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Der Gemeindepräsident von Kemmental verlässt sein Amt mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Walter Marty kehrt der Politik den Rücken. Ohne Groll, ohne Wehmut. Schliesslich hat er einiges erreicht.
Martina Eggenberger Lenz
Walter Marty an einem seiner letzten Arbeitstage. (Bild: Andrea Stalder)

Walter Marty an einem seiner letzten Arbeitstage. (Bild: Andrea Stalder)

Der Gemeindepräsident von Kemmental hört Ende Juli auf und wird Gemeindeschreiber in Trüllikon. Er hat seinen Rücktritt aus dem Amt Ende Mai bekannt gegeben. Der Entscheid kam für viele unerwartet.

Erst vor zwei Monaten haben Sie die Öffentlichkeit darüber informiert, dass Sie gehen. Nächste Woche haben Sie bereits den letzten Arbeitstag. Fällt Ihnen der Abschied von der Gemeinde Kemmental leicht?

Walter Marty: Jein. Der Entscheid schlummert ja schon eine Weile in mir. Dann habe ich diese Stelle gesehen, die ich interessant fand – und sie auch bekommen. Klar, ich habe 23 Jahre hier gearbeitet und gelebt. Da gibt es immer ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber ich freue mich jetzt auf den Neuanfang, ich habe ein gutes Gefühl.

Noch im November haben Sie sich im Amt bestätigen lassen. Von Wechselgelüsten keine Spur.

Im November war in keiner Weise absehbar, dass ich die Gemeinde Kemmental verlassen würde.

Da drängt sich die Frage auf, ob im letzten halben Jahr etwas passiert ist. Im Team zum Beispiel.

Ich bin jetzt 23 Jahre da. Das ist eine lange Zeit. Ich bin im 57. Lebensjahr. Meine Überlegung war: Wenn ich bleibe, bin ich 61. Ich hätte bei der nächsten Wahl keine Wahl mehr gehabt. Ich hätte darauf hoffen müssen, ein letztes Mal im Amt bestätigt zu werden. Mit 61 findet man schwerlich einen neuen Job.

Sie hätten aber auch bis 65 bleiben können.

Ja, aber ich habe mich anders entschieden. Als Gemeindepräsident geht man alle vier Jahre in einen Wahlkampf, bei dem man nie weiss, wie er ausgeht. Dieser Realität muss man in die Augen schauen.

Waren Sie auch ein bisschen amtsmüde?

Nein, gar nicht. Mein Job war immer sehr vielfältig und dadurch interessant. Wenn ich zurück schaue, kommen mir die 23 Jahre gar nicht so lang vor.

Zur Person

Walter Marty, Jahrgang 1962, war von 2008 bis 2013 Präsident der SVP Thurgau. Von 2006 bis Mai 2013 war der ehemalige Gemeindeschreiber und Verwaltungsökonom Mitglied des Grossen Rates. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Sie waren Ihr halbes Berufsleben lang Politiker. Jetzt sind Sie dann normaler Angestellter. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das Entscheiden fehlen wird?

Im Gegenteil. Ich freue mich darauf, in die Anonymität einzutauchen. Nicht falsch verstehen: vorher war auch gut. Es gibt keine Tätigkeit, die ich ausgeübt habe, von der ich sagen müsste: das hätte ich besser nicht gemacht. Ich habe alles gerne gemacht.

Abschiedsinterview mit dem Gemeindepräsidenten von Kemmental, Walter Marty. (Bild: Andrea Stalder)

Abschiedsinterview mit dem Gemeindepräsidenten von Kemmental, Walter Marty. (Bild: Andrea Stalder)

Sie waren 19 Jahre Gemeindepräsident, 13 Jahre Kantonsrat, 5 Jahre Präsident der SVP Thurgau. Wo konnten Sie rückblickend am meisten bewegen?

Bei der SVP ist damals einiges gelaufen. Die Affäre Hildebrand, die Abwahl von Blocher. Es war sehr interessant. Als Kantonsrat war mein Höhepunkt das Präsidium der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission. Und in der Gemeinde haben wir viel erreicht, worauf wir stolz sein dürfen. Mit ‹wir› meine ich das Gremium und die Mitarbeiter.

Auf welche realisierten Projekte im Kemmental sind Sie denn besonders stolz?

Wir haben unser eigenes Wappen geschaffen. Wir haben das neue Gemeindezentrum gebaut, ganz nach unseren Wünschen. Ein langer Wunsch der Vereine war die Mehrzweckhalle Alterswilen. Es ist ein toller Erfolg, dass wir diese realisieren konnten. Auch das Wohnen im Alter, das vergangenes Jahr abgeschlossen werden konnte, ist super. Dass es uns gelungen ist, die Arztpraxis zu integrieren, freut mich sehr. Vieles hat bei uns mehrere Anläufe gebraucht. Aber wir haben die Ziele nie aus den Augen verloren. Die Stimmbürger haben das mitgetragen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Steht die Gemeinde heute besser da als vor 19 Jahren?

Die Werke, die aus der nicht einfachen Zusammenführung von 13 Kooperationen entstanden sind, stehen gut da. Wir werden jeden letzten Hof mit unserem eigenen Kommunikationsnetz erschliessen. In den 19 Jahren, in denen ich Gemeindepräsident war, gab es keine einzige Rechnung im Minus. Und trotzdem konnten wir den Steuerfuss noch von 90 auf 58 senken. Zudem konnten wir ein Eigenkapital von vier Millionen Franken aufbauen.

Das Kemmental ist vielen als Wohngemeinde von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel bekannt. Was bringt einem Dorf ein so prominenter Einwohner?

Der Name unserer Gemeinde wird nach aussen getragen. Das ist positiv. Am Anfang war es aber auch stressig. Wegen des aggressiven Auftretens der Boulevardmedien.

Was ist für Sie das Schönste am Kemmental, in einem Wort?

Das Ländliche.

Und worüber haben Sie sich immer wieder geärgert?

Stammtischpolitik. Weil man sich gegen die nicht wehren kann. Zum Beispiel weil man das Amtsgeheimnis wahren muss.

Ist eigentlich noch ein offizieller Abschied geplant oder verschwinden Sie jetzt einfach von der Bildfläche?

Man hat mir gesagt, ich solle mir das Datum der nächsten Gemeindeversammlung reservieren. Die ist im Dezember. Mit dem Team und dem Gemeinderat hatten wir schon eine Abschiedsfeier. Es gab thailändisches Essen, ganz nach meinem Wunsch. Grosse Abschiede sind nicht so mein Ding.

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