Der HC Thurgau zapft die letzten Reserven an

Wäre der HC Thurgau ein Elektroauto, würden im Cockpit längst alle Warnlampen leuchten. Schafft es der Swiss-League-Leader noch an die rettende Steckdose vor dem Heimspiel am Dienstag um 20 Uhr gegen den HC Sierre?

Matthias Hafen
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«Gegen Schluss geht uns immer mehr die Luft aus», sagt Patrick Spannring (rechts). Der österreichische Stürmer entpuppte sich zuletzt als wichtiger Skorer.

«Gegen Schluss geht uns immer mehr die Luft aus», sagt Patrick Spannring (rechts). Der österreichische Stürmer entpuppte sich zuletzt als wichtiger Skorer.

Mario Gaccioli (Winterthur, 11. Oktober 2020)

Der Hinweis, sofort die nächste Stromzapfsäule anzusteuern, ist unmissverständlich. Nach zehn Spielen im Oktober und diversen Absenzen im Kader ist die Batterie fast leer, lechzt der Swiss-League-Leader geradezu nach einer Pause. Doch bevor diese kommt, steht am Dienstag um 20 Uhr noch das Heimspiel gegen den HC Sierre an.

Diese Partie wurde dem HCT ebenso aufs Auge gedrückt wie das Gastspiel bei der EVZ Academy vor einer Woche. Denn eigentlich würde der Meisterschaftsbetrieb in dieser Woche, die für das Nationalteam reserviert war, ruhen. Doch weil alle Termine der Nationalmannschaft vorerst ausgesetzt sind, geht die Coronasaison für den HC Thurgau munter weiter. Das Heimspiel gegen Sierre war ursprünglich am 23. Oktober im Kalender gestanden und wird nun, nach erfolgter Quarantäne der Unterwalliser, nachgeholt.

«Wir taumelten dem Ende entgegen»

Kann das noch gut gehen für den HC Thurgau? Das ist die berechtigte Frage nach den zwei letzten Auftritten der Mannschaft gegen die GCK Lions. Am Freitag, beim 0:3 in Küsnacht, schien sich die Navigation des Thurgauer E-Mobils schon aufgehängt zu haben, irrten die Spieler in Gelb-Grün für ihre Verhältnisse wirr auf dem Eis umher. Am Sonntag, beim 3:2-Overtimesieg in Weinfelden, war der Routenplaner wieder justiert, doch erreichte der HC Tesla die rettende Wallbox mit der letzten Kilowattstunde.

Stephan Mair, Trainer des HC Thurgau.

Stephan Mair, Trainer des HC Thurgau.

Mario Gaccioli

«Wir taumelten richtiggehend dem Ende entgegen», sagte Headcoach Stephan Mair nach dem Spiel. «Unsere Kräfte schwanden. Das merkte man vor allem den Verteidigern an.» Gerade noch drei Abwehrpaare brachte Thurgaus Trainer verletzungsbedingt aufs Matchblatt. «Unsere Abwehrspieler haben derzeit zu viel Eiszeit.» Etwa so, als würde man im Elektroauto Innenraumheizung, Sitzheizung und Lenkradheizung miteinander betätigen. Da erstaunte es nicht, dass der HCT gegen die GCK Lions im Schlussdrittel seinen 2:0-Vorsprung verspielte.

«Gegen den Schluss geht uns immer mehr die Luft aus», sagt auch Stürmer Patrick Spannring. Der Österreicher entpuppte sich in den letzten Spielen als wichtiger Skorer. «Das Positive ist, dass wir regelmässig punkten und weiterhin an der Tabellenspitze stehen», so Spannring. «Aber es tut auch weh, weil das Team eigentlich zu noch mehr fähig wäre.»

Lieber spielen als in Quarantäne

Das Thurgauer E-Mobil wird auch im Spiel vom Dienstag gegen Sierre nicht mit voller Batterieladung an den Start gehen können. Dennoch ist das Spannring immer noch lieber als eine Coronaquarantäne. «Lieber jetzt viele Spiele absolvieren und dann, wenn es Richtung Meisterschaftsentscheidung geht, genug Zeit zum Aufladen haben», sagt er.

Sierre verlor bislang nur gegen Topteams

Die zehntägige Quarantäne des HC Sierre machte es beinahe vergessen: Aber die Walliser sind als grosse Überraschung in die Swiss-League-Saison 2020/21 gestartet. In den ersten sechs Partien holte Sierre vier Siege und musste sich nur den Spitzenteams Kloten und Ajoie (nach Penaltyschiessen) geschlagen geben. Der HC Thurgau ist also gewarnt. Fragt sich nun, inwiefern die Coronaquarantäne den Schwung der Romands gebremst hat. Und: Sierre muss in den nächsten sechs Tagen gleich drei Partien nachholen. Hingegen darf der EHC Visp, der sich in der gleichen Situation wie Sierre befindet, bis am 10. November weiter pausieren, in Ruhe seinen neuen NHL-Leihstürmer ins Kollektiv integrieren und an seiner Form schleifen.