Ein Amriswiler liefert das Mobiliar für den neuen Kindergarten in seiner Heimatstadt: Der Göttibub gab den Anstupf

Der Vertrieb von Albert Happles Amriswiler Kindergartenmöbel lag im Dornröschenschlaf, bis er letzten Spätsommer wachgeküsst wurde.

Manuel Nagel
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Albert Happle und Kindergärtnerin Jasmin Bürgy haben aus dem am Dienstag gelieferten Mobiliar eine Landschaft gebaut.

Albert Happle und Kindergärtnerin Jasmin Bürgy haben aus dem am Dienstag gelieferten Mobiliar eine Landschaft gebaut.

Bild: Manuel Nagel

Manchmal braucht es einen kleinen Stoss, damit etwas wieder in Bewegung kommt, was zuvor stillstand. Und Bewegung ist bei Albert Happle sowieso von grosser Bedeutung. Bereits in den 90er-Jahren besuchte der Physiotherapeut Amriswiler Kindergärten und Schulen und erarbeitete zusammen mit einem Bewegungspädagogen und einer Ernährungsberaterin ein Präventionskonzept.

Amriswil als Hochburg von Kindergartenmöbeln

Nebst Albert Happles Firma gibt es in Amriswil noch das Arbeitsheim ABA, das ebenfalls Kindergärten in der ganzen Schweiz ausstattet. «Wahrscheinlich etwa drei Viertel aller Kindergärtler im Land benutzen Mobiliar aus Amriswil», schätzt Happle. (man)

In dieser Zeit reifte bei Albert Happle auch die Idee für ergonomisches Schulmobiliar. Erste Prototypen liess er damals in Amriswil bei der Schreinerei Krattiger herstellen und konnte in einer Testphase in Matzingen eine Primarschule mit seinen Möbeln ausstatten. Die Rückmeldungen von Lehrpersonen und Kindern waren gut, «doch die Schulhausabwarte waren aus logistischen Gründen nicht sehr begeistert», erinnert sich Happle. Eine Erkenntnis, der er später Rechnung tragen sollte.

Die Produktion von Möbeln für Kindergärten und Schulhäuser blieb für den sonst als Ergonom tätigen Albert Happle ein Hobby, das er nicht sehr aktiv bewirtschaftete. Dennoch startete er mit der Vermarktung der Möbelserie und liess die Marke «learning objects» eintragen und schützen. Doch das Geschäft schlief etwas ein und lag noch bis vor einem Jahr im Dornröschenschlaf.

Auftrag von einer der grössten Kitas der Schweiz

Wachgeküsst hatte sie nicht ein Prinz, sondern ein Rückkehrer aus den Vereinigten Staaten. Albert Happles Göttibub Thomas Sallmann kehrte im letzten Spätsommer in die Heimat zurück, um ab Januar in die Firma seines Vaters, die ISA Bodywear, einzusteigen. So fand Marketingfachmann Sallmann noch Zeit, um mit seinem Götti dessen Möbelproduktion wieder etwas anzukurbeln. Und auch Albert Happle investiert nun wieder mehr Zeit in dieses Herzensprojekt.

Dann ging es im Herbst Schlag auf Schlag, als die Produktion wieder hochgefahren wurde. Happle konnte einige Kindergärten in der Region ausstatten und zog auch einen grossen Auftrag von der Kita Dampfschiff in Winterthur an Land.

Und am Dienstag folgte nun der neue Kindergarten Hemmerswil im Osten der Stadt. Dieser wird nach Pfingsten zum ersten Mal von den Kindergärtlern in Beschlag genommen, nachdem diese während der fast einjährigen Bauphase mit dem Schulbus ins Exil nach Hatswil gefahren wurden. Jetzt dürfen sie wieder in ihren «Chindsgi».

Doch ganz unbekannt sind für die Mädchen und Buben die neuen Möbel nicht, wie Jasmin Bürgy verrät. Sie sagt:

«Da der Kindergarten Nordstrasse schon dieses Mobiliar besitzt, konnten auch meine Kinder Teile davon ausprobieren, wie etwa die wippenden Hocker.»

Und wahrscheinlich werden die Tischelemente, die nicht nur in drei unterschiedlichen Höhen (sitzen, knien und stehen), sondern auch als Bauteile für eine ganze Abenteuerlandschaft benutzt werden können, bei den Kindern Begeisterung auslösen.

Albert Happle hat inzwischen mit Silvan Lieberherr einen Mitarbeiter eingestellt.

Albert Happle hat inzwischen mit Silvan Lieberherr einen Mitarbeiter eingestellt.

Bild: Manuel Nagel

Enthusiasmus verspürt und versprüht auch Albert Happle. Der Ein-Mann-Betrieb ist inzwischen doppelt so gross, auch wenn die Coronakrise die Bestellungen etwas gebremst hat. Doch Happle ist überzeugt von seinem Produkt und der Ergonom hofft, dass er mit seinen «learning objects» einen Beitrag leisten kann, dass Kinder ihre Tätigkeiten nicht schon im Kindergarten zu oft sitzend ausführen – und wenn es doch einmal nicht anders gehen sollte, dann doch bitte auf einem seiner preisgekrönten Designhocker.

www.learning-objects.ch