Bollinger)

Für das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen, welches diesen Sommer eigentlich eine Musikreise nach Singapur geplant hatte, war das Konzert «Symphonia Classic» ein Schritt zurück zur Normalität. Statt einer Konzertreihe mit vier Aufführungen gab es jedoch nur die eine am Sonntag in Bottighofen. Das auf 150 Plätze beschränkte Dorfzentrum in Bottighofen war dann auch noch vor Türöffnung ausverkauft. Da sich Blasinstrumente mit Mundschutz nicht spielen lassen, trennen Plexiglasscheiben die Orchestermitglieder voneinander ab. Der Qualität des Spiels tut dies keinen Abbruch.

Den Auftakt gibt das Stück «Divertimento» des Schweizer Komponisten Oliver Waespi. Hier zeigte sich, dass keine Hi-Fi-Anlage der Welt es schafft, den Zauber eines Livekonzert zu ersetzen. Denn eine Tonaufnahme ist immer bereits Geschichte. Man weiss, dass die fragilen Passagen gelingen und das Zusammenspiel funktioniert, sonst wäre die Platte nicht gepresst worden. Doch während eines Konzerts liegt die Spannung förmlich in er Luft, wenn Oboe, Horn oder Flöte allein ertönen.

Dieser Genuss von Zukunftsmusik ist ein besonderes Erlebnis. Dieses hat an diesem Abend auch Dirigent Stefan Roth. Für ihn ist es nach dem Lockdown der erste Auftritt.

«Ich denke nicht nur das Publikum, sondern auch meine Musiker wissen es nach dieser Zeit wieder mehr zu schätzen, gemeinsam auf der Bühne stehen zu dürfen.»
Applaus aus allen Reihen: Gastsolist Milan Rericha entzückte Publikum und Orchestermitglieder gleichermassen.

Applaus aus allen Reihen: Gastsolist Milan Rericha entzückte Publikum und Orchestermitglieder gleichermassen.

(Bild: PD/Reto Bollinger)

Dass auch ein Musiker allein die Zuhörenden in Staunen versetzen kann, beweist der tschechische Klarinettist Milan Rericha. In wahnwitzigem Tempo meistert er die «Sinfonietta Concertante», welche Komponist Jan Valta eigens ihm und dem SBO gewidmet hat.

Die fantastische Welt von «Der Herr der Ringe» bildet den Abschluss des Abends. Johan de Meijs Sinfonie porträtiert verschiedene Charaktere aus dem Roman, wie den Zauberer Gandalf oder die Hobbits. Ob es schmeichelnd für das Sopransaxofon ist, für das abscheuliche Wesen Gollum herhalten zu müssen, sei dahingestellt. Beeindruckend ist es allemal zu hören, welch gurgelnde, glucksende und quakende Laute eine Saxofonistin ihrem Instrument entlocken kann.

Konzert im Internet

«Symphonia Classic» zum nachschauen auf Youtube

«Der Applaus gibt uns Recht, das Konzert durchgeführt zu haben», zeigte sich Vereinspräsident Christian Schärer zufrieden mit dem Abend. Neu war die Aufführung auch per Live-Stream zu hören gewesen. «Mit diesem Gedanken spielten wir schon seit einigen Jahren», so Schärer, der auch Zuschauer aus den USA oder Australien verzeichnete. Eine Auswertung wird nun zeigen, ob auch kommende Aufführungen im Netz zu sehen sein werden. Das Konzert kann man sich auf Youtube kostenlos anhören.

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